Open menu
Bildung & Uni, Business, Recht

30% mehr WU-Anmeldungen: Rektor Sausgruber warnt vor Kürzungen

Rupert Sausgruber ©Klaus Vyhnalek

Interview. Die Anmeldungen zum WU Bachelor sind seit 2024 um 30% gestiegen. Rektor Rupert Sausgruber über Budget-Ängste der Unis und Ausbau-Ideale.

Extrajournal.Net: Die Anmeldungszahlen für die WU-Bachelorstudien sind in den letzten Jahren stark gestiegen: Zum aktuellen Termin Anfang Juni 2026 haben sich 13.000 Kandidatinnen und Kandidaten gemeldet, das sind 30 Prozent mehr als vor zwei Jahren. War das absehbar oder in seinem Ausmaß doch überraschend? Worin liegen die Gründe und wie geht es weiter?

Rupert Sausgruber: Der Anstieg ist sicherlich bemerkenswert, kommt für uns aber nicht völlig überraschend. Die WU ist für Studieninteressierte attraktiv, weil sie exzellente Berufsperspektiven, internationale Ausrichtung und hohe Studienqualität bietet. Dass die Anmeldungen innerhalb von zwei Jahren um rund 30 Prozent gestiegen sind, zeigt, dass diese Stärken und die betreffenden Fächer derzeit besonders stark nachgefragt werden.

Wir gehen davon aus, dass das Interesse an wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen sowie wirtschaftsrechtlichen Studien auch in den kommenden Jahren hoch bleiben wird. Gleichzeitig sehen wir in diesem Bereich eine hohe Dynamik, weshalb sich künftige Entwicklungen nur bedingt prognostizieren lassen.

Die Plätze für die Studien sind teilweise gekoppelt

Das englischsprachige Bachelorstudium Business and Economics (BBE) ist besonders attraktiv – oder überlaufen, je nachdem wie man es ausdrücken will: Auf einen Studienplatz kommen hier 16 Bewerber:innen. Sehen Sie die Notwendigkeit, die Studienplätze aufzustocken, wie das in der Vergangenheit bereits geschehen ist?

Rupert Sausgruber: Die Nachfrage nach den 240 Studienplätzen ist tatsächlich sehr hoch. Aufgrund der Budgetsituation können wir die Plätze derzeit jedoch nicht weiter aufstocken, da dafür die entsprechenden Kapazitäten und zusätzliches Lehrpersonal fehlen.

BBE und der Bachelor in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sind zudem verbundene Studien, was die Anzahl der Studienplätze betrifft. Eine Aufstockung bei BBE würde daher zwangsläufig zu einer Reduktion bei WISO führen. In Summe würde sich die Zahl der Studienplätze also nicht erhöhen.

Hoffnungsträger Business Analytics and Decision Sciences

Die neue Hochschulstrategie der Regierung wird heiß diskutiert, viele Universitäten sorgen sich wegen möglicher Sparmaßnahmen im nächsten Budgetrahmen der Hochschulen, der ja bereits 2028 beginnt. Wie gut ist die Wiener Wirtschaftsuniversität wirtschaftlich aufgestellt? Wo würden Sie Sparmaßnahmen treffen beziehungsweise – wenn es budgetär in besseren Zeiten einmal wieder möglich sein sollte – wo würde die WU gern ausbauen?

Rupert Sausgruber: Auch wenn die WU verantwortungsvoll und sehr effizient wirtschaftet, ist sie auf eine verlässliche öffentliche Finanzierung angewiesen. Derzeit herrscht große Unsicherheit, da die Universitätsfinanzierung jeweils für drei Jahre festgelegt wird, konkret für den Zeitraum 2028 bis 2030. Wie hoch allfällige Einsparungen in den Jahren 2029 und 2030 ausfallen werden, ist derzeit noch offen. Bereits die Fortschreibung des Budgets für 2028 bedeutet faktisch eine Kürzung, da die Universitäten gleichzeitig mit inflationsbedingt steigenden Kosten konfrontiert sind.

Einsparmaßnahmen, die sich aus einer bloßen Fortschreibung oder weiteren Kürzung des Budgets ergeben würden, müssten auch den Personalbereich betreffen. Das hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Betreuungsrelationen (Studierende pro Lehrkraft, Anm.d.Red.), die an der WU nach wie vor über dem österreichischen Durchschnitt liegen. Für Studierende würde das spürbar werden, etwa durch weniger individuelle Betreuung, größere Lehrveranstaltungen und längere Wartezeiten im Studium.

Wenn es budgetär wieder mehr Spielräume gäbe, würden wir insbesondere in zukunftsrelevante Forschungs- und Lehrbereiche investieren. Dazu zählt etwa das neu gegründete Department für Business Analytics and Decision Sciences, in dem international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen und lehren. Der Umgang mit großen Datenmengen, deren wissenschaftliche Analyse und die Übersetzung in fundierte unternehmerische Entscheidungen sind zentrale Zukunftsthemen. Eng damit verbunden sind auch Anwendungen künstlicher Intelligenz (KI) sowie Fragen des Datenschutzes und der verantwortungsvollen Nutzung von Daten. Hier sehen wir weiterhin großes Entwicklungspotenzial.

Im Interview

Univ.-Prof. Rupert Sausgruber ist seit 2013 Professor für Public Economics an der WU (Wirtschaftsuniversität Wien) und seit 2023 ihr Rektor. Im Mai 2026 wurde er von Universitätsrat und Senat bis 2031 wiederbestellt.

Jetzt den Newsletter von Extrajournal.Net abonnieren

Täglich aktuell in Ihrer Mailbox.

Weitere Meldungen:

  1. „Investoren beobachten genau was jetzt bei Privatstiftungen geschieht“
  2. Mehr Sammelklagen gegen Unternehmen: Wie die neue Verbandsklage wirkt
  3. Österreichs Internet-Unternehmen geben sich Regeln für KI-Einsatz
  4. Rekord beim WU Bachelor: Anmeldungen steigen um 8,3% auf 13.000

Schreiben Sie einen Kommentar