Rückkehr des Wachstums. Im Vorjahr war zeitweise kaum mehr Kapital für Start-ups zu bekommen – doch nun ist es wieder da, zeigt ein EY-Marktbericht.
Nach dem sehr schwachen ersten Halbjahr 2025 ist internationales Wachstumskapital auf den österreichischen Start-up-Markt zurückgekehrt: Das gesamte Finanzierungsvolumen lag laut EY in der ersten Jahreshälfte 2026 bei 472 Millionen Euro, ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem (extrem flauen) Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Finanzierungsrunden erhöhte sich von 78 auf 97 und erreichte damit einen neuen Halbjahresrekord. Zu beachten ist dabei allerdings, dass der Big Four-Multi dabei nur Finanzierungsrunden berücksichtigt, die auch veröffentlicht wurden.
Während im Vorjahreszeitraum demnach lediglich mindestens 21 Millionen Euro beziehungsweise 27 Prozent des investierten Risikokapitals aus rein internationalen Investor:innengruppen stammten, waren es im ersten Halbjahr 2026 mindestens 300 Millionen Euro beziehungsweise 64 Prozent. Damit wird die aktuelle Erholung des österreichischen Start-up-Markts maßgeblich von internationalen Kapitalgeber:innen getragen, so das jetzt veröffentlichte „Start-up Investment Barometer“ für das erste Halbjahr 2026 der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY in Zusammenarbeit mit invest.austria.
Die Rückkehr der internationalen Investor:innen
„Internationale Investor:innen sind zurück – und zwar nicht nur symbolisch, sondern mit substanziellen Tickets. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt eine massive Verschiebung: 2025 wurde der Markt noch stark von heimischen und gemischten Investor:innengruppen getragen, 2026 kommt der Großteil des Kapitals wieder aus rein internationalen Runden. Das ist ein starkes Vertrauenssignal für die Qualität österreichischer Start-ups und für die internationale Wahrnehmung des Standorts“, so Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.
Besonders bemerkenswert sei dabei, dass sich die Entwicklung nicht nur in einzelnen Ausnahmedeals zeigt. Die Zahl der Finanzierungsrunden erreichte mit 97 Abschlüssen einen historischen Höchstwert. Gleichzeitig flossen mehr als 300 Millionen Euro aus rein internationalen Investor:innengruppen in österreichische Start-ups. Die aktuelle Erholung des Marktes werde damit sowohl durch eine höhere Aktivität als auch durch die Rückkehr großer international finanzierter Wachstumsrunden getragen.
Heimische Investor:innen bleiben aber im österreichischen Start-up-Ökosystem engagiert: An mindestens 61 der 97 registrierten Finanzierungsrunden waren österreichische Investor:innen beteiligt, 39 Finanzierungsrunden beziehungsweise 40 Prozent aller Abschlüsse wurden sogar ausschließlich von Investor:innen mit Hauptsitz in Österreich begleitet.
Auch bei der Anzahl der Investor:innen zeigt sich die weiterhin hohe Bedeutung heimischer Kapitalgeber:innen: Von den mindestens 230 namentlich bekannten Investor:innen im ersten Halbjahr 2026 haben 116 ihren Hauptsitz in Österreich. Deutschland folgt mit 49 Investor:innen auf Rang zwei. Dahinter liegen die Schweiz (11) und die USA (7).
„Österreichische Investor:innen sichern die Breite des Marktes und ermöglichen seit Jahren die Finanzierung zahlreicher Start-ups in frühen Entwicklungsphasen. Ohne dieses Fundament wäre die jetzt wieder und hoffentlich auch nachhaltig positive Entwicklung des Standorts nicht möglich. Gleichzeitig sehen wir aber, dass größere Wachstumsschritte zunehmend von internationalen Kapitalgeber:innen finanziert werden“, so Haas.
Je größer die Finanzierungsrunde, desto internationaler das Kapital
Besonders deutlich werde diese Entwicklung bei einem Blick auf die Größenklassen der Finanzierungsrunden. Während bei Finanzierungen bis zu einer Million Euro österreichische Investor:innen 74 Prozent aller beteiligten Kapitalgeber:innen stellen, sinkt ihr Anteil bei Finanzierungen zwischen einer und zehn Millionen Euro auf 36 Prozent. Bei Finanzierungsrunden über zehn Millionen Euro liegt der Anteil heimischer Investor:innen nur noch bei rund 13 Prozent.
„Je größer die Finanzierungsrunde, desto internationaler wird die Kapitalbasis. Das ist grundsätzlich kein Nachteil – im Gegenteil: Internationale Investor:innen bringen zusätzliches Kapital, Erfahrung und Netzwerke mit. Gleichzeitig zeigt diese Entwicklung aber auch, dass Österreich bei großen Wachstumstickets weiterhin stark auf ausländisches Kapital angewiesen ist“, sagt Haas.
Um langfristig mehr Wertschöpfung, Wachstum und Skalierung im Inland zu ermöglichen, müsse Österreich zusätzliche heimische Kapitalquellen erschließen. „Gerade institutionelle Investor:innen wie Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen spielen dabei eine zentrale Rolle“, so Haas. Deshalb sei die rasche und ambitionierte Umsetzung des angekündigten Dachfonds ein wichtiger Schritt, um privates Kapital stärker für Innovation und Unternehmertum zu mobilisieren, so Daniela Haunstein, Managing Director von invest.austria.
KI und Nachhaltigkeit ziehen Geld an
Besonders wohlwollend betrachteten die Geldgeber im ersten Halbjahr 2026 Unternehmen aus den Bereichen Sustainability und Artificial Intelligence, so der Marktbericht. Insgesamt 93 Millionen Euro flossen in österreichische AI-Start-ups. Damit wurde der zweithöchste Halbjahreswert seit Beginn der Auswertung erreicht. Insgesamt entfielen 30 der 97 registrierten Finanzierungsrunden (31%) auf Unternehmen mit AI-Bezug. Zusätzliche Dynamik habe das österreichische AI-Ökosystem durch den erfolgreichen Exit von Emmi AI erhalten: Das heimische Start-up wurde vom französischen Branchenkollegen Mistral übernommen.
„Künstliche Intelligenz ist der zentrale Innovationstreiber in nahezu allen Branchen. Investor:innen investieren heute nicht mehr nur in die Technologie selbst, sondern vor allem in konkrete Anwendungsfälle mit skalierbaren Geschäftsmodellen. Österreichische Start-ups können hier mit starken Lösungen in Bereichen wie Health, Cybersecurity, Enterprise Software oder Industrial Tech punkten“, so Haas.
Sustainability zieht besonders viel Kapital an
Mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 170 Millionen Euro entfiel im ersten Halbjahr 2026 mehr als jeder dritte investierte Euro auf Start-ups mit Sustainability-Bezug. Gleichzeitig wurden jedoch lediglich 14 Finanzierungsrunden in diesem Bereich registriert.
Der Grund für die wenigen, aber großen Finanzierungsrunden liege in der Struktur des Nachhaltigkeitssektors: Viele Sustainability-Unternehmen entwickeln technologie- und kapitalintensive Lösungen in Bereichen wie nachhaltiges Bauen, Energie, Dekarbonisierung, Batterie-Technologien oder industrielle Transformation.
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