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Business, Recht

Kanzlei Fieldfisher: Batteriespeicher und KI-Ausbau als wachsende Aufgaben

Thomas Ruhm ©Christina Anzenberger-Fink

Österreich. Drei Jahre nach dem Start hat Kanzlei Fieldfisher sich verdoppelt, sagt Managing Partner Thomas Ruhm im Interview: Batteriespeicher (BESS) und KI-Rechenzentren sind Ausbaugebiete.

Extrajournal.Net: Fieldfisher hat das Wiener Büro 2023 gestartet, im Rahmen einer internationalen Expansion, die zuletzt heuer einen Ausbau in Irland und Polen gebracht hat. Warum hat Fieldfisher sich bereits vor drei Jahren für Wien entschieden?

Thomas Ruhm: Die Kollegen bei Fieldfisher und das Gründungsteam kannten sich bereits, wir haben immer wieder in verschiedenen Bereichen kooperiert. In der Corona-Zeit haben wir uns dann zusammengesetzt und Pläne erarbeitet. Fieldfisher wollte damals bewusst in Mitteleuropa expandieren und Wien mit seiner Rolle als Drehscheibe für Zentral- und Osteuropa bot sich an. Seither hat sich das Team in etwa verdoppelt, und zwar auf allen Ebenen, bei den Partnerinnen und Partnern, den Juristen und im Backoffice. Derzeit haben wir vier Partnerinnen und Partner, 6 Legal Directors, einen Counsel und drei Associates (Rechtsanwaltsanwärter:innen).

In welchen Arbeitsgebieten fand dieses Wachstum statt, welche Bereiche haben Sie seit dem Start ausgebaut?

Thomas Ruhm: Das war einerseits Corporate/M&A, also der Transaktionsbereich, in letzter Zeit aber auch verstärkt Arbitration und Dispute Resolution. In Krisenzeiten wird eben mehr gestritten. Es ist aber auch der Immobilienbereich wichtig für uns, trotz der aktuellen Schwächeerscheinungen am Markt. Wir begleiten hier internationale Investoren aus dem europäischen Ausland, die sich für den österreichischen Markt interessieren.

Real Estate bleibt Hoffnungsträger

Wo sehen Sie in Zukunft das Wachstum?

Thomas Ruhm: Wir wollen uns im Immobilienbereich weiter verstärken, denn wir erwarten, dass sich der Markt erholen wird. Weitere Themen sind Arbeitsrecht und natürlich Corporate. Wichtig ist aber auch der Bereich Technologieunternehmen, also die „Tech M&A-Sparte“ – IT, KI, New Technologies. Hier begleiten wir die Investoren bzw. Unternehmenskäufer, auch im Ausland.

Ein Spezifikum in der Team-Aufstellung von Fieldfisher Wien sind die „Legal Directors“, wie man sie ähnlich vor allem bei Big Four-Kanzleien kennt, kaum bei Anwälten. Welche Rolle spielen sie?

Thomas Ruhm: Die Legal Directors sind bei uns der anwaltliche Stand direkt unter dem Equity Partner. Equity Partners, also Anteilseigner, im Wiener Büro sind auch Equity Partners auf der internationalen Ebene – das ist bei Fieldfisher so üblich, wirkt aber natürlich etwas begrenzend auf die mögliche Anzahl von Partnern. Die Legal Directors entsprechen daher dem Local Partner oder auch Contract Partner bei anderen Kanzleien. Sie üben eine wichtige Rolle bei uns aus, sie sind typischerweise langjährig erfahrene Anwältinnen und Anwälte mit eigenen Mandanten und eigener Abrechnung.

Fieldfisher hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Wachstum von 4 Prozent auf 398 Millionen Pfund (knapp 470 Mio. Euro) erzielt. Dabei gehört Österreich zu den stark wachsenden Standorten, hieß es dabei. Wie groß ist dieses Wachstum ausgefallen?

Thomas Ruhm: Österreich hatte wirtschaftlich wieder ein herausragendes Ergebnis. Die genauen Zahlen wissen wir noch nicht.

Die Aussichten in Central and Eastern Europe

Die internationale Expansion hat zuletzt nach Polen geführt. Welche Regionen sind außerdem interessant?

Thomas Ruhm: Polen kam kurz nach uns dazu, die Expansion in Irland erfolgte, um uns in einem bestimmten Bereich – der Transaktionssparte – zu stärken. Jetzt wird die bestehende Aufstellung in nächster Zeit wohl einmal so bleiben – wir wollen die bestehende Organisation stärken und vertiefen, womit aber natürlich nicht gesagt ist, dass man eine günstige Gelegenheit nicht prüfen würde.

Ist Zentral- und Osteuropa trotz des Ukraine-Kriegs, der die Wirtschaft der Region belastet, für Fieldfisher auch künftig interessant?

Thomas Ruhm: Absolut, wobei die Märkte derzeit vor allem von Polen und von uns betreut werden – die polnischen Kollegen betrachten u.a. das Baltikum und Rumänien, wir den Balkan.

BESS und Rechenzentren als Beratungsthemen

Der Bereich Erneuerbare Energie wurde von Ihnen als wichtiges Arbeitsgebiet genannt: Das betrifft den Ausbau der Energieerzeugung, den Leitungsbau, aber vor allem auch den Bereich Batterieelektrischer Speicher (BESS). Solche Stromspeicher sind für die Energiewende wichtig, weil sie als Puffer für Wind- und Sonnenstrom agieren können; bis jetzt wird aber in Österreich im Gegensatz zu anderen Ländern hier sehr wenig errichtet. Sie erwarten dass sich das ändert?

Thomas Ruhm: Wir bearbeiten dieses Thema im Rahmen unserer länderübergreifenden Sektorgruppe Energie und arbeiten hier u.a. mit den deutschen und britischen Kollegen zusammen. BESS ist in unseren Augen sehr bedeutsam, weil die Notwendigkeit auf der Hand liegt und gerade der regulatorische Rahmen geschaffen wurde. Österreich, aber auch seine Nachbarstaaten werden auf diesem Gebiet mehr tun müssen, und auch wir als Kanzlei wollen im Energiebereich – auch länderübergreifend – mehr tun.

KI-Ausbau und Energie-Ausbau gehen Hand in Hand

Auch in Österreich ist die Errichtung großer neuer KI-Serverstandorte inzwischen ein hochaktuelles Thema geworden, man denke nur an Google in Oberösterreich. Wie wirkt sich dieser Trend aus? KI ist bekanntlich sehr energiehungrig.

Thomas Ruhm: Auch wir haben Mandanten, die über einen Ausbau auf diesem Gebiet und in unserer Gegend nachdenken. Ich würde sagen, es geht mit der Energie-Thematik Hand in Hand. Daher sehen wir auch Beratungsbedarf im Bereich Windkraft – weniger Photovoltaik – und natürlich bei den notwendigen Energiespeichern. Übrigens muss man für solche Projekte nicht notwendigerweise Flächen versiegeln. Auch viele derzeit nicht genutzte industrielle Flächen, brachliegende landwirtschaftliche Einrichtungen, private Grundstücke u.ä. sind geeignet. Dazu kommt die Betreuung des Leitungsausbaus, insbesondere auch länderübergreifend.

Es geht in der Beratung also darum, wo und was errichtet werden darf – und auch um die notwendigen Finanzierungen?

Thomas Ruhm: So ist es. Wir wollen uns als Kanzlei auf diesem Gebiet auch verstärken.

Im Interview

Dr. Thomas Ruhm ist Managing Partner von Kanzlei Fieldfisher Österreich. Seine Spezialisierung als Anwalt liegt im Bereich internationale M&A-Transaktionen sowie Corporate.

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