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Österreich bringt seine KI-Power nicht auf den Boden: Menschen fehlen

Campus WU ©boanet / WU

Neue Studie. In der Debatte um KI geht es meist um Technik, Chips, Rechenzentren und Strombedarf. Doch der wahre Engpass sind Fachkräfte, so die WU.

Österreichs KI-Stärke kommt nicht in den heimischen Unternehmen an, formuliert es die Wirtschaftsuniversität Wien (WU) in einer Aussendung: Künstliche Intelligenz gelte zwar als zentrale Zukunftstechnologie für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, die öffentliche Debatte drehe sich aber etwas verkürzt um Modelle, Chips und Rechenzentren.

Der eigentliche Engpass sitzt demnach woanders: bei den Fachkräften. Ein Report der WU Wien zeige nun erstmals, wie viele Menschen in Österreich tatsächlich an KI arbeiten, wo sie tätig sind und wie sich ihre Zahl entwickelt (Can Tihanyi, Christian Schumacher, Andreas Schumacher: State of AI · Austria · 2026).

Spitze bei Qualität, Nachzügler bei der Verbreitung

Der WU-Report „Austrias AI workforce 2026“ analysiert die Entwicklung der österreichischen KI-Belegschaft anhand von 2,86 Millionen Beschäftigungsdatensätzen aus den Jahren 2018 bis 2025. Zusätzlich sind laut den Angaben 1,23 Millionen individuelle Erwerbsbiografien und mehr als 123.000 Unternehmen in Österreich erfasst worden.

Die Daten wurden über Revelio Labs und Wharton Research Data Services (WRDS) ausgewertet und mit 37 weiteren europäischen Ländern verglichen. Die Studie liefere damit die bislang umfassendste Analyse der österreichischen KI-Arbeitswelt, so die WU. Zusätzlich wurden Führungskräfte von OMV, Infineon, Magna, VTU Group, Saubermacher, Müller-Transporte und Nowevolve hinsichtlich der Einschätzungen aus ihrer Unternehmenspraxis eingebunden.

Österreich wäre eigentlich die Nummer 3 in Europa…

Die Studie zeichnet ein differenziertes Bild der österreichischen KI-Landschaft, so die WU. Im europäischen Vergleich belegt Österreich demnach unter 38 Ländern Rang 3 bei der technologischen Spezialisierung seiner KI-Fachkräfte und zählt damit zu den führenden Standorten Europas. Rund 60% der KI-Beschäftigten arbeiten in Wien.

Gleichzeitig liegt Österreich bei der Verbreitung der KI-Kompetenzen, gemessen an der Zahl der KI-Spezialist:innen im Verhältnis zur Gesamtbeschäftigung, lediglich auf Platz 19. Österreich verfügt über exzellente KI-Expertise, bringt sie aber deutlich seltener in die Breite der Wirtschaft als viele vergleichbare Länder. 97% der heimischen Unternehmen beschäftigen keine KI-Spezialist:innen.

„Modelle und Rechenleistung sind Commodity“

„Modelle und Rechenleistung sind Commodity geworden – beides regelt der Markt. Was er nicht regelt, sind die Menschen“, sagt Christian Schumacher vom Institut für Strategisches Management der WU Wien. Wer ‚KI-Strategie‘ sage und damit nicht ‚Menschen‘ meine, habe also den Kern verfehlt, so sein Kollege Can Tihanyi vom Institut für International Business der WU Wien: Adoption sei ein Personal-, kein IT-Thema. Technologie-Adaption scheitere fast nie an der Technologie, sondern an den Menschen, die fehlen, sie in die Unternehmen zu tragen.

Der Report zeige zudem eine spürbare Abschwächung des Wachstums. Nach einem Plus von 12,5% im Jahr 2024 wuchs die Zahl der hoch spezialisierten KI-Fachkräfte (Core AI) 2025 nur noch um 7,1%. Das Wachstum verlor damit binnen eines Jahres über 40% seiner Dynamik.

Die technologische Spitze wandert oft ab

Österreich verliere ausgerechnet jene Fachkräfte, die KI-Systeme entwickeln und technologisch vorantreiben. 17,2% der Spezialist:innen in sogenannten Build-Rollen verlassen das Land im Laufe ihrer Karriere; in Bereichen wie Generative AI oder Natural Language Processing liege die Quote sogar bei über 23%.

44% aller Abwanderungen erfolgen dabei bereits im ersten Beschäftigungsjahr. Hinzu komme eine dünne Nachwuchsbasis: Nur 6% der KI-Beschäftigten in Österreich sind Einstiegskräfte, gegenüber 23% außerhalb der KI.

Die Stimme der Praxis

„Österreich verliert nicht die Breite seiner KI-Fachkräfte, sondern seinen Platz im technologischen Spitzenfeld“, so Andreas Schumacher, Chief Innovation Officer und Vorstandsmitglied der VTU Group und einer der drei offiziellen Autoren der Studie: „Wer hochqualifizierte KI-Expert:innen halten will, muss ihnen vom ersten Tag an attraktive Projekte, Entwicklungsperspektiven und fachliche Verantwortung bieten – genau im ersten Jahr entscheidet sich, ob jemand bleibt.“

Aus den Befunden leiten die Autoren jedenfalls drei zentrale Handlungsempfehlungen für die Politik und öffentliche Institutionen ab:

  • Es brauche mehr Ausbildungskapazitäten für KI-Fachkräfte an den Universitäten.
  • Unternehmen, insbesondere KMUs, sollten durch gezielte AI-Readiness-Programme dabei unterstützt werden, KI im eigenen Betrieb einzusetzen – etwa durch den Zugang zu geteilter Infrastruktur und Beratung.
  • Zudem benötige es Maßnahmen, um KI-Spezialist:innen langfristig in Österreich zu halten. Nicht jedes Unternehmen brauche dabei eigene KI-Teams – Transferzentren könnten die Lücke schließen.

Der Report liegt übrigens in zwei Fassungen zum Download vor – als „Practitioner Report“ mit 34 Seiten sowie als wissenschaftlicher Report, der mit 70 Seiten den doppelten Umfang erreicht.

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