Big Four & Wirtschaftsstandort. 74% der Unternehmen bewerten Österreichs Steuersystem negativ, so eine Deloitte-Umfrage. Im Vorjahr waren es freilich noch 79%.
Österreichs Wettbewerbsfähigkeit verliert im internationalen Vergleich weiter an Boden, so Big Four-Multi Deloitte in einer Aussendung zur neuen Umfrage „Austrian Tax Survey 2026“: Wie die Studie zeige, sei dies vor allem dem heimischen Steuersystem geschuldet: 74 Prozent der Befragten empfinden es als Nachteil. Um den Standort steuerlich wie wirtschaftlich wieder attraktiver zu machen, brauche es dringend Reformen. Investitionen müssen erleichtert und Bürokratie abgebaut werden, so Deloitte.
Dabei verwundert allerdings der Vergleich mit dem Vorjahreswert, der zwar nicht direkt angegeben wird, den man aber dem Deloitte Tax Survey 2025 entnehmen kann (Link). Gegenüber dem Jahr 2025 hat sich die Situation demnach verbessert: Das „Austrian Tax Survey 2025“ ergab noch 79 Prozent unzufriedene Unternehmen. Auch 2024 lag der Anteil der Unzufriedenen übrigens höher.
Allerdings sind die Unzufriedenen insgesamt gesehen natürlich auch heuer deutlich in der Mehrheit. Gegenüber Extrajournal.Net interpretiert Deloitte die Ergebnisse so: Die betreffende Frage in der Umfrage lautete konkret „Wie herausfordernd nehmen Sie das steuerliche Umfeld in Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Staaten wahr?“. 2025 waren wir hier bei 79 % („eher“ + „sehr“ herausfordernd zusammengerechnet), heuer bei 74 %, so Deloitte weiter: Man sehe das als nicht signifikant an, gewisse Abweichungen ergeben sich auch durch die Samplegröße. Generell sei der Wert seit Jahren anhaltend hoch und auf jeden Fall in einem Bereich, der für den Wirtschafsstandort einen klaren Nachteil darstelle.
Die Ergebnisse 2026
Für die Studie 2026 wurden laut den Angaben rund 300 Führungskräfte zu den größten wirtschaftlichen und steuerlichen Herausforderungen befragt. Drei Viertel bewerten das steuerliche Umfeld in Österreich im europäischen Vergleich als herausfordernd. Strukturelle Nachteile im Inland – wie etwa hohe Steuern, Abgaben und Bürokratie – werden sogar kritischer bewertet als die aktuellen globalen Entwicklungen.
Auch internationale Standortvergleiche zur Wettbewerbsfähigkeit bestätigen diese Einschätzung in den Augen von Deloitte: Im aktuellen World Competitiveness Ranking des IMD ist Österreich von Platz 26 auf Platz 29 zurückgefallen. Als wesentliche Schwachstellen nenne das Ranking insbesondere die Steuerpolitik sowie die öffentlichen Finanzen.
„Das Steuersystem entwickelt sich zum Bremsklotz für die Wettbewerbsfähigkeit. Laut den Unternehmen braucht es endlich einen klaren Kurswechsel. Sie plädieren für eine allgemeine Steuerentlastung, eine Senkung der lohnabhängigen Abgaben sowie Rahmenbedingungen, die Investitionen fördern. Im internationalen Wettbewerb sind das entscheidende Faktoren, um Österreichs Attraktivität wieder zu erhöhen“, so Herbert Kovar, Managing Partner im Bereich Tax & Legal bei Deloitte Österreich.
Komplexität und fehlende Planbarkeit belasten Unternehmen
Besonders die Komplexität des Steuersystems ist für die Unternehmen eine Belastung: Drei Viertel empfinden die steuerlichen Regelungen als herausfordernd. Auch die Themen Lohnabgaben (62%), Betriebsprüfungen und Abgabenverfahren (42%) sowie steuerliche Compliance und Tax-Management-Prozesse (40%) sorgen für Kopfzerbrechen.
Zudem bemängeln die Unternehmen die fehlende Planbarkeit. Mehr als die Hälfte der Befragten werde durch politische Diskussionen über neue Steuern verunsichert. Daneben werden häufige Gesetzesänderungen sowie unklare, doppeldeutige und widersprüchliche Interpretationen der Regelungen durch die Finanzverwaltung als problematisch angesehen.
„Wenn sich steuerliche Rahmenbedingungen laufend verändern und gleichzeitig neue regulatorische Anforderungen hinzukommen, wird unternehmerische Planung erschwert. Österreichs Unternehmerinnen und Unternehmer müssen sich wieder auf das Steuersystem verlassen können – sie brauchen klare Regeln und ausreichend Zeit für die Umsetzung neuer Vorgaben“, so Kovar.
Globale Krisen verschärfen Standortprobleme
Die geopolitische Weltlage sorge für zusätzliche Unsicherheit: Sechs von zehn Führungskräften (63%) rechnen mit starken Auswirkungen der weltweiten Entwicklungen auf den österreichischen Standort und damit auf dessen Wettbewerbsfähigkeit. Generell zeigen sich die Unternehmen pessimistisch: Mehr als zwei Drittel der Befragten (68%) bereite die aktuelle wirtschaftliche Lage Sorgen, jedes zweite Unternehmen sieht die eigene Geschäftstätigkeit davon betroffen. Seit der Veröffentlichung des „Deloitte Radar“ im Frühjahr habe sich die Stimmung in den Unternehmen also weiter merklich eingetrübt.
„Unser Steuersystem ist zu teuer, zu kompliziert und zu behäbig. Die internationale Lage lässt sich nicht steuern – die Standortbedingungen schon. In einem zunehmend unsicheren Umfeld muss die Politik dort ansetzen, wo sie selbst Gestaltungsspielraum hat: bei Steuern, Bürokratie und Investitionsbedingungen. Steuerpolitische Maßnahmen dürfen nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen Teil einer umfassenden Standortstrategie sein. Die Wirtschaftspolitik muss auf Investitionen und Wachstum ausgerichtet werden – nur so hat Österreich langfristig eine Chance“, so Kovar.
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