05. Nov 2015   Recht

SCWP Schindhelm zieht es weiter westwärts

Franz Mittendorfer ©Adrei Liankevich / SCWP Schindhelm
Franz Mittendorfer ©Adrei Liankevich / SCWP Schindhelm

Linz/Wien. Die Wirtschaftskanzlei SCWP Schindhelm plant weitere Ausbauschritte: Nicht nur ihr Hauptsitz in Linz, auch die Tatsache, dass sie als einzige der großen österreichischen Wirtschaftskanzleien in Westeuropa expandiert, unterscheidet sie von der Konkurrenz. Es wird künftig weiterhin westwärts gehen, sagt Partner Franz Mittendorfer im Interview: „Die Marke wird für Wirtschaftsanwälte immer wichtiger.“

SCWP Schindhelm Services SE ist eine Allianz von Wirtschaftskanzleien rund um SCWP (Saxinger, Chalupsky & Partner Rechtsanwälte) mit Standorten in Linz, Wels, Wien und Graz und die deutsche Kanzlei Schindhelm in Osnabrück und Hannover: Gerade erst hat man gemeinsam die neugegründete Kanzlei Schmidt Rogge Thoma in Düsseldorf an Bord geholt; davor stießen Wirtschaftskanzleien in Italien und Spanien dazu.

Mit 74 juristischen Mitarbeitern bei Saxinger, Chalupsky & Partner selbst und über 200 in der SCWP-Schindhelm-Allianz ist man längst unter die Top 10 der großen Wirtschaftskanzleien im Land vorgestoßen. Zusätzliche Kanzleien und Partner in weiteren westeuropäischen Ländern sollen dazukommen, sagt Mittendorfer.

Die Entwicklung

Die Geschichte von SCWP Schindhelm beginnt vor bald sieben Jahrzehnten in Linz: 1947 gründet Eduard Saxinger den Vorgänger der heute unter dem Namen Saxinger, Chalupsky & Partner Rechtsanwälte (SCWP Schindhelm) auftretenden Großkanzlei, mit seinerzeit natürlich kleinerem Umfang als heute. In den 1970er Jahren treten die Anwälte Eduard Saxinger jun. und Peter Baumann und ein, 1985 kommen Wolfgang Lauss und der heutige Managing Partner Franz Mittendorfer als Konzipienten frisch von der Uni und dann ab 1991 als Partner dazu.

Die Kanzlei wächst und gedeiht, wozu ein wichtiges historisches Ereignis beiträgt, erinnert sich Mittendorfer: die Ostöffnung und die Expansion vieler Unternehmen in die neuen Märkte. So begleitet man etwa die Energie AG OÖ bei ihrer Auslandsexpansion. Man folgte also dem bekannten Motto „follow the client“, sagt Mittendorfer. 1996 wird ein neues Büro am Linzer Europaplatz bezogen, 2001 fusioniert man mit der Welser Kanzlei von Ernst Chalupsky und Maximilian Gumpoldsberger.

Zur Jahrtausendwende macht sich am Anwaltsmarkt ein neuer Faktor bemerkbar: Es ist die Zeit der integrierten Beratungsunternehmen; der Beratungsmulti KPMG versucht mit K-Legal im Rechtsmarkt zu expandieren und sucht dafür in Linz und Wien Kooperationen mit Rechtsanwälten. Saxinger, Chalupsky & Partner ist eine Zeitlang mit KPMG assoziiert, auch die angepeilte Expansion nach Wien (und nach Graz) wird durchgezogen.

Das Wiener Büro von SCWP Schindhelm eröffnet zunächst am Stubenring im 1. Bezirk – es war in jener Zeit, als man noch dem weit verbreiteten Glauben folgte, eine Anwaltskanzlei in der Hauptstadt könne nur im 1. Wiener Gemeindebezirk angesiedelt sein. Später folgt man der Affinität zum Klienten RLB Oberösterreich und zieht ins Oberösterreich-Haus. Und es kommt vorübergehend zur Fusion mit der Kanzlei des Kapitalmarktexperten Weber, der aber 2006 wieder ausscheidet. Im Jahr 2013 werden die beiden Linzer Bürostandorte an der heutigen Adresse Böhmerwaldstraße 14 zusammengeführt.

Der Weg ins Ausland

Vor allem ist SCWP Schindhelm in diesen Jahren aber immer mehr für die internationale Expansion bekannt: Saxinger, Chalupsky & Partner schließt 2008 ein Bündnis mit der deutschen Kanzlei Schindhelm, erschließt gemeinsam zunächst einige osteuropäische und dann vor allem westeuropäische Märkte; auch in Asien ist man präsent. 2015 war ein besonders geschäftiges Jahr: Seit Juni 2015 ist man mit DIKE Schindhelm in Bologna und mit L&L Schindhelm in Spanien vertreten, seit September 2015 mit Schmidt Rogge Thoma in Düsseldorf.

Mittendorfer sieht durchaus Potenzial für weiteres Wachstum – im Inland wie im Ausland: „Wir sind die einzige österreichische Großkanzlei, die ihr Stammhaus nicht in Wien hat. Daher sehe ich in Wien noch Potenzial, wobei wir aber nicht an einen Verdrängungswettbewerb denken.“ Und jenseits der Grenzen will man der Himmelsrichtung treu bleiben, die zuletzt die Expansion geprägt hat. Der Blick richtet sich also wieder in den Westen Europas – während alle großen Wiener Kanzleien sich auf Zentral- und Osteuropa konzentrieren? Man denkt eben in mehreren Himmelsrichtungen, sagt Mittendorfer: „Ich würde mich nicht allein auf die sozusagen altösterreichischen Länder konzentrieren wollen.“

Ein Ausbau Richtung Osten oder Südosten ist aktuell bei SCWP Schindhelm nicht geplant. Sehr wohl arbeitet man aber mit Kooperationspartnern zusammen und deckt beispielsweise die Balkanstaaten mit der Adriatic Alliance ab – einer Gruppe unabhängiger Kanzleien, die vorher teilweise Teil internationaler Großkanzleien waren.

Dabei sucht SCWP Schindhelm „Partner, nicht Angestellte“, stellt Mittendorfer klar. Damit ist gemeint, dass die neuen Partner in die Allianz eintreten, die Marke verwenden, aber nicht von den österreichisch-deutschen Gründern übernommen werden.  Die Vorteile der Allianz sind auch so gegeben, betont Mittendorfer: „Der Markt verlangt heutzutage Lösungen. Die Kompetenz für diese Lösungen muss eine Anwaltskanzlei zeigen, und dafür ist eine starke Marke ganz wichtig. Man muss es schaffen, nicht nur gute Arbeit zu leisten, sondern diese Arbeit auch mit einer Dachmarke zu vermarkten, und das auf einem internationalen Level. Unsere Marke SCWP Schindhelm ist inzwischen gut etabliert.“

Link: SCWP Schindhelm

 

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