04. Apr 2019   Business Recht

2018 brachte Fusions-Deals um 680 Milliarden Dollar

M&A. Die Übernahmewelle im Industriesektor wird weiter vom technologischen Wandel getrieben und lief auch im Vorjahr auf Hochtouren, so eine Studie von A.T. Kearney.

Vor genau einem Jahr ging ein spektakulärer Deal über die Bühne: Der südkoreanische Großkonzern LG übernahm um 1,1 Mrd. € den niederösterreichischen Licht- und Elektroniksystem-Spezialisten ZKW. Was in Österreich ein Erdbeben verursachte, war – laut des „Industrials Executive M&A Report 2019“ der internationalen Managementberatung A.T. Kearney – bestenfalls ein leichtes Zucken.

„Seit 2009 hat sich das Volumen an M&A Deals unter Industrieunternehmen fast verdreifacht“, fasst Guido Hertel, Partner bei A.T. Kearney, die aktuelle Studie der Unternehmensberatung zum weltweiten Transaktionsgeschehen zusammen.

„Wir rechnen damit, dass der M&A-Markt in Nordamerika und Westeuropa sowie auch in den Schwellenländern China und Indien weiterhin wachsen wird. Neben Konsolidierung und digitalem Wandel werden auch die Aktivitäten von Finanzinvestoren das weltweite Transaktionsgeschehen prägen“, meint Hertel. So stieg der Gesamtwert der abgeschlossenen Deals von 662 Mrd. $ im Jahr 2017 auf 680 Mrd. $ im Jahr 2018.

Technologischer Wandel als Triebfeder

Warum die Fusionswelle nicht zu stoppen ist, erklärt Robert Kromoser, Managing Director und Büroleiter von A.T. Kearney Austria so: „Konsolidierungsziele wie mehr Effizienz aber auch Abrundung des Portfolios treiben die Industrieunternehmen zu segmentinternen Übernahmen und Fusionen. Ein weiterer, zunehmend wichtiger Grund für Deals ist der Zugang zu neuen Technologien. Die Zahl segmentübergreifender Deals wird der Untersuchung zufolge dementsprechend deutlich wachsen.“

Besonders starken Druck, neue Technologien zu erwerben, hat die Automobilindustrie, wie Hertel erläutert: „Sie steht mit dem Wandel zu autonomem Fahren und elektrischem Antrieb am Beginn einer Konsolidierungswelle, die ihre Wertschöpfungskette nachhaltig umbauen wird.“

So hat Toyota jüngst in den Mobilitäts-Dienstleister GrabTaxi investiert und der Zulieferer Calsonic Kansei hat die Übernahme des Wettbewerbers Magnetti Marelli angekündigt. Unternehmen der Elektrotechnik und Elektronik zielen dagegen auf Software und Cloud-Technologien, wie Broadcom mit der Übernahme von CA Technologies.

Auch die wachsende Digitalisierung in der Industrie ist ein Grund für weitere Übernahmen. Jüngste Beispiele hierfür sind Schneider Electrics Akquisition des Software-Unternehmens Aveva und Siemens Übernahme von Mendix, dem führenden Anbieter für Low-Code Plattformen. Schließlich zeichnen sich auch im Bereich der Medizintechnik auf Grund des demographischen Wandels Verschiebungen ab, meinen die Autoren.

Megadeals nehmen zu

Der Trend zu Megadeals wird sich der Untersuchung zufolge fortsetzen: Schon 2018 gab es mehr als 100 Deals, deren Wert jeweils über einer Mrd. $ lag. Sieben Transaktionen überschritten sogar die 10 Mrd. Dollar-Grenze. Die größte war die gut 30 Mrd. $ schwere Übernahme des Flugzeugzulieferers Rockwells Collins durch United Technologies.

„Der M&A Markt für Industrieunternehmen ist weiterhin im Aufschwung. Allerdings könnten politische und regulatorische Interventionen die Dynamik bremsen“, kommentiert Hertel den Ausblick auf 2019. „Über 300 Mrd. $ alleine an angekündigten Deals lassen ein dynamisches Jahr erwarten.“

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