29. Nov 2021   Business Recht Steuer

TPA vergleicht Personalkosten in Mittel- und Südosteuropa

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Brutto und netto. Steuerberater TPA hat gemeinsam mit Personalberater Kienbaum die Arbeitskosten in zwölf Ländern Süd- und Mitteleuropas verglichen.

Im Fokus der Studie „Personalkosten als Faktor der Standortentscheidung“ stehen dabei vier Personengruppen: Geschäftsführer, Führungskräfte, Angestellte und Arbeiter. Auf Basis der Bruttoentgelte wurden dabei die Gesamtkosten, die einerseits für den Arbeitgeber entstehen, aber auch die Nettobeträge, die der jeweilige Mitarbeiter (am Ende des Monats) erhält, ermittelt.

Verglichen wurden konkret:

  • Albanien
  • Bulgarien
  • Kroatien
  • Montenegro
  • Österreich
  • Polen
  • Rumänien
  • Serbien
  • Slowakei
  • Slowenien
  • Tschechien
  • Ungarn

Für Unternehmen lohne es sich, genau hinzusehen, vor allem, wenn sie Mitarbeiter entsenden oder überlegen einen neuen Standort zu eröffnen, heißt es bei den verantwortlichen TPA-Profis: Die Studie wurde von den TPA-Partnern Klaus Bauer-Mitterlehner und Thomas Haneder sowie Wolfgang Höfle, TPA-Spezialist für Lohn- und Sozialversicherung) geleitet. „Nearshoring ist das Schlagwort der Stunde – dabei spielen die Personalkosten neben anderen Faktoren eine entscheidende Rolle“, so Haneder.

Die Erkenntnisse

Betreffend Personalkosten für Arbeitgeber lassen sich laut den Studienautoren folgende Punkte hervorheben:

  • Österreich liegt bei den Gesamtkosten immer mit großem Abstand an erster Stelle und verzeichnet somit die höchsten Personalkosten in allen Personengruppen. Danach folgen bei allen Personengruppen die Staaten Slowenien, Tschechien und Slowakei – alle drei sind direkte Nachbarn von Österreich.
  • Im „Mittelfeld“ bewegen sich die Gesamtkosten der Länder Polen, Kroatien und Ungarn.
  • Niedrige Gesamtkosten zeigen Montenegro, Rumänien, Serbien und Bulgarien (je nach Personengruppe in unterschiedlicher Reihung).
  • Die geringsten Gesamtkosten fallen durchwegs bei allen Personengruppen in Albanien an.

Auffallend sei, dass die Personalkosten in den Nicht-EU-Ländern vergleichsweise niedrig sind. Weiters: Jene Länder, die der EU früher beigetreten sind (Slowenien, Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn), weisen höhere Kosten auf als Länder mit späterem EU-Beitritt (Rumänien, Bulgarien).

In Südosteuropa sind also geringere Personalkosten auszumachen. Bei den Zahlen und Berechnungen sei freilich zu bedenken, dass bei Standortentscheidungen auch weitere Kriterien zu berücksichtigen sind: Etwa Ausbildungs- und Qualifikationsniveaus sowie Einschränkungen durch arbeitsrechtliche Bestimmungen.

Der Blick auf die Branchen

Die Länder Mittel- und Südosteuropas sind beliebte Outsourcing-Standorte für den IT-Sektor und die produzierende Industrie. Als Resultat einer detaillierten Betrachtung dieser beiden Branchen lassen sich laut TPA folgende Punkte zusammenfassen:

  • Die Reihung der einzelnen Länder ändert sich im Wesentlichen nicht.
  • Die Personalkosten von Angestellten im IT-Bereich liegen in allen Ländern über dem Durchschnitt.
  • Die Personalkosten von Arbeitern in der produzierenden Industrie sind durchwegs geringer als im Branchenschnitt – in Kroatien beispielsweise sogar um 21%.

Was bleibt den Mitarbeitenden netto?

Der Studie liegen je nach Land unterschiedlich hohe Bruttobeträge zugrunde, es können sich daher im Einzelfall trotz hoher Steuern und Sozialversicherungsbeiträge hohe Nettobeträge ergeben. Insofern sei es aufgrund der mit Abstand höchsten Bruttobeträge nicht überraschend, dass sich in Österreich trotz hoher Steuern und Sozialversicherungsbeiträge die höchsten Nettobeträge ergeben.

Danach ergibt sich aufgrund der unterschiedlichen Steuersysteme (flat-tax / progressiver Steuertarif; Sozialversicherung mit / ohne Höchstbeitragsgrundlage) je nach Personengruppe ein unterschiedliches Bild. Während in Österreich und Slowenien das Netto-Gesamtkosten-Verhältnis bei sinkenden Vergütungen ansteigt (insbesondere aufgrund des progressiven Steuersystems und hoher SV Höchstbeitragsgrundlagen), entwickelt sich dieses in Albanien, Bulgarien und Serbien entgegengesetzt (aufgrund Flat Tax und niedriger SV-Höchstbeitragsgrundlagen).

In den letztgenannten Ländern führe dies zu dem gesellschaftlich bemerkenswerten Ergebnis, dass die gut verdienenden Personen nicht nur in absoluten Zahlen mehr verdienen, sondern in Relation zu den Gesamtkosten.

Der Vergleich Österreich-Bulgarien

Um das zu verdeutlichen stellt TPA in einer Aussendung Bulgarien und Österreich gegenüber:

  • In Bulgarien erhält ein Geschäftsführer 85% der insgesamt auf ihn entfallenden Personalkosten als Nettogehalt überwiesen, einem gering verdienenden Arbeiter verbleiben lediglich 65% netto.
  • In Österreich verhält sich das genau entgegengesetzt. Das Nettogehalt des Geschäftsführers beträgt lediglich 49% der Gesamtkosten, beim Arbeiter hingegen 60%.

Diese völlig konträre Entwicklung ergebe sich einerseits aus einem unterschiedlichen Steuersystem (Flat Tax von 10% in Bulgarien, progressive Besteuerung mit Grenzsteuersatz von 55% in Österreich). Anderseits werden in Bulgarien gut verdienende Personen durch die geringe SV-Höchstbeitragsgrundlage von 18.000 Euro jährlich (in Österreich 77.700 Euro jährlich) begünstigt.

 

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