18. Jun 2013   Recht

Heid Schiefer Report 2013: „Image von Ausschreibungen stark verbessert“

Stephan Heid ©APA-Fotoservice/T.Preiss
Stephan Heid ©Heid Schiefer/APA/T.Preiss

Wien. Österreichische Unternehmen nehmen häufiger an Ausschreibungen teil. Im vergangenen Jahr hat sich jedes zweite Unternehmen an mindestens einer Bietersuche beteiligt, 2011 waren es nur 14 Prozent.  Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der auf Vergaberecht spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei Heid Schiefer.

Auch bei den Auftraggebern sei ein klarer Aufschwung erkennbar: Drei Viertel haben im Vorjahr mindestens einen Auftrag ausgeschrieben, 2011 tat das lediglich ein Viertel.

Grund dafür könnte sein, dass Ausschreibungen in den letzten Jahren ein besseres Image bekommen haben: Bieter wie Auftraggeber beurteilen diese als wesentlich fairer, transparenter und weniger anfällig für Manipulationen als zuletzt, heißt es in einer Aussendung.

2011 veröffentlichte Heid Schiefer die erste Studie zum Thema Ausschreibungen in Österreich. Die Ergebnisse seien teilweise alarmierend gewesen: Sowohl Auftraggeber als auch Bieter zeichneten ein hauptsächlich negatives Bild von heimischen Ausschreibungen. Seitdem hat sich einiges getan: Das novellierte Bundesvergabegesetz trat am 1. April 2012 in Kraft und die Korruptionsstaatsanwaltschaft rückte mit spektakulären Fällen in den öffentlichen Fokus.

Dass diese Maßnahmen offenbar Früchte tragen, zeigen die Ergebnisse des zweiten Heid Schiefer-Reports, durchgeführt von meinungsraum.at unter 566 Entscheidungsträgern bei Ausschreibungen und Vergabeverfahren, heißt es weiter.

Sowohl auf Auftraggeber- als auch auf Bieterseite habe sich das Image von Ausschreibungen im Vergleich zu 2011 deutlich verbessert.

Fast 60 Prozent der Auftraggeber sehen eine positive Entwicklung der allgemeinen Situation bei Ausschreibungen, bei Bietern sind immerhin knapp 40 Prozent dieser Meinung.

Mehr Ausschreibungen und mehr Bieter

Auftragnehmer in Österreich scheinen sich zunehmend mehr von Ausschreibungen zu versprechen: Nahmen 2011 nur 14 Prozent der Befragten an Ausschreibungen teil, stellte sich nach der aktuellen Erhebung 2012 bereits jedes zweite österreichische Unternehmen dem Wettbewerb einer Bietersuche.

Nach wie vor geben Ausschreibungs-Muffel mangelndes Interesse (35%) als Hauptgrund für die Nicht-Teilnahme an, gefolgt von fehlenden Kapazitäten (24%). Dieser Faktor spiele vor allem bei großen öffentlichen Ausschreibungen nach dem BVergG eine Rolle.

Noch aktiver als die Bieter sind die heimischen Auftraggeber: Drei Viertel geben an, 2012 zumindest eine größere Ausschreibung durchgeführt zu haben.

EU-weite Ausschreibungen: Heimische Bieter zurückhaltend

Bei der Bilanz von EU-weiten Ausschreibungen zeigt sich die Situation unverändert. Immer noch schreiben mit 28 Prozent deutlich mehr Auftraggeber EU-weit aus, als sich heimische Bieter an diesen jenseits der Grenze beteiligen (18%).

„Viele Bieter fürchten, bei einem reinen Preiswettbewerb gegen ausländische Billiganbieter auf der Strecke zu bleiben. In der Regel gewinnt aber jenes Angebot, das die im Leistungsverzeichnis verankerten Bedingungen am besten erfüllt“, erklärt Stephan Heid, Partner bei Heid Schiefer.

Bieter weisen hohe Erfolgsquoten auf

80 Prozent der Bieter haben 2012 zumindest eine Ausschreibung für sich entscheiden können, wobei die Erfolgsquote bei privatwirtschaftlichen und öffentlichen Bietersuchen nahezu gleich hoch ist.

Kanzlei-Partner Martin Schiefer: „Der Sinn von Ausschreibungen – egal ob öffentlich oder privatwirtschaftlich – liegt darin, einen fairen und ausgewogenen Bieterwettbewerb zu ermöglichen. Dass vier Fünftel der heimischen Bieter im vergangenen Jahr zumindest ein Mal als Bestbieter den Zuschlag bekommen haben, zeigt, dass Ausschreibungen keinesfalls nur zum Schein gemacht werden und nicht immer nur die üblichen Verdächtigen gewinnen.“

Image von Ausschreibungen verbessert 

Sowohl Auftraggeber als auch Bieter beurteilen Ausschreibungen deutlich positiver als noch im Jahr davor. Auch wenn beide Seiten ihnen am häufigsten „hohen Aufwand“ attestieren, haben sich die Imagewerte wesentlich verbessert.

  • Bei öffentlichen wie bei privatwirtschaftlichen Auftraggebern stieg die Zustimmung in den Punkten „fair“ auf 19 bzw. 38 Prozent (2011: 14%) und zu „transparent“ auf 25 bzw. 21 Prozent (2011: 3%), während die Zustimmung zu „manipuliert“ von 29 Prozent auf 22 bzw. 18 Prozent sank.
  • Noch deutlicher ist der Imagewandel bei den Bietern zu beobachten: Hielten 2011 noch 48 Prozent von ihnen Ausschreibungen für manipuliert, taten das 2012 nur mehr 25 Prozent (öffentliche Ausschreibungen – ÖA) bzw. 28 Prozent (privatwirtschaftliche Ausschreibungen – PA).
  • Die Zustimmung zu „fair“ stieg von drei Prozent 2011 auf 15 Prozent (ÖA) und 14 Prozent (PA), jene zu „transparent“ von acht Prozent auf elf Prozent (ÖA) und 14 Prozent (PA).

Während öffentliche Ausschreibungen auch als weniger korrupt empfunden werden als noch 2011, trifft diese Tendenz in der Einschätzung von privatwirtschaftlichen Ausschreibungen nicht zu.

Auftraggeber von Transparenz überzeugt, Bieter sehen Situation kritischer

Auftraggeber sind in erster Linie davon überzeugt, dass Ausschreibungen für Chancengleichheit sorgen und Transparenz der Angebote sichern. Öffentliche Auftraggeber attestieren Ausschreibungen in erster Linie Transparenz (37%) Chancengleichheit (30%) und Einsparungspotenzial (24%).

Privatwirtschaftliche Auftraggeber sehen vor allem Vorteile durch Chancengleichheit für Bieter (47%), Unterbinden von „Freunderlwirtschaft“ (43%) und Transparenz (39%).

Deutlich kritischer beurteilen Auftragnehmer die Situation: 43 Prozent sind der Meinung, dass öffentliche Ausschreibungen eine Preisspirale nach unten bewirken und Qualitätsunternehmen so auf der Strecke bleiben.

Immer noch 41 Prozent glauben an Scheinausschreibungen, bei denen der Auftragnehmer bereits feststeht, und immerhin 35 Prozent sehen durch öffentliche Ausschreibungen die Handschlagqualität gefährdet.

Wie schon im Vorjahr sehen Bieter unklare Formulierungen und Kommunikationsprobleme mit dem potenziellen Auftraggeber als häufigste Fehler.

Auftraggeber sehen ebenfalls Kommunikationsprobleme als größtes Problem, machen ihrerseits den Bietern allerdings auch sehr oft mangelhafte bzw. fehlerhafte Vorbereitung zum Vorwurf.

Auftraggeber juristisch besser beraten als Bieter

Ein klares Ungleichgewicht zwischen Auftraggebern und Auftragnehmer ortet die Studie bei den rechtlichen Kompetenzen: Während öffentliche Auftraggeber in 82 Prozent der Fälle zumindest manchmal externe Rechtsspezialisten hinzuziehen, verzichtet rund die Hälfte der Bieter sowohl bei öffentlichen wie auch bei privatwirtschaftlichen Ausschreibungen auf Unterstützung.

„Rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen ist bei Auftraggebern längst State-of-the-Art, bei Bietern hingegen noch nicht. Allerdings merken wir, dass hier langsam ein Umdenkprozess stattfindet und auch immer mehr Auftragnehmer Vergaberecht-Experten hinzuziehen. Ausschließungsgründe wie Formalfehler, die einen monatelangen Aufwand zunichte machen können, lassen sich so einfach vermeiden“, so Stephan Heid.

  • Besonders deutlich zeige sich die Informationsschere zwischen öffentlichen Auftraggebern und Bietern bei der mit 1. April 2012 verabschiedeten Novelle des Bundesvergabegesetzes: Erstere geben in 88 Prozent der Fälle an, über die geänderten Rahmenbedingungen Bescheid zu wissen, auf der anderen Seite sind das nur 59 Prozent.
  • Die Informierten sind sich relativ einig: Große Veränderungen sind ihrer Meinung nach ausgeblieben (Bieter: 38%; Auftraggeber: 31%). Während 14 Prozent der Bieter der Novelle positiv und nur acht Prozent negativ gegenüberstehen, gibt es bei den Auftraggebern gleich viele Befürworter wie Gegner (29% bzw. 28%).
  • Auftraggeber wünschen sich vor allem vereinfachte Verfahren auch im Oberschwellenbereich (45%), Rechtsschutz bei Vertragsverlängerungen (41%) und klare Regeln für Folgeaufträge (29%).
  • Bieter vermissen letzteres sogar noch weit mehr (49%), sie wünschen sich aber auch Mengen- und Abnahmegarantien sowie eine Senkung der Schwellenwerte (je 29%).

Link: Heid Schie­fer

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