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Die chinesische Einkaufstour geht weiter – jetzt mit Appetit auf Österreich

Wien. Chinesen kaufen in großem Stil in Europa ein – auch in Österreich. War es vor wenigen Tagen der Autobahnraststättenbetrieb Rosenberger, scheint nun der fernöstliche Gusto auf Alpenmilch geweckt. Doch die Einkaufstour geht schon länger und ist viel umfangreicher, als man denkt.

Die Meldung kam für viele recht unerwartet: Zwei Familienunternehmen haben sich 19 Autobahnraststätten der Rosenberger-Gruppe einverleibt. Die Investoren, dem Vernehmen nach aus dem Bekanntenkreis von Ex-Ralleyfahrer Kris Rosenberger, zahlten rund 20 Millionen Euro. Die neuen Eigentümer wollen am bisherigen Konzept festhalten; für für die rund 800 Mitarbeiter ändert sich nichts. Doch die zwei Investoren aus China, für die Rosenberger das erste Investment in Europa war, könnten wohl noch Appetit auf eine Expansion auf den lukrativen deutschen Markt bekommen.

Gusto auf Österreich haben Chinesen jedenfalls: Wein aus Österreich findet dort einen durstigen und schier unerschöpflichen Markt – und jetzt wurden auch die Vorzüge der Alpenmilch entdeckt. Denn echte Milch war in weiten Teilen Chinas bis vor wenigen Jahren eine Rarität; und die Qualität eigener Produkte oft zweifelhaft. Das weit verbreitete Milchpulver geriet durch einen Megaskandal – Stichwort Melamin – in Misskredit.

Milch aus den Alpen für Shanghai

Seit mehreren Wochen verschifft die Molkereigenossenschaft Salzburg Milch 60 Container Haltbar-Milch nach China. Satte vier Euro kostet dann ein Packerl H-Milch aus der Salzburger Produktion im Reich der Mitte. Zum Vergleich: Chinesische Milch ist für umgerechnet 40 Eurocent zu haben. Doch man traut der Qualität aus Österreich mehr als dem heimischen Produkt. Und so soll in Kürze auch Frischmilch per Luftfracht innerhalb von 24 Stunden geliefert werden.

Österreichische Betriebe und deren Waren sind in China jedenfalls sehr beliebt: Die Waren der „Audili“, wie Chinesen Österreicher fast schon zärtlich nennen, glänzen durch beste Qualität. Entsprechend der Anordnung der Partei, die vor rund einem Jahrzehnt die Parole „Zouchuqu“ („hinausgehen“) ausrief, wurde auch in der Alpenrepublik eingekauft, was gut und nicht teuer war: Vom Flugzeugausrüster FACC über Steyr Motors und ATB aus der Konkursmasse von Mirko Kovats’ A-Tec-Gruppe gingen bereits einige namhafte Unternehmen an neue Eigentümer aus China.

Günstig einkaufen in der Krise

Weltweit beteiligten sich Investoren aus China allein im vergangenen Jahr mit der Rekordsumme von rund 65,3 Milliarden Dollar (rund 48,9 Milliarden Euro) an ausländischen Unternehmen (2012: 42,4 Milliarden Dollar), wie eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zeigt. In Europa hat die Wirtschaftskrise günstige Kaufgelegenheiten geschaffen, meint man bei PwC.

Zwar zielt der Großteil der chinesischen Auslandsinvestitionen der Studie zufolge weiterhin auf staatliche Beteiligungen im Energiesektor ab, doch mittlerweile wird auch steigendes Interesse privater Investoren – wie bei Rosenberger – geortet.

Dabei wird beim deutschen Nachbarn viel mehr und schon viel länger eingekauft als in Österreich: Eine Studie von Ernst & Young zeigt, dass das Augenmerk dort auf dem Maschinenbau und der Autoindustrie liegt. Jede siebte Firma von 400 von Ernst & Young befragten chinesischen Unternehmen will hier investieren. Vom Autozulieferers Tailored Blanks, einer Tochterfirma des ThyssenKrupp-Konzerns über den Gabelstaplerkonzern Kion bis zum Betonpumpenhersteller Putzmeister ist schon Einiges in fernöstlicher Hand.

Zündapps für Rotchina

Doch der Drang der Chinesen nach Europa ist nicht ganz so neu: Schon 1984 wurden die Produktionsanlagen der legendären Münchner Zündapp-Werke, einst ein führender Moped- und Motorradkonzern, von einem chinesischen Unternehmen für damals 16 Millionen DM (heute 8,2 Millionen Euro) erworben, komplett abgebaut und nach China – damals noch gerne zur Unterscheidung von Taiwan als „Rotchina“ bezeichnet – verschifft.

Man wird, so meinen Experten, in Zukunft auch in Österreich noch weitere Übernahmen aus dem Reich der Mitte beobachten. Die Kassen vieler chinesischen Firmen sind laut Ernst & Young jedenfalls prall gefüllt.

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