11. Sep 2014   Business

Neue Coface-Analyse: Rumänien war 2013 Europas Wachstumskaiser, heuer ist es eine Frage der Ernte

Grzegorz Sielewicz © Coface
Grzegorz Sielewicz © Coface

Wien/Bukarest. Positives inmitten der Nachwehen der Finanzkrise: Rumäniens Wirtschaftsleistung hat mit einem BIP-Wachstum von 3,5 Prozent im Jahr 2013 alle Erwartungen übertroffen. Einen bedeutsamen Beitrag dazu leisteten die Agrarwirtschaft und der Industriesektor – vor allem die Automobilproduktion für Kunden aus dem Ausland.

Obwohl Rumänien das Wachstumstempo 2014 nicht halten kann, bleiben die Aussichten positiv, so Coface. Wie stark das Wachstum heuer ausfallen wird, sei im Agrarland Rumänien vor allem auch eine Frage der guten Ernten. Da die beiden großen Agar-Konkurrenten Ukraine und Russland heuer voraussichtlich Ernteeinbußen von 10 bzw. 4 Prozent erleiden werden, könnte Rumänien profitieren.

Innerhalb der Europäischen Union ist Rumänien am stärksten vom landwirtschaftlichen Sektor abhängig. 31 Prozent aller Erwerbstätigen sind in diesem Bereich beschäftigt. Die Wirtschaftsleistung ist daher eng mit den Wetterbedingungen verknüpft, so eine Aussendung. Die Ernte war im Sommer 2013 ausgezeichnet und führte zu einem positiven „Angebotsschock“.

Dennoch könne dieser Sektor nicht als dauerhafter Wirtschaftstreiber gesehen werden. Viele kleine Unternehmen kämpfen unter dem hohen Druck der Fixkosten um Gewinne. Die Erwartungen für die landwirtschaftliche Produktion gehen für 2014 auseinander. Ein realistisches Szenario ist, dass die Ernte geringer als 2013 ausfallen wird.

„Rumänien hat 2013 eine der höchsten BIP-Wachstumsraten in ganz Europa verzeichnet. Das Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent übertraf den zentraleuropäischen Durchschnittswert von 1,2 Prozent. Beide Haupttreiber des Wachstums, die gute Ernte und die hohen Exportraten, sind jedoch keine nachhaltigen Faktoren. Die langsame, aber stetige Erholung der Industrieländer im Jahr 2014 wird den rumänischen Außenhandel, vor allem den Automobilbereich, anheizen“, erklärt Grzegorz Sielewicz, Coface Economist Central Europe.

 Transport: Eine Stütze der Wirtschaft

Der Transportsektor spielt dabei eine wichtige Rolle in der rumänischen Wirtschaft. Das Volumen des Güterverkehrs belief sich 2012 auf 108 Prozent des BIP. Damit lag es zwar unter den Werten der Nachbarländer – Bulgarien und Polen kamen auf Anteile von 147 Prozent und 137 Prozent – aber weit über dem EU-Durchschnitt von 95 Prozent.

Die moderate Erholung der Eurozone – Rumäniens wichtigster Handelspartner – werde sich angesichts der verbesserten Nachfrage positiv auf den Transportsektor auswirken.

Dennoch führe der erhöhte Bedarf nicht direkt zu einem stärkeren Umsatz für alle rumänischen Firmen im Transportsektor. Der ausgeprägte Wettbewerb könnte zu niedrigeren Preisen und der Akzeptanz kleinerer Margen führen. Coface prognostiziert ein mittleres Risiko für den Transportsektor.

Ukraine-Konflikt hilft Rumänien

Rumänien könnte auch Vorteile aus den Unruhen in der Ukraine ziehen und zu einem Hauptakteur am Getreidemarkt im Schwarzmeerbecken werden. Russland und die Ukraine bleiben wichtige Getreideproduzenten in der Region mit einer vier bzw. drei Mal höheren Produktionskapazität. Für 2014 ist jedoch ein Rückgang von vier Prozent in Russland und zehn Prozent in der Ukraine prognostiziert.

Bei einer stabilen weltweiten Nachfrage werde es Rumänien möglich sein, die Produktionskapazitäten zu stärken und sogar die Exportpreise zu beeinflussen.

 2014: Verhaltener Ausblick

Für 2014 prognostiziert Coface, dass Rumänien eine der beiden Wirtschaften in Zentraleuropa sein wird (gemeinsam mit Lettland), die das Wachstumstempo nicht verbessern können. Die starke Dynamik werde sich nicht wiederholen und Basiseffekte werden im zweiten Halbjahr spürbar sein.

Das BIP Wachstum für 2014 wird auf 2,5 Prozent geschätzt. Damit liege die erwartete Wirtschaftswachstumsrate Rumäniens nahe dem geschätzten, durchschnittlichen BIP-Wachstum der Region Zentraleuropa von 2,4 Prozent.

Link: Coface

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