02. Okt 2014   Bildung & Uni Business Recht

Hier klicken, um Geschäftsbedingungen zu bestätigen: Forschungsprojekt der Uni Graz sucht neue Lösungen

Graz. „Klicken Sie hier, um die allgemeinen Geschäftsbedingungen zu bestätigen.“ Viele Konsumentinnen und Konsumenten treffen diese Entscheidung – zumeist online – beinahe täglich. Kaum jemand aber liest Text, mit dem man sich dann vertraglich bindet – von Verständnis erst gar nicht zu reden.

Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt der Karl-Franzens-Universität Graz nimmt nun Entscheidungen von Verbrauchern zwischen Recht und Psychologie ins Visier. Das Ziel: Regeln, die sich stärker an den psychologischen Besonderheiten menschlichen Verhaltens orientieren und damit die angestrebten Verbraucherschutzziele besser erreichen. Das ambitionierte Projekt läuft bis 2018 und wird von Uni und Land mit 550.000 Euro unterstützt.

„Die bestehenden Rechtsregeln gehen zum Teil an den menschlichen Fähigkeiten und Motivationsstrukturen vorbei“, sagt Univ.-Prof. Brigitta Lurger vom Institut für Zivilrecht, Ausländisches und internationales Privatrecht der Uni Graz. Der boomende Online-Handel habe die Situation noch verschärft. In Sekundenschnelle hat man umfangreiche, kaum verständliche und abstrakte Verträge akzeptiert.

Die moderne Psychologie zeige, dass das Entscheidungsverhalten der Menschen von vielen Faktoren abhängt und nicht – wovon Gesetze allerdings oft ausgehen – rein rationalen Mustern folgt.

Fächerübergreifende Analyse

„Seitenlange Informationen oder allgemeine Geschäftsbedingungen spielen im Entscheidungsprozess für oder gegen einen Verbrauchervertrag meist nur eine unerhebliche Nebenrolle“, so Lurger. Die Juristin führt daher das Projekt gemeinsam mit den PsychologInnen Ao.Univ.-Prof. Ursula Athenstaedt und Univ.-Prof. Martin Arendasy durch. Weiters eingebunden sind in den Verhaltenswissenschaften spezialisierte Ökonomen und Sozialpsychologen aus dem In- und Ausland.

In einer ersten Phase werde mit Hilfe von Interviews erhoben, wie sich die bestehenden Rechtsregeln im Entscheidungsprozess für oder gegen einen Vertragsabschluss tatsächlich auswirken. Daran anschließend sei geplant, alternative Bestimmungen zu testen sowie neuro-wissenschaftlich zu untersuchen.

Am Ende des Vorhabens, das bis 2018 anberaumt ist, soll ein Katalog mit Empfehlungen zur Optimierung der Gesetze vorliegen. Lurger: „Es wird radikale Änderungen brauchen. Und das europaweit, denn das Verbraucherrecht ist maßgeblich von der EU geprägt.“

Hochdotiertes Projekt

Das Projekt werde im Rahmen der Initiative „Unkonventionelle Forschung“, die außergewöhnliche wissenschaftliche Themen an der Uni Graz speziell fördert, mit rund 450.000 Euro sowie durch das Land Steiermark in der Höhe von etwa 100.000 Euro unterstützt.

Link: Uni Graz

 

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