21. Sep 2015   Recht

Kanzlei-Rankings: Große Player und Hidden Champions (Teil 1)

Alexander Gendlin ©Alexandra Langeder
Alexander Gendlin ©Alexandra Langeder

Kanzlei-Rankings sind als Fixgröße in der Rechtsbranche etabliert. Das wird u. a. dadurch dokumentiert, dass viele Kanzleien bereits spezielle Kapitel in den eigenen Webseiten erstellen, die exklusiv die eigenen Rankingergebnisse kommunizieren: Beiten Burkhardt, Binder Grösswang, Buse Heberer Fromm, CHSH, DBJ, Hengeler Müller, Kapellmann, Niederer Kraft & Frey, Schönherr, etc. Solche Kapitel sind dermaßen weit verbreitet, dass man bei Rankings von einem Muss und einem Standard für Kanzlei-Marketingmaßnahmen sprechen kann, schildert Alexander Gendlin, Autor des ersten Buches über Kanzlei-Rankings, in seinem Gastbeitrag (Teil 1).

Die zwei Schlüsselfragen sind dabei nach wie vor

  • welche Rankings überhaupt sinnvoll und seriös sind

und

  • welche von diesen Rankings sich für welche Kanzleien eignen.

Einige Top-Rankings sind in der Branche auch bereits gut bekannt. Ich werde daher eine Auswahl dieser Rankings hier nur kurz erwähnen. Vielmehr werde ich in dieser Serie 3 ebenfalls sehr gut geführte und seriöse Rankings vorstellen, die aufgrund Ihrer Größe weniger bekannt sind als die Markt-Leader, jedoch von ihrer Qualität her von Kanzleien und Klienten unbedingt beachtet werden müssen.

In meinem Buch „Kompass Kanzlei-Rankings“ habe ich 35 Rankings auf ihre Qualität hin analysiert und darf Sie für weitere Information auf das Buch verweisen. In dem Buch wird auch ausführlich erklärt, wie erfolgreiche Rankingarbeit funktioniert.

Die Marktführer:

Zu den Marktführern zählen zweifellos Chambers and Partners, Legal 500 und in Deutschland JUVE. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass es noch weitere Marktführer des gleichen Kalibers gibt, ich jedoch aus Platzgründen mich auf die 3 genannten beschränke.

Chambers and Partners sind seit 1990 auf dem Markt und bedienen nach eigenen Angaben über 175 Jurisdiktionen. Die Recherchen des Rankings werden für verschiedene Rechtsgebiete verteilt über das Jahr zu vielen Terminen durchgeführt. Dabei gibt es pro Land ebenfalls verschiedenen Termine. Neben den allgemeinen Rankings von Kanzleien gibt es auch spezielle Ranglisten für Anwälte. Auch gibt es spezielle Länder-Awards, die einmal pro Jahr vergeben werden.

Legal 500 ist seit 1992 tätig und bildet laut eigenen Angaben 106 Jurisdiktionen ab. Das Ranking recherchiert ebenfalls sehr umfassend, führt diese Recherchen jedoch jeweils für alle Rechtsgebiete zu einem Termin pro Jahr durch. Dabei werde immer mehrere Länder zu einem Termin zusammengefasst. Auch hier gibt es separate Kanzlei- und Einzelanwaltsrankings, wobei letztere mehr eine alphabetische Darstellung sind.

JUVE, die Fixgrösse in Deutschland, ist seit 1998 aktiv und führt über das Jahr verteilt umfassende Recherchen an verschiedenen Terminen für verschiedene Rechtsgebiete durch. JUVE betont stets, dass diese Recherchen jedoch nicht alleine entscheiden, sondern auch eine kontinuierliche Information über die Kanzleiarbeit über das Jahr ebenfalls berücksichtig wird. Kanzleien sind also aufgerufen regelmäßige Pressearbeit durchzuführen. JUVE ist seit einiger Zeit mit einem eigenen Ranking in Österreich vertreten. JUVE führt ebenfalls zusätzlich zu den Ranking Jahresawards.

Alle drei Publikationen sind ein absolutes Muss für die Rankingarbeit und fragen von Kanzleien Causendaten sowie Namen von Referenzgebern („Client referees“) ab.

Nun aber zu einem der Hidden Champions der Rankingindustrie.

Das „Handbook Managing Intellectual Property – IP Stars“ – kurz MIP – erhebt laut eigenen Angaben in über 80 Juridistriktion. Es werden Rechtsgebiete aus den Bereich Intellectual Property recherchiert. Zu diesen Rechtsgebieten zählen:

  • Copyright
  • Patent contentious
  • Patent prosecution
  • Trade mark prosecution
  • Trade mark/copyright contentious

Es gibt jeweils ein separates Ranking für Kanzleien und für einzelne Anwälte. Ersteres ist in mehrere Tiers (Bandbreiten) eingeteilt. Letzteres ist eine alphabetische Aufzählung von ausgezeichneten Anwälten und wird unter „IP Stars“ geführt.

Die Aufnahme der Daten geschieht über Online-Formulare, die von MIP jeweils vor Beginn der Recherchen bereitgestellt werden. Die Formulare müssen sowohl für Kanzleien und Anwälte getrennt ausgefüllt werden. Abgefragt werden neben den Causeninhalten auch Informationen wie z. B. Lead Partner, Opposing Counsel, Date of Resolution u.a. Ebenfalls wird gebeten, andere Anwälte als Peers anzugeben.

Durch die Ergebnisse und die Recherchemethode von MIP ist das Ranking sowohl für eine Kanzlei-Teilnahme geeignet, als auch als Mittel zur Evaluierung von Kanzleien. Speziell die Sektion „Analysis“ enthält kurze, prägnante textliche Ausführungen über die Qualität von Kanzleien und ist sehr empfehlenswert.

Sollten Sie ein Klient oder ein Inhouse Counsel sein, der Unterstützung im Bereich IP sucht, hilft Ihnen ein Blick in MIP auf jeden Fall, eine sehr gute Übersicht über mögliche Kandidaten rasch zu bekommen.

Wenn Sie ein IP-Anwalt sind bzw. sich beim Lesen dieses Artikels fragen, wie Sie am besten Eingang in dieses oder ein anderes Ranking finden, möchte ich Sie auf mein Buch verweisen bzw. berate Sie gerne persönlich: Infos und Kontakt auf Law Business.

Die nächste MIP Recherche beginnt am 1.10. und endet am 8.11.2015.

Mag. Alexander Gendlin ist Managing Partner von Law Business – Unternehmensberatung für die Rechtsbranche (www.lawbusiness.at) und Autor des nach eigenen Angaben weltweit ersten Buches über Kanzlei-Rankings. Der „Kompass Kanzlei-Rankings“ ist im C.H. Beck, Manz und Stämpli Verlag erhältlich.

Link (Kanzleien und Rankings): Beiten Burkhardt, Binder Grösswang, Buse Heberer Fromm, CHSH, DBJ, Hengeler Müller, Niederer Kraft & Frey, Schönherr

Link: Law Business

 

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