30. Sep 2019   Business Recht

Kurz kürzt Blau und Rot, hat mit Grün seine Not

©Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

Nationalratswahl. Die ÖVP dominiert die Wahl 2019, doch bei den Jüngeren liegt Grün jetzt gleichauf: Die Bildung – und auch die Arbeit – der nächsten Regierung werden spannend.

Österreich hat gewählt: Zwar fehlen noch die Ergebnisse der Wahlkarten (sie werden bis 3. Oktober erwartet), doch ziehen Meinungsforscher wie SORA schon jetzt spannende Schlüsse aus dem Ergebnis.

Eine dramatische Wahl

Zunächst zur Rekapitulation der aktuelle Stand (ohne Wahlkarten):

  • ÖVP 37,1 Prozent (+5,7 %)
  • SPÖ 21,7 Prozent (-5,1 %)
  • FPÖ 16,1 % (-9,9 %)
  • Grüne 14,0 % (+10,2 %)
  • Neos 7,8 % (+2,5 %)

Quelle: ORF/SORA

Die ORF/SORA/ISA Wahltagsbefragung unter 1.226 Wahlberechtigten wurde zwischen 25. und 29. September durchgeführt. Sie zeigt viel positive Stimmung für ÖVP-Chef Sebastian Kurz,  gleichzeitig aber auch ein gewisses Zufriedenheits-Defizit: Je ein Drittel der Wahlberechtigten sieht seit der Nationalratswahl 2017 eine positive / negative / keine Veränderung.

Insgesamt zeige sich aber trotz Skandalen die Hälfte der Wahlberechtigten zufrieden mit der vergangenen ÖVP-FPÖ-Regierung – auch wenn nicht einmal eine Mehrheit der ÖVP-Wähler für eine Neuauflage von Türkis-Blau ist.

Die ÖVP hat bei der Wahl sehr stark vom Kurz-Faktor profitiert: Hätten die Österreicher den Bundeskanzler direkt wählen dürfen, hätten laut den Umfragedaten 47% für ihn gestimmt. Die zusätzlichen Stimmen hätte er vor allem aus den Reihen von Neos und FPÖ erhalten.

Umwelt- und Klimaschutz sind Top-Thema

Am meisten zugelegt haben bei der Wahl 2019 die Grünen: Sie kehrten nicht nur ins Parlament zurück, sondern profitierten enorm von der Klimaschutz-Debatte, während vor zwei Jahren noch die Themen Zuwanderung und Asyl im Vordergrund standen – was damals die FPÖ stark anschob.

Die öffentlichen Skandale der Zeit vor der Wahl traten gegenüber Umweltthemen überraschend deutlich in den Hintergrund, jedenfalls laut der Umfrage.

Vor allem zeigt sich bei der Nationalratswahl 2019 eine große Kluft zwischen jungen und älteren WählerInnen, heißt es bei SORA:

  • Während ÖVP und SPÖ gemeinsam rund drei Viertel der Stimmen von Personen ab 60 Jahren erhalten haben, lagen ÖVP und Grüne bei den unter 30-Jährigen gleichauf bei je 27% der Stimmen. Die FPÖ erzielte hier 20%. Und junge Frauen haben vorrangig Grüne und Neos gewählt.
  • Die FPÖ schnitt bei Männern bis 44 besonders gut ab. Und ihre große Domäne bleiben die Arbeiterinnen und Arbeiter: Sie wählten zu 48% blau, weit vor SPÖ (23%) und ÖVP (21%).
  • Angestellte (und vermutlich auch Beamte) bleiben eine ÖVP-Domäne: Sie erzielte bei ihnen 40%, deutlich vor SPÖ und Grünen mit je 18%.
  • Gemessen am formalen Bildungsgrad gilt: Die Grünen sind bei Personen mit Matura oder noch höherem vollendeten Bildungsabschluss stärkste Partei (32%), womit sie die ÖVP (31%) hinter sich lassen.

Schwarz-Grün ist logisch?

Befragt nach den Koalitionspräferenzen zeigt sich bei ÖVP-Wählern die größte Vorliebe für die Neos (43%), gefolgt von der FPÖ (34%) und den Grünen mit 20%. Dagegen zeigt sich bei FPÖ-Wählern eine starke Präferenz für eine Regierung aus ÖVP und FPÖ: 84% befürworten dies laut SORA.

SPÖ-Wähler wollen nur zu 31% eine Türkis-rote Koalition, Neos-Wähler dagegen zu 71% und Grün-WählerInnen zu 31%. Es zeigt sich also an der Basis ein deutlicher Unterschied zu den Festlegungen, die die ParteichefInnen teilweise bereits getroffen haben. „Regierungsbildung wird dauern“, titelt der ORF.

 

    Weitere Meldungen:

  1. EQS mit Roadshows zu Whistleblowing-Gesetz
  2. Veronika Sexl wird Rektorin der Uni Innsbruck
  3. Datenzugang zum öffentlichen Sektor wird neu geregelt
  4. Viridium kauft 720.000 Leben-Verträge von Zurich