18. Dez 2014   Business

Pharmaindustrie fokussiert neue Märkte und medizinische Nischenbereiche

Wien. Die Staatsschuldenkrise hatte eine starke Auswirkung auf die Pharmaindustrie in Europa. Um ihre Verschuldung zu begrenzen, sahen sich Staaten als Hauptfinanzierer der Gesundheitssysteme gezwungen, die Ausgaben in diesem Bereich zu senken. Entsprechend ging der Anteil der Arzneimittelausgaben am BIP von 2003 bis 2011 von 14,9 Prozent auf 13,4 Prozent zurück.

Nun versuchen die Pharmaunternehmen neues Geschäft zu generieren. Sie expandieren in neue Märkte und investieren in Nischenbereiche, so Kreditversicherer Coface.

In den 1980er Jahren waren die Pharmaunternehmen in der Forschung und Entwicklung sogenannter Blockbuster sehr erfolgreich. In den frühen 2000er Jahren lief für viele dieser Wirkstoffe der Patentschutz aus. Etliche Unternehmen verloren große Umsatzanteile an die Hersteller von Generika, heißt es in einer Aussendung. Seit 2010 beschleunigt sich diese Entwicklung und soll laut Coface bis 2020 nicht abreißen. Der Höhepunkt soll 2014 bis 2016 erreicht werden.

Neues Absatzmodell mit Schwerpunkt auf „Pharmerging“

Generika machen mittlerweile 54 Prozent der verkauften Mengen aus. Diese Medikamente können wesentlich billiger angeboten werden, da sie aus Stoffen produziert werden, die keinem Patentschutz mehr unterliegen und auch keine Forschungs- und Entwicklungskosten eingerechnet werden müssen.

Um die Produktivität zu steigern, orientieren sich die pharmazeutischen Unternehmen in Richtung Emerging Countries, deren alternde Bevölkerung die Länder zu künftigen Wachstumsmärkten für diese Branche machen. Darüber hinaus erleichtere die Gesundheitspolitik der Schwellenländer den Menschen den Zugang zur medizinischen Versorgung.

„Pharmerging wird zum neuen Eldorado für die europäischen Pharmahersteller. Anders als die Industrieländer versprechen die Emerging Markets bis 2017 Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich. Dieses Potential wird die Effekte aus der budgetbedingt restriktiveren Gesundheitspolitik in Europa teilweise kompensieren. Bedeutende Konzerne erzielen nun das Wachstum, das in Europa ausbleibt, in den aufstrebenden Ländern“, erklärt Khalid Aït-Yahia, Coface Sector Economist.

Fokus auf komplexe Krankheiten

Zudem denken die Pharmaunternehmen daran, sich mit Forschung und Entwicklung in kleinere, aber profitablere Bereiche zu bewegen. Komplexe Krankheiten sollen die Möglichkeit zu einer strategischen Neupositionierung in solchen Nischen sein, da die Behandlung meist sehr teuer sei und oft vom Staat mitgetragen werde.

So zielen pharmazeutische Unternehmen auf Wachstum in hoch komplexen Bereichen wie Onkologie, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab. In Europa sei dieser Ansatz für viele Pharmaunternehmen bereits Realität.

Link: Coface

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