Compliance bei Cerha Hempel, Digitales bei PHH, Schönherr

Anna Wolf Posch Martin Kocher Bernhard Kofler Senoner Credit Cerha Hempel 1 300x200
Anna Wolf-Posch, Martin Kocher, Bernhard Kofler-Senoner ©Cerha Hempel

Events. Kanzlei Cerha Hempel hat den „Compliance Circle” als neue Veranstaltungsreihe gestartet. Um Legal Tech ging es bei Schönherr, um die Haltung der Österreicher zur Digitalisierung der anwaltlichen Beratung bei PHH.

Compliance Officer und Mitglieder von Rechtsabteilungen aus österreichischen und internationalen Unternehmen folgten am 21. November 2019 der Einladung von Cerha Hempel zum ersten „Compliance Circle“ in die Bel Etage der Kanzlei. Nach der Eröffnung durch Kartellrechtspartner Bernhard Kofler-Senoner diskutierte Univ.-Prof. Martin Kocher (Verhaltensökonom an der Uni Wien, Direktor des Instituts für Höhere Studien – IHS) mit den Teilnehmern, wie man Erkenntnisse aus der Verhaltensökonomie bei der Motivation von Mitarbeitern zum (kartell-
)rechtskonformen Verhalten einsetzen und die Compliance-Kultur im Unternehmen verstärken kann.

Anschließend erörterte Kartellrechtspartnerin Anna Wolf-Posch aktuelle Entwicklungen bei der Anerkennung kartellrechtlicher Compliance-Systeme bei der
Bußgeldberechnung in Österreich und international.

Der Compliance Circle als neues Event-Format von Cerha Hempel soll Compliance Officern und Rechtsabteilungsmitgliedern einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch im Zusammenhang mit dem Aufbau und der Stärkung von Compliance-Strukturen ermöglichen. Jede Veranstaltung werde einen praxisrelevanten Aspekt der täglichen Compliance-Arbeit herausgreifen und diskutieren, so die Kanzlei: Das soll einen intensiven Erfahrungsaustausch zum Thema Compliance und eine gemeinsame Erarbeitung von Lösungsansätzen ermöglichen.

Tech Night bei Schönherr

Ebenfalls am 21. November fand die zweite „Tech Night @ Schönherr“ statt. Die von der Technology & Digitalisation Gruppe der Sozietät Schönherr ins Leben gerufene Eventreihe befasst sich mit rechtlichen Rahmenbedingungen und Herausforderungen im Kontext aktueller digitaler und technologischer Entwicklungen. Laut Veranstaltern kamen rund 100 Gäste zu den Vorträgen und Diskussionen.

  • Thomas Kulnigg, Partner bei Schönherr und Leiter der Technology & Digitalisation Gruppe, eröffnete die Veranstaltung und führte durch den Abend. Er unterstrich mit einem Verweis auf Charles Darwin den Erfolgsfaktor Anpassungsfähigkeit: „Gerade im Bereich der Digitalisierung überlebt nicht der Stärkste, sondern derjenige, der sich am schnellsten anpassen kann.“
  • Hermann Scheller, CEO SafeReach, Franz Urlesberger und Gudrun Stangl (beide Schönherr-Partner) demonstrierten, wie die gemeinsam entwickelte Legal-Tech-Lösung „Dawn Raid Management App“ einen geordneten Ablauf bei Hausdurchsuchungen sicherstellt.
  • Leo Borchardt, Partner bei Davis Polk & Wardwell, analysierte gemeinsam mit Henriette Lininger, Wiener Börse, und Thomas Thurner, Morgan Stanley, den Börsengang-Prozess von Tech-Unternehmen.
  • Jonathan Gleixner, goUrban, Max Nageler, Tier Mobility, Marc Lang, TTTech, und Helén Bärbock, BMW München, gingen im Panel „Future of Mobility“ auf die Herausforderungen urbaner Mobilität ein. Sie betonten, dass Zusammenarbeit sowie die Vereinheitlichung komplexer, kleinteiliger Regelungen unabdingbar seien, um die Zukunft von Mobilität aktiv weiterentwickeln zu können.
Thomas Kulnigg Credit Detailsinn Schönherr 300x200
Thomas Kulnigg ©Detailsinn / Schönherr

Die „Tech Night @ Schönherr“ wurde mit einer Panel-Diskussion zum Thema „There is no gift shop at the Exit“ geschlossen. Herwig Springer, i5invest, Michael Ströck, Kochabo-Gründer, jetzt Calm/Storm Ventures, und Werner Zahnt, Speedinvest, sprachen unter anderem über die Komplexitäten und Schwierigkeiten bei Start-Up-Exits.

Was denken die Österreicher über Legal Tech in der Praxis?

Ein Computer, der Schadenersatz einfordert, dem Nachbarn mit einer Klage droht oder gar die komplette Verteidigung bei einem Prozess übernimmt? Die Österreicher sehen die Digitalisierung der Rechtsberatung mit gemischten Gefühlen. Das zeigt jedenfalls eine repräsentative, österreichweite Umfrage, die marketagent.com im Auftrag von PHH Rechtsanwälte durchgeführt hat.

Bei PHH Rechtsanwälte diskutierten dazu Rechtsexperten von Unternehmen, Legal Techs und Kanzleien über digitalisierte Rechtsberatung und den Faktor Mensch. „Rein technisch sind tatsächlich schon viele Prozesse digitalisiert möglich“, sagt Nassim Ghobrial, Business Development PHH Rechtsanwälte. Dennoch stehen viele Österreicher der Digitalisierung in der Rechtsberatung noch eher skeptisch gegenüber:

  • Konkret können sich nur 43 Prozent der Österreicher zwischen 20 und 69 Jahren sehr gut oder gut vorstellen, digitalisierte Rechtsdienstleistungen zu nutzen.
  • Bei Immobilienrecht, (50 %) sowie Unternehmens- und Gesellschaftsrecht (49 %) sowie Bank- und Finanzrecht (47%) liegt die Zustimmung am höchsten.
  • Etwas weniger Zustimmung erhalten digitalisierte Prozesse bei Schadensersatzforderungen oder strittigen Fällen (41%).
  • Am wenigsten können sich die Befragten digitalisierte Prozesse bei familienrechtlichen Fragen vorstellen. Hier liegt die Zustimmung nur 27 %.
  • Männer sind dabei etwas digitalisierungsaffiner als Frauen.

„Je privater und je mehr Streitpotential ein Rechtsgebiet, desto stärker ist die Ablehnung“, erklärt Ghobrial. Liegt der Anteil derjenigen, die digitalisierte Prozesse völlig ablehnen, im Durchschnitt bei einem Viertel der Befragten (25%), so sind es im Familienrecht mehr als ein Drittel (37%).

Die Digitalisierung ist schon längst da

Dass die Digitalisierung in der Rechtsberatung bereits angekommen ist, sei jedoch Fakt, so die Diskutanten der Podiumsdiskussion:

  • Andreas Balog, Vorstand der Vereinigung Österreichischer Unternehmensjuristen (VUJ) und Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes: „Der Einfluss der Digitalisierung auf unser gesamtes Wirtschafts-, Arbeits- und Gesellschaftsleben ist massiv. Selbstverständlich macht sie auch vor Juristen nicht halt.“
  • Philip Rosenauer, Rechtsanwalt bei PHH: „Es gibt bereits eine Vielzahl von IT-Lösungen für die Rechtsanwaltschaft, die zu einer Effizienzsteigerung über den kanzleiinternen Bereich hinaus einen Nutzen stiften.“
  • Simon Schützeneder, Vorstand der Vereinigung Österreichischer Unternehmensjuristen und Rechtsabteilungsleiter Bombardier Services CEE, ortet sogar eine Chance: „Aus Sicht eines international tätigen Unternehmens gelingt es mit Hilfe von Legal Tech Tools bereits sehr gut, die tägliche Arbeit von Unternehmensjuristen effizienter und zeitschonender zu gestalten.“
  • Für Kathrin Shahroozi, Gründerin der Legal Tech Initiative Austria braucht es dazu aber neue Skills: „Durch zielgerichtete Ausbildung der Next Generation und den Abbau von Ressentiments bei jedem Anwender, gleich welcher Karrierestufe, kann die gesamte Branche von Neuerungen durch Digitalisierung profitieren.“

Allerdings ortet Nassim Ghobrial noch massiven Kommunikationsbedarf bei Mandanten und potenziellen Kunden. Denn eine Erklärung für die Digitalisierungsskepsis sei die Erwartungshaltung der Österreicher an ihre Rechtsanwälte. Die Österreicher denken beim Thema Rechtsberatung nämlich spontan an Probleme bzw. strittige Fälle, wie Unfälle (26 %), Scheidungen (19 %), Erbschaftsangelegenheiten (16 %), Arbeitsrecht (9 %) und Nachbarschaftsstreitigkeiten (8 %). 28 % würden sich generell bei allen Streitigkeiten an einen Rechtsanwalt wenden, die sie selbst nicht mehr lösen können. Knapp 12 % davon würden bei allen rechtlichen Fragen Rechtsberatung einholen. Extra genannt wurden etwa Vertragserrichtung, Immobilienrecht sowie Gesellschaftsrecht.

Legal Tech Credit PHH 300x200
©PHH

Klar ist – der Rechtsanwalt soll für die eigenen Rechte kämpfen und erstreiten, das zeigen die Antworten sehr deutlich. „Aber genau das wird sich auch mit digitalisierten Prozessen nicht verändern“, betont Ghobrial.

Auf dem Foto (v.l.n.r.): Simon Schützeneder, Kathrin Shahroozi, Nassim Ghobrial, Philip Rosenauer, Max Kindler, Andreas Balog.

 

    Weitere Meldungen:

  1. Eine Kunst-Anwältin für CMS und weitere Karriere-News
  2. Deals von Hengeler Mueller, CMS und Noerr
  3. Ein neues Design für Binder Grösswang
  4. Raiffeisen verkauft Tatracentrum, Cerha Hempel berät