12. Feb 2021   Business Recht

Ungewöhnliche Mandate bei CMS, Freshfields und mehr

Pietro Graf Fringuelli ©CMS Deutschland

Wirtschaftskanzleien. CMS, Freshfields, Luther, Noerr und Preslmayr melden nicht alltägliche Mandate: Die Gründung einer E-Sport-Weltliga, der Kohleausstieg Deutschlands, Gebrauchtwagen-Refinanzierung, Adtech-Deals und – eine Lehrerbewertungs-App.

Neue Weltliga für elektronische Sportler: Nach zwei Jahren Verhandlungen wurde mit dem „Louvre Agreement“ die erste Weltliga zwischen der Electronic Sports League (ESL) und den zwölf führenden internationalen Teams im E-Sport für Counter Strike: Global Offensive (CS:GO) gegründet.

Mit 80 Millionen Stunden durchschnittlicher Sehdauer pro Spielzeit im Jahr 2020 zähle die CS:GO ProLeague zu den weltweit meistgesehenen Ligen im Bereich CS:GO und nimmt den zweiten Platz im internationalen Esport ein.

  • Ein Team der Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland um Lead Partner Pietro Graf Fringuelli hat die ESL bei der Gründung der Weltliga rechtlich beraten.
  • Auf Seiten der Gründungsteams hat ein Team um Andreas Peschel-Mehner und Moritz Mehner von der Kanzlei SKW Schwarz beraten.

Nachdem die Eckpunkte bereits Anfang 2020 festgelegt worden waren, wurden nun die für eine solche Weltliga erforderlichen Verfassungen, Spielregeln und Vereinbarungen auf allen Ebenen und Details entworfen und zwischen den 13 Parteien abgestimmt, heißt es:

  • ESL, das zur schwedischen Modern Times Group gehört, habe sich seit dem Jahr 2000 zum weltweit größten Esport Unternehmen entwickelt und veranstaltet internationale Ligen und Turniere wie ESL One, Intel Extreme Masters, ESL Pro League oder ESL National Championships.
  • Zu den teilnehmenden Teams zählen Faze, NaVi, Fnatic, NiP, Liquid, EG, Vitality, Mouz, G2, Complexity, ENCE und Astralis.

Dabei sei die Verfassung zur Durchführung dieser Weltliga nur teilweise den bestehenden Modellen aus dem klassischen Sport nachgebildet, so CMS: Größtenteils wurden neue Regularien und Entscheidungsstrukturen entwickelt, um den Anforderungen dieses neuen Marktes gerecht zu werden, darunter Transfer Rules, Compliance, Arbitration Rules und Governance sowie neue Modelle der Verteilung der Erlöse aus der Verwertung der Medien- und Sponsoringrechte.

Im Team von CMS Deutschland waren: Pietro Graf Fringuelli, Lead Partner, Köln, Medienrecht; Malte Bruhns, Partner, Köln, Corporate; Kai Neuhaus, Partner, Brüssel, Kartellrecht; Thomas Gerdel, Partner, Düsseldorf, Tax; Benjamin Lissner, Partner, Köln, Dispute Resolution; Thomas Sonnenberg, Partner, Köln, Compliance; Thorsten Hemme, Principal Counsel, Köln; Patrick Ehinger, Senior Associate, Köln; und Martin-Lukas Landmann, Senior Associate, Köln (alle Medienrecht).

Redaktioneller Hinweis: „E-Sport“ ist die laut Duden korrekte Schreibweise (vergleiche „E-Mail“ und „E-Bike“). Zwar wird der elektronische Sport gerne auch als „ESport“ bezeichnet (auch von Branchenorganisationen), dies sei aber nicht korrekt.

Freshfields berät AUTO1 zu ABS-Finanzierung

Die internationale Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer hat die AUTO1 Group AG zu einer ungewöhnlichen Finanzierungstransaktion beraten. Dabei wurde das Modell einer Verbriefung von Asset-backed-Anleihen in Höhe von bis zu 500 Millionen Euro gewählt, die das operative Geschäft von AUTO1 – den An- und Verkauf von gebrauchten Kfz – in neun europäischen Jurisdiktionen finanzieren werden.

Erstmals diene ein Pool von stetig wechselnden gebrauchten Kfz verschiedenster Hersteller als „Underlying Assets“. Die Transaktion wurde so strukturiert, dass die Senior-Notes mit einem A-Rating von S&P und Scope bewertet werden konnten. In der Beratung ging es nicht zuletzt auch um steuerrechtliche Themen. Das Freshfields-Kernteam bestand aus den Partnern Mario Hüther und Robin Helmke (beide Finance) sowie zahlreichen weiteren MitarbeiterInnen. Auch das Wien Büro war neben etlichen anderen Freshfields-Standorten involviert.

Übernahme in der Adtech-Branche mit Luther

Waterland Private Equity steigt bei der Hamburger YieldKit GmbH ein. Ein Team der deutschen Kanzlei Luther unter Federführung von Partner Jörgen Tielmann hat YieldKit beim Verkauf der Mehrheitsbeteiligung begleitet. Das Ziel von Waterland sei es, die Plattform mittels „Buy-and-Build-Strategie“ zum Marktführer zu machen. Firmengründer Oliver Krohne, CEO Daniel Neuhaus und der Tech-Unternehmer Lars Hinrichs werden laut den Angaben nach der Übernahme weiterhin an YieldKit beteiligt sein.

Bei YieldKit handelt es sich um eine Software-Plattform zur Umsetzung von Performance-Marketing-Strategien, die in rund 160 Ländern aktiv ist. Das Unternehmen arbeite mit etwa 60 Netzwerken zusammen und hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2009 in Hamburg eine Basis aus 45.000 aktiven Advertisern aufgebaut. Diese können auf 374.000 Domains ausgespielt werden.

Keine Kohle mehr: Noerr berät Deutschland

Unter Leitung der Partner Holger Schmitz, Tibor Fedke und Christof Federwisch hat die deutsche Kanzlei Noerr das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) beim Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Vertrags zum Kohleausstieg der Bundesrepublik beraten.

Der Vertrag wurde zwischen der Bundesrepublik Deutschland sowie den Betreibern von Braunkohle-Großkraftwerken – RWE, LEAG, EnBW und Saale Energie – geschlossen, heißt es dazu weiter: Grundlage sei das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz, das im August 2020 in Kraft getreten ist. Es legt die schrittweise Abschaltung aller Braunkohlekraftwerke in Deutschland bis spätestens 2038 fest.

Für diese vorzeitige Stilllegung ihrer Kraftwerke erhalten die Betreiber eine Entschädigung: RWE erhält 2,6 Mrd. Euro für die Stilllegung der Braunkohleanlagen im Rheinland, LEAG erhält 1,75 Mrd. Euro für die Stilllegung der Braunkohleanlagen in der Lausitz.

Die Entschädigung wird in 15 Tranchen ab Stilllegung des ersten Kraftwerksblocks ausgezahlt und für die Wiedernutzbarmachung der Tagebaue gesichert. Im Gegenzug erklären die Betreiber einen umfassenden Klageverzicht, sowohl vor nationalen Gerichten als auch vor internationalen Schiedsgerichten. Die EU-Kommission muss dem Deal noch zustimmen.

Lehrerbewertungs-App Lernsieg punktet mit Preslmayr vor Gericht

Das Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien hat eine erste Musterklage gegen die öffentlich heiß umstrittene Lehrerbewertungs-App „Lernsieg“ abgewiesen. Laut Urteilsbegründung überwiegt das berechtigte Interesse von SchülerInnen, Eltern und der breiten Öffentlichkeit, das Grundrecht auf Meinungs- und Informationsfreiheit im Rahmen der App auszuüben.

Die Verarbeitung der personenbezogenen Daten des Klägers, eines Lehrers und Gewerkschafters, sei daher ein berechtigtes Interesse im Sinne der Datenschutzgrundverordnung. Vertreten wurde die Lernsieg Mobile Media GmbH, welche hinter der „Lernsieg“ App steht, von Preslmayr Rechtsanwälte, konkret Partner und IT-Spezialist Christian Kern.

Bei der von Benjamin Hadrigan gegründeten App handelt es sich um eine App zur Bewertung von LehrerInnen, bei der SchülerInnen deren Leistungen anonym und kostenlos bewerten können. Seit ihrem Launch im November 2019 wurde die App rund 400.000-mal gedownloadet.

Doping-Abschlussbericht mit Christian Dorda

Am 28. Jänner 2021 veröffentlichte die Internationale Biathlon Union (IBU) den Abschlussbericht der External Review Commission (ERC). Der IBU-Vorstand hatte das ERC im November 2018 ernannt, um Vorwürfe gegen den ehemaligen IBU-Präsidenten und die ehemalige IBU-Generalsekretärin zu untersuchen. Anwalt Christian Dorda wurde – neben zwei weiteren Juristen und einem Athleten – als österreichisches Mitglied der unabhängigen Untersuchungskommission bestellt.

Dorda ist Gründungspartner der gleichnamigen Wiener Wirtschaftskanzlei und Spezialist für Schiedsgerichtsverfahren (Arbitration) sowie für vereinsrechtliche und sport-regulatorische Fragen. Weitere Mitglieder der Kommission sind Jonathan Taylor QC (englischer Anwalt, Kommissionsvorsitz), Vincent Defrasne (Vertreter des IBU Athletenkomitees) sowie Tanja Haug und Anja Martin (beide deutsche Sportanwältinnen).

Laut Untersuchungsergebnis haben sowohl der Ex-Präsident wie die Ex-Generalsekretärin Verstöße gegen Regeln der IBU zu verantworten. Ohne sachlichen Grund schützten sie, insbesondere im Anti-Doping-Kontext, russische Interessen, heißt es weiter.

Darüber hinaus assistierte ERC-Mitglied Christian Dorda der IBU bei einer – inzwischen umgesetzten – Reform der IBU-Statuten und Regularien, darunter die Etablierung eines von der IBU unabhängigen Biathlon Integrity Unit (BIU). „Diese Untersuchung war eine große Herausforderung punkto Detailarbeit, aber zugleich eine Chance, den beliebten Biathlonsport systematisch vor künftigem Doping zu schützen, um die Leistungen ehrlicher Athletinnen und Athleten verlässlich und auf faire Weise sichtbar werden zu lassen“, so Arbitrator Christian Dorda. „Die neue Biathlon Integrity Unit wird sicherlich ganz wesentlich dazu beitragen.“

 

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