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Business, Recht

M&A: Unternehmenskäufer profitieren von Corona-Krise

Peter Huber ©CMS

Transaktionsmarkt. Das Umfeld für M&A-Deals in Europa wird im Zeichen von Corona käuferfreundlicher, so eine Studie der Wirtschaftskanzlei CMS.

Der europäische M&A-Markt ist käuferfreundlicher geworden, nachdem die Corona-Pandemie zu einer größeren Risikoscheu geführt hat, so die Ergebnisse der jüngsten, jährlichen M&A-Studie der Wirtschaftskanzlei CMS.

„Bis zum Jahr 2020 galt Europa als verkäuferfreundlich. In diesem Jahr sehen wir wesentlich mehr käuferfreundliche Regelungen, sprich eine ähnliche Risikoverteilung wie in den USA“, so Peter Huber, Leiter Corporate/M&A bei CMS Österreich.

Die Klauseln zeigen woher der Wind weht

Laut der Studie, die auf einer CMS-eigenen Datenbank mit rund 5.000 Transaktionen beruht, gab es einen deutlichen Anstieg bei den Haftungshöchstgrenzen, längere Verjährungsfristen sowie eine geringere Anzahl von Locked-Box-Transaktionen.

  • Das Transaktionsgeschehen wurde nach wie vor von Käufern angetrieben, die neue Märkte erschließen wollen (45%). Hierbei kam es zu einem leichten Rückgang gegenüber 2019 (46%).
  • Bei knapp einem Drittel (31%) aller Transaktionen handelte es sich entweder um den Erwerb von Know-how oder die Übernahme von Spezialisten-Teams,
  • während es bei 22% der Transaktionen um die Übernahme eines Wettbewerbers ging.

Zu den Anzeichen einer eher käuferfreundlichen Entwicklung zählen laut Studie:

  • Längere Verjährungsfristen – die Verjährungsfristen von 24 Monaten und mehr nahmen zu (23% der Deals, was gegenüber 2019 einem Zuwachs von 4% entspricht).
  • Anstieg der Haftungshöchstgrenzen – die transaktionsbezogenen Haftungshöchstgrenzen stiegen im Jahr 2020. Es gab weniger Deals mit einer Höchstgrenze von unter 50% des Kaufpreises, mit einem Rückgang auf 49% gegenüber dem Wert von 60% im Jahr 2017. Darüber hinaus gab es mehr Deals, bei denen die Haftungshöchstgrenze dem Kaufpreis entsprach.
  • Transaktionen mit Locked-Box-Regelungen – leichte Abnahme bei Transaktionen ohne Kaufpreisanpassung (51% im Jahr 2020 gegenüber 56% im Jahr 2019), wobei ein allgemeiner Aufwärtstrend anhält.
  • De-minimis- und Basket-Regelungen kamen bei der Mehrheit der Transaktionen (74% bzw. 68% gegenüber 73% bzw. 66% im Jahr 2019) vor.

Weitere Ergebnisse der Studie sind:

  • Verwendung von Warranty-&-Indemnity-Versicherungen (W&I-Versicherung) – die Verwendung von W&I-Versicherungen nahm 2020 um 2%-Punkte (auf 17%) ab. Allerdings wurden sie nach wie vor bei knapp der Hälfte der Transaktionen von über 100 Mio. Euro gewählt.
  • Rückgang der Kaufpreisanpassungen – Kaufpreisanpassungen waren bei M&A-Verträgen leicht rückläufig (44% gegenüber 45% im Jahr 2019).
  • Earn-outs – Mit 21% aller Abschlüsse war der Anteil fast unverändert. Diese Quote liegt über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, bleibt aber hinter den Werten in den USA zurück.

Regionale Unterschiede

Die Corona-Pandemie hat laut CMS in Europa ähnlich wie in den USA zu einer tendenziellen Bevorzugung der Käuferseite geführt. Die Marktusancen in Europa in Bezug auf Kaufpreisanpassungen seien jedoch mit 44–45% der Fälle in den letzten drei Jahren gleichgeblieben. Ganz anders sei die Situation in den USA, wo Kaufpreisanpassungen bei fast allen Abschlüssen (95%) vorkommen.

Die Analyse ortet auch wesentliche Unterschiede bei den Marktusancen zwischen den europäischen Regionen:

  • Im Vereinigten Königreich wurde die Kaufpreisanpassung bei 54% aller Transaktionen vereinbart, deutlich häufiger als in Frankreich (36%) und den Benelux-Ländern (34%).
  • In CEE und SEE kommen wesentlich höhere Haftungshöchstgrenzen vor (so betrug bei 67% bzw. 76% aller Transaktionen die Haftungshöchstgrenze über 50% des Kaufpreises), in Europa waren es im Durchschnitt 43%.
  • W&I-Versicherungen werden in Frankreich, den Benelux-Ländern und Südeuropa nach wie vor selten abgeschlossen, und zwar in 5% bis 20% der Fälle. Im Vereinigten Königreich ist ihre Verwendung deutlich zurückgegangen (von 37% im Jahr 2019 auf 27% im Jahr 2020).
  • Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wurde im Vereinigten Königreich ein deutlicher Rückgang bei Transaktionen mit Locked-Box-Regelungen verzeichnet (30% gegenüber 61% im Jahr 2019).
  • In CEE wurden Earn-out-Regelungen deutlich häufiger vereinbart, nämlich bei 20% aller Transaktionen gegenüber 8% im Jahr 2019, was eher dem europäischen Durchschnitt von 21% entspricht.
  • Die Verjährungsfristen für Gewährleistungsansprüche sind in CEE, Frankreich und Südeuropa wesentlich länger.
  • Bei rund einem Drittel (32%) aller Deals wurde ein Schiedsverfahren als Streitlösungsmittel gewählt. Dabei waren Schiedsverfahren in bestimmten Regionen (Vereinigtes Königreich, Frankreich und Benelux-Länder) weniger beliebt als in anderen (CEE, deutschsprachige Länder und Südeuropa).

 

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