12. Apr 2022   Business

Taiwans im Ukraine-Krieg vergessene Schlüsselrolle

Marcus Weyerer ©Franklin Templeton

Marktkommentar. Im Ukraine-Krieg vergisst die Welt beinahe auf den Dauerstreit um Taiwan. Doch es gibt viele Gründe, an die besondere Rolle der Insel zu denken, so die Finanzprofis von Franklin Templeton.

Taiwans Schlüsselrolle für die internationale Schifffahrt sei Risiko und Sicherheit zugleich: „Taiwans Lage ist angesichts der militärischen Stärke und des zunehmenden Selbstbewusstseins Chinas auf der Weltbühne ein Risiko. Gleichzeitig kann sie paradoxerweise auch Taiwans Lebensversicherung und größter immaterieller Wert sein“, so Marcus Weyerer, Senior ETF Investment Strategist bei Franklin Templeton Investments.

Vor der Höhle des großen Drachen

Der Inselstaat Taiwan liegt direkt vor der Küste der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt am nordöstlichen Rand des Südchinesischen Meeres. Nach Berechnungen des Australian Strategic Policy Institute, einer Denkfabrik, wird etwa ein Drittel des weltweiten Schiffsverkehrs – und damit fast ein Viertel des gesamten Welthandelsvolumens – durch diese Gewässer geleitet.

Mit Japan, der wichtigsten Handelsnation im Nordosten, und Singapur, das den zweitgrößten Containerhafen der Welt im Süden beherbergt, verbindet Taiwan zwei der wichtigsten Ziele für die Weltwirtschaft. Von Singapur aus fahren die Schiffe weiter nach Indien und in den Nahen Osten oder durch den Suezkanal nach Europa. Zwei der taiwanesischen Häfen, Kao-hsiung und Taipeh, gehören zu den größten der Welt. Taiwanesische Schiffsbetreiber, insbesondere Evergreen, Yang Ming Marine und Wan Hai, kontrollieren mehr als 10% der weltweiten Containerkapazität.

Schon kleine Störungen können viel ausmachen

„Selbst geringfügige Störungen auf einer der meistbefahrenen Seehandelsrouten können erhebliche negative Auswirkungen auf den internationalen Handel und die Wirtschaft haben. Beide Supermächte, die USA und China, haben ein vitales Eigeninteresse an reibungslosen Abläufen in und um die Straße von Taiwan, und das schließt notwendigerweise Taiwans Stabilität und Sicherheit mit ein. Umgekehrt verfügt Taiwan angesichts seiner heiklen Lage im Südchinesischen Meer selbst über eine beträchtliche Soft Power. Angesichts der zusätzlichen Stärken Taiwans in der Schifffahrt und im Welthandel gehen wir davon aus, dass das Land bei den meisten Szenarien der amerikanischen Abkopplungsbemühungen in einer sehr starken Position sein wird. Das ist ein grundlegender Vorteil, denn diese Bemühungen werden sich über Jahre hinziehen“, so Weyerer in einem Marktkommentar.

 

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