Recht

Europas M&A-Markt erholt sich vom Lehman-Crash: Verkäufer haben wieder mehr zu sagen

Peter Huber ©CMS Reich-Rohrwig Hainz

Wien. In den europäischen M&A-Markt kehrt Stabilität zurück. Das ist die Kernaussage der CMS European M&A Study 2010, die der europaweite CMS Verbund, dem in Wien CMS Reich-Rohrwig Hainz angehört, jetzt vorgestellt hat.

Es sei die erste M&A-Studie, die die Auswirkungen der Lehman-Insolvenz und der Subprime-Krise auf die rechtliche Vertragsgestaltung bei M&A-Transaktionen untersucht, so CMS.

Diese Studie knüpft an die im Vorjahr erstmals europaweit erschiene CMS M&A Survey 2009 an. Die Transaktionsexperten von CMS haben für die CMS European M&A Study 2010 mehr als 750 der von CMS Kanzleien zwischen 2007 und 2009 betreuten M&A-Deals ausgewertet und dabei die wesentlichen Vertragsklauseln kategorisiert und analysiert.

Die Ergebnisse dokumentieren das Verhalten von strategischen Verkäufern und Käufern sowie Finanzinvestoren im Hinblick auf die Häufigkeit bestimmter Vertragskonditionen. Zudem erlauben sie eine Prognose: „Unsere Daten zeigen deutlich, wie nach einer extremen Wandlung vom Verkäufer- zum Käufermarkt sich in jüngster Zeit wieder ein gewisses Kräftegleichgewicht im M&A-Markt herausgebildet hat“, erläutert Peter Huber, Partner von CMS Reich-Rohrwig Hainz und Leiter des internationalen Transaktionsteams der Sozietät.

Die Studie zeigt außerdem einen Trend zu fixen Kaufpreisen, weniger Wettbewerbsklauseln sowie kürzeren Garantielaufzeiten.

Hartes Ringen

Anderseits veranschaulicht die Studie, dass Käufer und Verkäufer seit der Lehman-Insolvenz um die entscheidenden Klauseln eines Vertrags härter miteinander ringen – etwa um die Bedingungen, die nach Vertragsunterzeichnung noch eintreten müssen, damit der Unternehmenskauf auch tatsächlich vollzogen wird.

Häufig habe dies individuell-innovative Vertragslösungen zur Folge, so CMS. Dazu passe, dass die Verwendung sogenannter Material-Adverse-Change-Klauseln (MAC) im Jahr 2009 gegenüber dem Jahr 2008 zugenommen hat.

MAC-Klauseln erlauben dem Käufer, vom Kauf zurückzutreten, wenn das zu erwerbende Unternehmen aufgrund des Eintritts bestimmter, im Vertrag definierter Ereignisse zwischen Vertragsunterzeichnung und Vollzug des Unternehmenskaufs erheblich an Wert verliert oder zu verlieren droht.

Preisanpassungsklauseln: Weniger, aber komplexer

Die zweite Überraschung der Studie: Nach der Lehman-Insolvenz ist die Zahl der Preisanpassungsklauseln von 61 Prozent (2008) auf 48 Prozent (2009) gefallen.

Zu erklären ist dies damit, dass das allgemeine wirtschaftliche Umfeld auf Transaktionen dergestalt Einfluss genommen hat, dass die Parteien statt einer Preisanpassung gleich einen niedrigeren, für beide Seiten akzeptablen Festpreis vereinbarten, so CMS.

Wo aber Mechanismen der Preisanpassung zur Anwendung kamen, sei deren Komplexität insgesamt gestiegen. Dies zeige sich vor allem in der zunehmenden Verwendung von working-capital-bezogenen Kaufpreisanpassungen und der Vereinbarung von earn-out-Regelungen, bei denen eine positive zukünftige Entwicklung des Unternehmens Voraussetzung für eine Besserung des Kaufpreises ist.

„Es wird deutlich, dass Käufer Risiken jetzt sorgfältiger kalkulieren und sich dabei auf ihre eigene Due Diligence verlassen. Für das Jahr 2010 rechnen wir mit einer weiteren Stabilisierung des Marktes. Dabei sind kapitalstarke strategische Investoren weiterhin im Vorteil“, kommentiert Huber.

Stark von Region abhängig

Bei den ermittelten Trends und Daten sind erhebliche regionale Unterschiede zu erkennen. Die erwartete allgemeine Stabilisierung könnte sich daher zum Teil noch verzögern, warnt CMS.

Starke regionale Unterschiede weist auch der Einsatz von Schiedsgerichtsbarkeitsklauseln auf. Im Vergleich zu Gesamteuropa (40 Prozent) sind Schiedsverfahren in Mittel- und Osteuropa mit 80 Prozent der bei weitem bevorzugte Streitschlichtungsprozess, ebenso in Südeuropa mit 71 Prozent.

Methodik der Studie

Die CMS European M&A Study 2010 basiert auf der eingehenden Analyse von 763 Transaktionen zwischen dem 1. Januar 2007 und dem 31. Dezember 2009, an denen als Zielunternehmen nicht an der Börse notierte und als Käufer/Verkäufer private und öffentliche Unternehmen in Europa beteiligt waren. Mehr als 250 Transaktionen fallen in das Jahr 2009.

Die herangezogenen Vertragsdaten sind nicht öffentlich zugänglich und basieren auf vertraulich verhandelten Transaktionen, bei denen CMS Käufer oder Verkäufer beraten hat, heißt es. Die Vergleichsdaten aus den USA wurden der „Private Target Mergers & Acquisitions Deal Points Study 2009“ der American Bar Association entnommen. Diese bezieht sich auf Transaktionen des Jahres 2008.

Vier europäische Regionen hat die Studie analysiert:

  • Benelux (Belgien und Niederlande)
  • Mittel- und Osteuropa (Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Tschechien, Ukraine, Ungarn)
  • den deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz)
  • Südeuropa (Italien und Spanien).

Frankreich und Großbritannien sollen als eigene Kategorien vorgestellt werden, so CMS.

Link: CMS

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