03. Mrz 2014   Business Recht Steuer

Brunswick Austria-Director Hans Lang zur Compliance: Flut neuer Regeln kann und wird so nicht weitergehen

Hans Lang ©Brunswick
Hans Lang ©Brunswick

Wien. Die Compliance-Welle rollt: Das Jahr 2014 bringt verschärfte Berichtsregeln für alle Unternehmen, das erste volle Betriebsjahr der neuen Bilanzpolizei, usw.

Aber bringt der Compliance-Trend wirklich einen Vorteil für Gesellschaft, Wirtschaft und die Unternehmen selbst? Und zwar mehr, als er an zusätzlichem Verwaltungsaufwand verursacht? Hans Lang, Director beim Beratungsunternehmen Brunswick Austria & CEE in Wien, meint heute in unserer Interviewserie zum Thema Compliance: „Es kann nicht mehr oder weniger Compliance geben. Entweder man ist compliant – oder man ist es nicht.“ Doch wenn unter Compliance-Welle im engeren Sinn die Flut neuer Regeln der letzten Jahre verstanden werde, dann sei klar: „Das kann und wird so nicht weitergehen.“

Recht.Extrajournal.Net: Man sagt dass die Compliance-Welle rollt: Die Zahl einschlägiger Gesetze, Verordnungen und sonstiger Regeln für die Unternehmen nimmt auch in Österreich ständig zu. Wie stehen Sie zu dieser Entwicklung?

Hans Lang: Dass man Vorschriften und Maßnahmen eingeführt und weiterentwickelt hat, um unredliche Vorgehensweisen zu erschweren und deren Aufdeckung zu erleichtern, ist grundsätzlich nichts Neues und jedenfalls zu begrüßen. Wenn nun mit >Compliance< ein einheitlicher Begriff dafür verwendet wird, zeugt das von einem zunehmend professionelleren Umgang mit der Thematik. Natürlich muss aber auch über die Sinnhaftigkeit von einigen, zudem oft schwammig formulierten Regelungen diskutiert werden. Diese Einzelfälle dürfen aber keinesfalls die positiven und wichtigen Aspekte überdecken.

Gleichzeitig gab es aber in den letzten Jahren gefühlt mehr Malversationen als früher – greifen die zahlreichen neuen Maßnahmen nicht?

Lang: Das sehe ich ganz anders. Die generell intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema und die höhere Sensibilität dafür halfen sicher wesentlich dabei, diese Fälle ans Licht zu bringen. Heute muss, mehr als früher, damit gerechnet werden, dass Unredlichkeiten aufgedeckt und nicht nur als Kavaliersdelikte, sondern als ernsthafte Verstöße angesehen werden. Ein wesentlicher Treiber dafür ist sicher der technologische Wandel. Durch die Online-Medien und die Fähigkeiten von Smartphones können Informationen in kürzester Zeit weltweit verbreitet werden. Jeder von uns kann >Journalist< sein und Meinungen/Bilder/Filme posten und diskutieren.

Das hat auch auf die klassischen Journalisten enorme Auswirkungen. Sie stehen unter enormen Zeit- und Kostendruck bei gleichzeitig vielschichtigeren Informationsquellen und Millionen >Konkurrenten<. Die verfügbare Zeit für gewissenhafte Recherchen hat drastisch abgenommen und der Druck, als Erster mit einer spannenden Geschichte präsent zu sein und daher aggressiver zu agieren hat zugenommen. Durch die zahlreichen nationalen und internationalen Skandale der letzten Jahre und die diesbezügliche Berichterstattung werden Unternehmen von der Öffentlichkeit heute deutlich kritischer, skeptischer und genauer betrachtet.

Inwieweit ist es für Sie bzw. Brunswick selbst ein Thema: Fehen Sie in der Beratungsarbeit darauf ein, müssen Sie auch selbst neue Compliance-Anforderungen erfüllen?

Lang: Brunswick ist eine internationale Kommunikationsberatung die seit jeher bei verschiedensten kritischen und sensiblen Themenstellungen unterstützt. Da Indiskretionen und unredliche Handlungen unser Geschäftsmodell gefährden würden, ist die Firma seit Jahren extrem streng, was Compliance betrifft. Brunswick berät bei zahlreichen Kapitalmarkttransaktionen und arbeitet für viele börsennotierte Kunden, weswegen wir auch von internationalen Börsenaufsichten kontrolliert werden.

In unserer Kundenarbeit nahm über die letzten Jahre die Beratung im Umgang mit Compliance-Themen deutlich zu. Dies umfasst die Prävention und interne Einführung von Systemen, das Situationsmanagement sowie die Arbeit nach einer Krise, um die Unternehmensreputation wieder aufzubauen.

Überwiegen aus Ihrer Sicht Vorteile oder Nachteile der Compliance-Welle, profitieren Gesellschaft, Wirtschaft, Anleger usw. mehr, als den Unternehmen an Kosten entstehen?

Lang: Compliance ist weder ein Trend – die unter diesem Begriff zusammengefassten Intentionen, widerrechtlichem Verhalten Einhalt zu gebieten existieren seit tausenden Jahren –, noch kann es mehr oder weniger davon geben – entweder man ist compliant oder man ist es nicht.

Das Compliance für uns alle ein äußerst relevantes Thema ist, zeigt sich anhand eines Berichts der Europäischen Kommission an den Rat. Demzufolge kosten organisiertes Verbrechen, Finanz- und Steuerbetrug, Geldwäsche und Korruption der EU-Wirtschaft pro Jahr schätzungsweise EUR 120 Mrd. Zudem wird in dem Bericht als Erfolgsfaktor für die EU-Wachstumsstrategie >Europa 2020< unter anderem Korruptionsbekämpfung explizit erwähnt.

Aus Unternehmenssicht stellt sich selbstverständlich ebenfalls die Frage, wie umfassend die Compliance-Systeme aufgebaut werden sollen. Um zu einer Lösung zu kommen, hängt es wie so oft von einer Abwägung der Kosten gegenüber dem Nutzen ab. Dabei ist jedenfalls auch die Vermeidung der Kosten von aufgedecktem rechtswidrigem Verhalten zu berücksichtigen. Die Nutzenseite sollte die Vorteile einer geschützteren und sogar gestärkten Reputation widerspiegeln.

Hat die Compliance-Welle aus Ihrer Sicht den Höhepunkt erreicht oder rechnen Sie eher damit, dass auch die nächsten Jahre noch ständig deutlich wachsende Compliance-Anforderungen bringen werden?

Lang: Es ist sicherlich richtig, dass in den letzten Jahren eine Welle an neuen Regelungen eingeführt wurde. Dies kann und wird in dieser Art nicht weitergehen. Dennoch wird es auch in Zukunft neue Regelungen und Maßnahmen zur Vermeidung und Aufdeckung von unredlichen Handlungen geben. Das Umfeld verändert sich uns so muss sich auch diese Materie mitentwickeln.

Durch die allgemein intensivere Präsenz des Compliance-Themas sind das Bewusstsein und die Sensibilität dafür gestiegen. Es ist zu hoffen, dass Organisationen vermehrt erkennen, dass mit dem Trachten nach dem Einhalten von Normen zwar ein wichtiger Schritt getan ist, es aber vielmehr um korrektes und ethisches unternehmerisches Handeln geht, das in der Unternehmenskultur verankert sein muss.

Hans Lang ist Director der Brunswick Austria & CEE GmbH

Link: Brunswick

 

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