28. Aug 2014   Bildung & Uni Business

Österreichs Studenten von allen deutschsprachigen Ländern am unternehmungslustigsten, so Uni St. Gallen-Studie

WU Campus ©Boanet
WU Campus ©Boanet

St. Gallen. Studierende in der Schweiz und in Deutschland sind im internationalen Vergleich weniger unternehmerisch als Studierende aus Österreich. Dies zeigt die neue Ausgabe des „Global University Entrepreneurial Spirit Students‘ Survey“ (GUESSS) der renommierten Uni St. Gallen in der Schweiz.

Die Studie nimmt das unternehmerische Engagement Studierender in 34 Ländern unter die Lupe. Großartig ist das Abschneiden Österreichs dennoch nicht: Wir belegen Rang 28, direkt vor der Schweiz (29.) und Deutschland (30.) An der Spitze steht Mexiko, wo die Zahl gründungswilliger Studenten mehr als dreimal so hoch ist wie hierzulande.

Forschende des Instituts für Klein- und Mittelunternehmen an der Universität St.Gallen (HSG) haben die Untersuchung geleitet. An der von über 50 Forschenden mitorganisierten Erhebung 2013/2014 haben laut Aussendung mehr als 750 Hochschulen in 34 Ländern sowie über 109.000 Studierende teilgenommen.

Zwar sei unternehmerisch leben und Firmen gründen nach wie vor der Traum vieler Studierender in der ganzen Welt – doch in Österreich, der Schweiz und Deutschland gebe es deutlichen Nachholbedarf: Fünf Jahre nach dem Studium wollen in der Schweiz 17,7% aller Studierenden unternehmerisch tätig sein. In Deutschland sind es 17,6%. Österreichische Studierende sind mit 18,4% unternehmerischer, für mehr als Platz 28 reicht das aber nicht. Verglichen mit der Nummer eins – Mexiko – ein schwacher Wert: dort wollen 60% sich als Unternehmensgründer versuchen.

Alte Industrieländer sind schwächer

Industrieländer schnitten grundsätzlich schlechter ab als beispielsweise Schwellenländer, heißt es in einer Aussendung. „Es ist unbedingt anzuraten, Unternehmertum unter Studierenden weiter systematisch zu fördern“, so Philipp Sieger, GUESSS-Projektleiter und Länderverantwortlicher Schweiz am Institut für Klein- und Mittelunternehmen an der Universität St.Gallen.

Freilich lasse sich eine interessante Entwicklung beobachten: Im Vergleich zur vergangenen Erhebung im Jahr 2011 ist der Anteil der Studierenden, welche bereits ein eigenes Unternehmen besitzen, gestiegen: In der Schweiz auf 2,2%, in Deutschland auf 4,6%. Der Anteil derjenigen Studierenden, welche fünf Jahre nach dem Studium unternehmerisch tätig sein wollen, ist jedoch deutlich gesunken. Dabei spielen verbesserte Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle, heißt es.

Qualität statt Quantität?

Ein weiterer Erklärungungsansatz für diese Entwicklung liege in der Rolle der „Entrepreneurship Education“, der unternehmerischen Ausbildung an den Hochschulen. Der Ausbau der entsprechenden Angebote an den Universitäten und Fachhochschulen sowie die steigende Qualität derselben führen dazu, dass die Studierenden vertiefte Einblicke in die unternehmerische Laufbahn erhalten und sich ein immer realistischeres Bild davon machen können, was es bedeutet, Unternehmer zu sein. Einige Studierende scheinen sich auf Grund dessen bewusst gegen eine solche Karriere zu entscheiden, so die HSG-Autoren.

Andere Studierende wiederum werden durch die Angebote der Hochschulen in ihrem Gründungsinteresse bestärkt und erhalten ausserdem das Wissen und die Kompetenzen, um erfolgreiche Unternehmer werden zu können. Dies führe auch dazu, dass immer mehr Unternehmen bereits während der Studienzeit gegründet werden.

Das GUESSS-Projekt

GUESS wurde 2003 am Institut für Klein- und Mittelunternehmen (KMU-HSG) an der Universität St.Gallen von Frank Halter ins Leben gerufen. Unter der Leitung des Instituts und mit Unterstützung von Ernst & Young (EY) sei das Projekt stetig gewachsen und heute eines der weltweit grössten Forschungsprojekte über Unternehmertum.

Link: GUESSS

 

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