25. Nov 2014   Business Recht Steuer

LBG Österreich feiert 75jähriges Jubiläum: Warnung vor Bürokratie, Neiddebatte, Verunsicherung

Schultes, Harb, Hochhauser, Müller-Uri ©Anzenberger-Fink / LBG
Schultes, Harb, Hochhauser, Müller-Uri ©Anzenberger-Fink / LBG

Wien. Bürokratie, Neiddebatten und Verunsicherung über neue Steuern sind Gift für die Wirtschaft, hieß es bei der Veranstaltung zum 75jährigen Jubiläum des Beratungsunternehmens LBG Österreich. Der Großteil der ArbeitnehmerInnen ist bekanntlich stärker von Sozialabgaben als von Lohnsteuern belastet, erinnert die auf Klein- und Mittelbetriebe (KMU) spezialisierte Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei. Gewarnt wird u.a. vor der überbordenden Bürokratie, gefordert wird etwa ein neukodifiziertes Einkommensteuergesetz 1989. Denn das jetzige sei nach 142 Novellen in 25 Jahren selbst für die Fachprofis nicht mehr zu durchblicken.

Mit 440 Mitarbeitern gehört LBG zu den österreichweit bedeutendsten Steuerberatungs- und Wirtschaftsberatungsgesellschaften für Familienbetriebe und Klein- und Mittelbetriebe (KMU). Am 20. November 2014 feierte man im Palais Ferstel in Wien.

Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen einer Standortbestimmung des aktuellen wirtschaftlichen Umfeldes und von Handlungsoptionen für UnternehmerInnen, heißt es in einer Aussendung: Bei der feierlichen Jubiläumsgala nahmen Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich, aus dem Blickwinkel der Klein- und Mittelbetriebe (KMU), Hermann Schultes (Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich), Christian Müller-Uri (Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes) sowie Heinz Harb, Steuerberater/Unternehmensberater und Managing-Partner bei LBG Österreich zu aktuellen Entwicklungen Stellung.

Die Kanzlei fasst die Überlegungen folgendermaßen zusammen:

  • Überbordende Bürokratie lähme die Unternehmen – Aufzeichnungs- und Informationspflichten werden immer strenger, die Kontrollen immer schärfer.
  • Respekt für die Leistungen und den Beitrag der Menschen im Landwirtschaftssektor für den Wirtschaftsstandort Österreich werde eingemahnt.
  • Apotheken stellen im Selbstverwaltungssystem die flächendeckende Arzneimittelversorgung zu jeder Tages- und Nachtzeit sicher – Margenkürzungen machen dies immer schwieriger, die Politik müsse wissen, was sie letztendlich will.
  • Komplexität des Steuerrechts sei eine Bedrohung für UnternehmerInnen und ein kaum mehr durchdringbares Dickicht, selbst für erfahrene Steuerberater und die Finanzverwaltung.
  • Das Einkommensteuergesetz 1989 wurde in den letzten 25 Jahren bereits 142 Mal novelliert, allein die Übergangsbestimmungen umfassen 31 kleingedruckte Seiten im Steuer-Kodex. Eine Neukodifizierung als Einkommensteuergesetz 2016 sei erforderlich.
  • Der Großteil der unselbstständig Beschäftigten in Österreich leide unter den hohen Sozialabgaben deutlich stärker als unter der Lohnsteuerlast. Bis brutto € 3.000 pro Monat übersteigt der Dienstnehmer-Sozialversicherungsanteil den Lohnsteuerabzug, hinzu kommen noch die Lohnnebenkosten und der Dienstgeber-Sozialversicherungsanteil. Der Sozialstaat ist wichtig, die Effizienz sei allerdings zu hinterfragen.
  • Die Abgaben-Quote (Sozialabgaben plus Steuern gemessen an der Wirtschaftsleistung) beträgt bereits 45,4 % am BIP und liegt im Spitzenfeld der EU-Länder. Eine mittelfristige Absenkung auf 40 % wäre wichtig. Damit lasse sich ein durchaus passabler Sozial- und Wohlfahrtsstaat finanzieren – mit deutlicher Entlastung der ArbeitnehmerInnen und UnternehmerInnen.
  • Wer eine Vermögensteuer fordert, müsse auch dazu sagen, dass Vermögen bereits über Grundsteuern und realisierte Vermögensmehrungen bereits über die Wertpapier-KEST und die Immo-EST besteuert werden.
  • Wer eine Erbschafts- und Schenkungssteuer unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten deshalb fordere, weil er meint, dass ansonsten der Erbe/Geschenknehmer steuerfrei zu Vermögen kommt, müsse dazu sagen, dass tatsächlich dem Erblasser/Geschenkgeber von seinem ersparten Vermögen ein beträchtlicher Steueranteil de facto im Sinne einer >Sterbesteuer< genommen werde, weil dieses – sein Vermögen – netto nur deutlich geschmälert bei seinen Lieben ankommt.
  • Wer steuerliche Solidarität Besserverdienender einfordert, möge dazusagen, dass diese bereits ab € 60.000 mit 50 % Einkommensteuer erheblich zum Sozialstaat beitragen. Hinzu komme die erst jüngst eingeführte zusätzlich erhöhte Besteuerung durch einen Solidarbeitrag (teilweiser Wegfall der Begünstigung für den 13./14. Gehalt sowie Einschränkung des steuerlichen Gewinnfreibetrages für besserverdienende Selbstständige).
  • Aktionismus und Atemlosigkeit in der Gesetzgebung schaffen kein investitionsfreudiges Wirtschaftsklima, sondern verunsichern, heißt es.
  • Bürokratie, Neiddebatten und Verunsicherung über neue Steuern seien Gift für die Wirtschaft und kein fruchtbarer Boden für Investitionen, Wachstum und Beschäftigung.

Link: LBG

 

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