02. Mai 2017   Business Recht

Privatkonkurs: Nur 2,8% sind Frauen und Bürgen

Insolvenzreform. Die Reform des Privatkonkurses steht bevor: Dass derzeit Frauen als Bürgen besonders betroffen sind, sei jedoch eine Fehlinformation, so der KSV

Im Zuge der geplanten Reform des Privatkonkurses treiben die Argumente der Befürworter Blüten, heißt es: So war auch die Rede davon, dass ein sehr hoher Anteil an Bürgschaften Frauen in den Privatkonkurs führen würden.

Sind es wirklich Frauen, die – meist für ihre Ehemänner – Bürgschaften übernehmen und dann auf den Schulden sitzenbleiben? Eine Analyse des KSV1870 zeige, dass es sich dabei im Jahr 2016 nur um 2,8% der Gesamtzahl an Privatkonkursen gehandelt hatte.

Die Ergebnisse im Detail

Von den 8.011 Privatkonkursen des Vorjahres waren es lediglich 225 Frauen, die aufgrund von Haftungsübernahmen in den Konkurs geschlittert sind. Wie viele aus dieser kleinen Gruppe aufgrund familiärer Bande Bürgschaften übernommen haben, wurde nicht erhoben, so der KSV.

KSV1870 Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner: „Leider haben die Befürworter der Reform den Boden der Fakten bereits seit längerem verlassen. Man versucht anscheinend krampfhaft, Opfer des Privatkonkurses zu stilisieren, um dieses Debakel für Gläubiger und Wirtschaft in irgendeiner Form zu rechtfertigen.“

Ursprünglich war nur von ehemaligen Unternehmern die Rede. Inzwischen versuche man, „im Windschatten alle möglichen Schuldner mitsegeln zu lassen und zieht als Begründung Rand- und Einzelfälle heran“, so Kantner.

Der KSV1870 spricht sich dafür aus, dass ehemals Selbstständigen, die einmal redlich gescheitert sind, die Entschuldung erleichtert werden soll. Sie hätte aufgrund ihres Risikos und der Verantwortung, die sie auf sich genommen haben, das Recht auf eine zweite Chance.

Dass damit der Großteil jener, die sich leichtsinnig verschuldet haben, ebenfalls auf Kosten der Allgemeinheit aus dem Löwenanteil ihrer Verpflichtungen entlassen werden sollen, sei weder wirtschaftlich noch moralisch zu rechtfertigen, wendet sich der KSV erneut gegen den Trend der aktuellen Privatkonkurs-Reform. KSV1870 Geschäftsführer Ricardo-José Vybiral: „Wir hoffen nach wie vor, dass Sachlichkeit und Vernunft wieder die Oberhand gewinnen.“

Link: KSV

 

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