100 Jahre Wachstum und Krisen in Österreich

08. Jan 2018   Business Nova
©Wifo

Wien. Im Jahr 2018 feiert Österreich sein 100-jähriges Jubiläum als Republik. Eine Wifo-Grafik zeigt ein Jahrhundert des Wachstums, der Krisen – und der stets wiederkehrenden Erholung.

Der Anfang vor 100 Jahren stand unter einem schweren Stern: Die schweren Belastungen in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg konnten nur mit Hilfe des Völkerbundes überwunden werden, schreibt Wifo-Experte Marcus Scheiblecker in seinem Rückblick auf ein Jahrhundert Republik Österreich: Die wirtschaftliche Lage am Beginn der Ersten Republik Österreich war denkbar schlecht.

Nicht nur, dass die kriegerischen Handlungen die produktive Infrastruktur schwer beschädigten und das Potential an Arbeitskräften durch den Tod vieler Menschen geschrumpft war, sondern auch weil durch das Auseinanderbrechen des früheren Staatsgebiets wichtige Märkte verloren gingen. Es kam hierdurch zu einer ökonomischen Desintegration.

In den ersten Jahren der jungen Republik war das Wachstum von Reparaturmaßnahmen geprägt und es folgten lediglich ein paar Jahre der wirtschaftlichen Ruhe, bis die Weltwirtschaftskrise ihre Spuren auch in Österreich hinterließ.

Die Grafik zeigt die Entwicklung auf einen Blick (Quelle: Q: Butschek, F., Österreichische Wirtschaftsgeschichte. Von der Antike bis zur Gegenwart, Böhlau Verlag Wien – Köln – Weimar, 2011; WDS – WIFO-Daten-System, Macrobond. Für das Jahr 1920 keine Werte verfügbar. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Wifo.)

Die große Wirtschaftskrise

Die Wirtschaft schrumpfte nach 1929 vier Jahre in Folge und die gesamtwirtschaftliche Produktion lag 1933 um ein Viertel unter dem Niveau von 1929, bei etwa dem Niveau des Jahres 1922. Nach Überwindung der Großen Depression verlief der einsetzende Aufholprozess eher träge. Erst die militärische Aufrüstung ab 1938 führte wieder zu kräftigen Steigerungsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Der Zweite Weltkrieg brachte erneut großes Leid – in der Sprache der Ökonomen ausgedrückt waren große Schäden sowohl am Kapitalstock als auch am Arbeitskräftepotential zu beklagen. Nach Abschluss der Reparaturarbeiten setzte jedoch – im Unterschied zur Zeit nach dem Ersten Weltkrieg – ein beispielloser Aufholprozess ein.

Hierbei spielte die großzügige Hilfe der USA wie auch der hohe soziale Friede – wie er in der österreichischen Sozialpartnerschaft zum Ausdruck kam – eine wichtige Rolle, so die Wifo-Autoren: Die Arbeitslosenquote fiel zwischen 1953 und 1962 von 8,7 Prozent auf 2,7 Prozent.

Wirtschaftswunder und Ostöffnung

Die österreichische Wirtschaft entwickelte sich in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg im internationalen Vergleich überaus erfolgreich. Zwar wurde die Dynamik immer wieder durch Rezessionen wie beispielsweise die beiden Erdölpreiskrisen unterbrochen, jedoch trieb in weiterer Folge eine Reihe stattgefundener Integrationsschritte die heimische Wirtschaft und insbesondere den Industriesektor weiter an, heißt es.

Nach der Ostöffnung, von der vor allem Österreich aufgrund seiner geographischen Nähe und seinen historisch engen Beziehungen zu diesem neuen Wirtschaftsraum profitierte, kamen der EU-Beitritt Österreichs, die Einführung des Euros und die Osterweiterung der EU als weitere Glieder einer Kette von Integrationsschritten.

Was unterm Strich bleibt

Dieses langanhaltende dynamische Wachstum habe zu einer beträchtlichen Wohlstandssteigerung der heimischen Bevölkerung geführt. Musste ein Facharbeiter in der Metallindustrie im Jahr 1918 noch knapp drei Stunden arbeiten um 1 kg Brot auf dem freien Markt zu erwerben, waren 2017 hierfür nur mehr 11 Minuten erforderlich.

Oder ein anderer Vergleich: 2017 waren für den Erwerb von 100 kWh Strom 61 Minuten erforderlich, im Jahr 1953 musste man durchschnittlich etwa siebenmal so lange dafür arbeiten.

Auch heutzutage ist die österreichische Wirtschaft gut positioniert. Die Wirtschaft wuchs 2017 laut Wifo um 3,0 Prozent und sollte auch 2018 eine ähnliche Dynamik aufweisen.

Allerdings erfordere die Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen zahlreiche strukturelle Anpassungen, von denen es abhängen wird, ob Österreich seinen Erfolgsweg weiterführen können wird, heißt es in dem Bericht.

Link: WIFO

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