Österreichs Unternehmensjuristen: Die Pläne der VUJ

31. Okt 2018   Bildung & Uni Business Recht
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Wien. Mit der VUJ hat Österreich seit kurzem eine Vereinigung für Unternehmensjuristen. „Wir sehen uns als Enabler for Business“, sagen die Vorstände im Interview.

Die für Unternehmen tätigen Juristinnen und Juristen in führenden Positionen vernetzen, für Informationsaustausch über Fachthemen sorgen, wichtige Anliegen gemeinsam vertreten und den Stellenwert der Unternehmensjuristen als Partner oder Teil des Managements weiter steigern: das sind Anliegen der Vereinigung Österreichischer Unternehmensjuristen (VUJ), wie Vorstandsvorsitzender Andreas Balog und sein Vorstandskollege Bernhard Breunlich im Interview mit Extrajournal.Net sagen.

Mit der bisherigen Entwicklung sei man sehr zufrieden: Formal wurde die VUJ Ende 2014 von Balog und seinem Mitvorsitzenden Max Kindler gegründet, zwei Wiener Freunden und Weggefährten, die zu diesem Zeitpunkt bereits viele Jahre als Unternehmensjuristen in verschiedenen österreichischen und internationalen Unternehmen in führenden Positionen tätig waren, wie es heißt.

Die Startphase

Anfang 2016 folgten Website und Social Media Auftritt, heute hat man deutlich über 100 Mitglieder: in den letzten Jahren habe sich der Mitgliederstand jeweils verdoppelt, die Mitglieder repräsentieren laut VUJ rund ein Drittel der ATX-Unternehmen.

Bernhard Breunlich Credit Wilke
Bernhard Breunlich ©Wilke

Bisher ist die Arbeit in der VUJ rein ehrenamtlich organisiert. Auch etliche namhafte Kooperationspartner hat die VUJ gewonnen: Dazu zählen die Fachverlage Manz und Linde, die Uni Wien, Future-Law sowie der Personalberater Lawyers & More als Partner der ersten Stunde (Breunlich ist einer der geschäftsführenden Gesellschafter). Dazu kommen „ausgesuchte Wirtschaftskanzleien“, wie es heißt. Gleichzeitig wurde ein Beirat eingerichtet und Fachkreise sollen den Informationsaustausch vertiefen helfen. Dazu zählt etwa der neue Fachkreis Banking & Finance.

Wie es jetzt weitergehen soll

„Unsere Idee ist, diese fachliche Vertiefung weiter wachsen zu lassen, das Engagement der Mitglieder ist dabei natürlich sehr erhofft und erwünscht“, sagt Breunlich. Auch regional sei dies der Fall; so gibt es seit seit Sommer 2017 einen Regionalfachkreis Steiermark.

Tatsächlich arbeite die Vereinigung am nächsten Entwicklungsschritt und sucht bereits ihren ersten angestellten Mitarbeiter, womit die Professionalisierung bis zur nächsten Generalversammlung im Herbst 2019 eine neue Stufe erreichen würde.

Doch wieso ist eine solche Selbst-Organisation der Unternehmensjuristen überhaupt erforderlich? Zwar ist die Interessenvertretung im Gegensatz etwa zu den Anwälten freiwillig, es sei aber ein europaweiter Trend zu Unternehmensjuristenverbänden zu beobachten, heißt es.

Die europäische Dachvereinigung European Company Lawyers Association (ECLA) existiert jedenfalls seit 1983, und Österreich sei zum Start der VUJ eines der letzten bedeutenden Länder in Europa gewesen, wo es kein Mitglied der ECLA gab.

Die Rolle der Unternehmensjuristen

Nach Überzeugung der VUJ-Gründer und des Vorstands gehen die erforderlichen Kompetenzen von Unternehmensjuristinnen und -juristen auch weit über die Rolle einer „Inhouse-Kanzlei“ hinaus. Juristisches Know-How gepaart mit bereichsübergreifendem Wissen und der ausgeprägten Fähigkeit zu strategischem Denken seien die besten Grundvoraussetzungen für Wertschöpfung, Unternehmensentwicklung und Unternehmenserfolg.

Neben der europäischen Vernetzung ist es ein weiteres wichtiges Anliegen der VUJ, Juristinnen und Juristen in Führungs- und Managementpositionen in ihrer Stellung und Bedeutung in Unternehmen zu unterstützen: „Wir verstehen uns als Partner oder Teil des Top-Managements und handeln selbst unternehmerisch, als Enabler for Business“, sagt Balog. Rund 4.000 bis 5.000 Personen dürfte die Zielgruppe in Österreich nach Schätzungen umfassen – in Deutschland sind es etwa 40.000.

Mitmachen darf laut Satzung, wer ein rechtswissenschaftliches Studium abgeschlossen hat, in einem Unternehmen angestellt ist und eine überwiegend juristische Tätigkeit ausübt. Andere Rechtsberufe wie Anwälte und Notare sind ausgeschlossen. Sehr wohl gibt es aber die Möglichkeit einer außerordentlichen Mitgliedschaft für Personen, die dem Beruf des Unternehmensjuristen nahestehen (z.B. ehemalige Unternehmensjuristen).

Geboten werde den Mitgliedern nicht zuletzt Engagement und Austausch auch auf europäischer Ebene. So ist Österreich über die VUJ nun bei der ECLA als Vollmitglied engagiert und so auch in Brüssel vertreten; enge Kontakte bestehen zudem u.a. zu den deutschen und weiteren internationalen Schwester-Vereinigungen.

„Es gibt für unsere Mitglieder viele gemeinsame Themen, die Unternehmensjuristen in ganz Europa bewegen, z.B. die fortschreitende Digitalisierung, Legal Tech und disruptive Innovationen, der Compliance-Bereich, ein funktionierendes Krisenmanagement, Datenschutz oder auch die Positionierung und das Management der Rechtsabteilung in sich verändernden Arbeitsorganisationen selbst“, sagt Balog, der ebenso wie Breunlich den Austausch sowohl über die Vereinigung selbst wie auch auf europäischer Ebene lobt.

Neben den europäischen Themen spricht Breunlich als aktuelle Fragestellung die gerade im Fachkreis Banking & Finance laufende Diskussion zur Regulatory-Compliance-Funktion an. Vor knapp einem Monat hat dazu auch eine Veranstaltung des Fachkreises mit den VUJ-Partnern von PwC Legal stattgefunden. „So ist es derzeit umstritten, mit welchen Kompetenzen (>Super-Hero< vs. unterstützender Dienstleister) diese neue Funktion ausgestattet sein soll und wo diese organisatorisch – im Generalsekretariat, in der Rechts- oder in der Compliance-Abteilung – verankert werden soll“, fasst Breunlich die Kernfragen zusammen.

Spezialisierung und Weiterbildung

Ein grundsätzlicher Trend, den man gerade auch in Österreich stark beobachte, sei die immer weitergehende Spezialisierung der Rechtswissenschaften und -berufe. „Arbeitgeber fragen konkrete Spezialisierungen nach, und zwar auch schon kleine und mittlere Unternehmen bzw. Anwaltskanzleien“, führt Breunlich aus der Perspektive des auf Juristenkarrieren spezialisierten Personalberatungsunternehmens Lawyers & More aus. Studenten müssen ihre Karriere immer frühzeitiger planen, Juristen immer mehr praktische Erfahrungen mitbringen, ihre Kenntnisse laufend erweitern und vertiefen.

Entsprechend wird auch Weiterbildung immer wichtiger. Daher hat die VUJ im September mit Manz eine neue Ausbildungsschiene gestartet, die noch ausgebaut werden soll: Aus der Praxis für die Praxis, lautet das Motto.

Das Know-how ihrer Mitglieder möchte die VUJ auch dort einbringen, wo eine Relevanz für die Praxis der Unternehmensjuristen gegeben ist: Man ist zwar politisch unabhängig und branchenübergreifend, setze sich aber für wichtige Themen ein, die den Standort Österreich betreffen.

„Das ist derzeit vorrangig einmal die digitale Transformation: Wichtig ist es die Voraussetzungen zu schaffen, dass Österreich und österreichische Unternehmen bei den Themen Digitalisierung und künstliche Intelligenz vorne mitmischen können. Dazu gehören auch Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Bildung“, sagt Balog.

Link: VUJ

 

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