30. Okt 2014   Business Steuer

Kunst als strategische Anlageklasse: Umsätze von 50 Milliarden Euro am Weltmarkt erzielt

Gernot Schuster ©picco.at / Deloitte
Gernot Schuster ©picco.at / Deloitte

Wien. Kunst wird als Anlageklasse immer stärker aus strategischer Sicht betrachtet: etwa als Element von Diversifizierungsstrategien. Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind die Rekordergebnisse von rund 50 Milliarden Euro, die 2013 auf dem weltweiten Kunstmarkt umgesetzt wurden.

Auch neue Tools und Online-Auktionen spielen dabei eine immer wichtigere Rolle, so der 3. Art & Finance Report von Deloitte und ArtTactic. Den Kunstfonds schlage dagegen ein Mangel an Vertrauen entgegen: Gutbetuchte Investoren vermissen allzuoft Due Diligence, Liquidität, Track Records u.a.

Der Deloitte Art & Finance Report zeige, dass der Anteil der Kunstsammler und -käufer, welche die Objekte zwar aus persönlicher Leidenschaft erwerben, diese aber zunehmend als wertvolle Investition in eine anerkannte Asset-Klasse verstehen, gestiegen ist (76% gegenüber 53 % im Jahr 2012).

„Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass auch der Bedarf an professionellen Beratungsdiensten im Zusammenhang mit dem Erwerb und dem Management von Vermögen in Form von Kunst und Sammlerobjekten steigt“, so Gernot Schuster, Partner und Leader des Bereichs Art & Finance bei Deloitte Österreich, in einer Aussendung. Wie die Deloitte-Studie zeigt, hinterlasse die Globalisierung der Märkte mittlerweile auch auf dem Kunstmarkt immer deutlichere Spuren: Die stärksten Zuwächse verzeichnen der asiatische Raum, der Nahe Osten und Südamerika.

Ein wichtiges Thema

Die Mehrheit der befragten Familienunternehmen und Privatbanken gab an, dass die Vermögensplanung im Zusammenhang mit Kunst- und Sammlerobjekten in den kommenden 12 Monaten einen strategischen Schwerpunkt bilden wird. Dementsprechend werden sich Fragen zu Steuern, Vermögen und Nachfolgeplanung aufdrängen.

Gleichzeitig ist das Vertrauen in die Kunstfondsbranche durchwachsen, heißt es: Die meisten der befragten Kunstfachleute und Kunstsammler rechnen mit einem Wachstum der Kunstfondsbranche in den kommenden zwei bis drei Jahren. Vermögensverwalter seien jedoch nach wie vor sehr zurückhaltend, da Aspekte wie Due Diligence, mangelnde Liquidität, Bewertung, fehlende Track Records und ein nicht regulierter Markt diese Art von Anlageprodukten belasten.

Die Kunstfondsbranche stehe vor der Herausforderung, ihr aktuelles Modell zu überdenken, um die Gründe zu berücksichtigen, aus denen Kunstanleger in erster Linie Kunst kaufen. „Eine erhöhte Transparenz beispielsweise durch einheitliche Bewertungsstandards würde sich positiv auf eine nachhaltige Entwicklung der Branche auswirken“, erläutert Schuster.

Neue Tools und Online-Märkte

Neue Tools und Online-Märkte werden laut den befragten Kunst- und Finanz-Experten  eine immer wichtigere Rolle spielen. Diese Meinung teilen 77 % der Kunstsammler und knapp 70 % der Fachleute. Sie schätzen, dass vor allem Online-Auktionen sich zu einem der erfolgreichsten Geschäftsmodelle entwickeln werden.

Technologie- und Online-Kunstunternehmen besitzen das Potenzial, die Entwicklung der Kunst- und Finanzbranche voranzutreiben. Hauptantriebsfedern sind höhere Liquidität, geringere Transaktionskosten und mehr Transparenz, so Deloitte.

Die Digitalisierung kunstbezogener Daten und innovative Tools und Möglichkeiten, diese zu analysieren, könnten die Bewertungsmethoden und -prozesse künftig deutlich verbessern und im Idealfall sogar standardisieren. Angesichts der reifenden Online-Branche rechnen die Deloitte-Experten auch mit vermehrten M&A-Aktivitäten. Online-Kunstmärkte und Online-Auktionen schießen wie Pilze aus dem Boden, sodass in näherer Zukunft mit einer Konsolidierung zu rechnen sei. Diese könnten der Kunst und dem Corporate Finance Bereich neue Möglichkeiten bieten.

Für den Deloitte Art & Finance Report wurden den Angaben zufolge 35 Privatbanken, 14 Familienunternehmen, 122 Kunstexperten und 90 der wichtigsten Kunstsammler im europäischen Raum, in den USA, im Nahen Osten sowie in Südamerika und in Asien befragt. Für den Teil des Reports, der sich mit der Entwicklung am Kunstmarkt befasst, wurden darüber hinaus 360 qualitative Interviews mit Fachleuten von Auktionshäusern wie Sotheby`s und Christie`s, Kunstgalerien und Vertretern internationaler Kunstsammlungen durchgeführt. Gegenstand des Berichts war eine Analyse der Entwicklung der Branche in den vergangenen 12 Monaten.

Link: Deloitte

 

    Weitere Meldungen:

  1. Valtus Group erwirbt Management Factory: Die Kanzleien
  2. Management Factory geht bei Valtus Gruppe an Bord
  3. Digitale Kunst macht freudiger, aber nicht klüger
  4. Ostermann kauft Powertrain-Bereich von Frauenthal