14. Nov 2014   Bildung & Uni Personalia Recht

Karriere-Chancen für Juristen 2014: Brandl & Talos setzt auf Finanzrecht, Wissenschaft und Akquisitionsstärke

Petra Thurner ©Brandl & Talos
Petra Thurner ©Brandl & Talos

Wien. Chancen bei den Wirtschaftskanzleien als Arbeitgeber für angehende Anwältinnen und Anwälte bzw. Juristinnen und Juristen sind Gegenstand unserer aktuellen Serie: Heute schildert Petra Thurner, HR-Verantwortliche bei Brandl & Talos, ihre Anforderungen.

Nicht überraschend stellt die u.a. auf die Kapitalmärkte, Banken und Versicherer spezialisierte Kanzlei Finanzrechtskenntnisse in den Vordergrund. Doch auch Wirtschaftsstrafrecht ist ein Thema. Generell legt Juristin Thurner den Berufseinsteigern nahe, sich eine Marktlücke zu schaffen: „Expertise allein wird nicht mehr ausreichen.“ 

Recht.Extrajournal.Net: Welche juristischen Spezialisierungen sind aus Ihrer Sicht derzeit am juristischen Arbeitsmarkt, insbesondere bei den Wirtschaftskanzleien, gefragt?

Petra Thurner: Die Nachfrage nach Juristinnen und Juristen im Transaktions- und Gesellschaftsrecht ist seit Jahren ungebrochen. Die Nachwehen der Wirtschaftskrise lassen einen Trend in Richtung Restrukturierung und distressed M&A, also Akquisition eines Unternehmens in der Krise, erkennen. Und schließlich führt die Tendenz der Staatsanwaltschaften und Strafgerichte, wirtschaftliche Fehler beim Betrieb eines Unternehmens zu kriminalisieren und Manager und Aufsichtsorgane strafrechtlich zu verfolgen, zu einem wachsenden Bedarf an Spezialisten.

Insbesondere Experten im Wirtschaftsstrafrecht und – um strafrechtliche Probleme zu vermeiden – im Bereich „Compliance“ sind dafür gefragt. Aber auch der Bedarf an Spezialisten in den Bereichen Banking & Finance, hier insbesondere Bankenaufsichtsrecht, sowie TMT, also Technologie-, Medien und Telekommunikationsrecht, nimmt weiterhin zu.

Welche juristischen Spezialisierungen werden voraussichtlich in den nächsten 5 Jahren, in den nächsten 10 Jahren besonders gefragt sein?

Thurner: Welche Spezialisierungen in 5 bis 10 Jahren besonders benötigt werden, ist schwer vorauszusagen. Für uns ist aber klar, dass sich der Ruf nach Spezialisierungen noch weiter verstärken wird. Für den eigenen Erfolg wird es nicht mehr ausreichen, sich >bloß< Expertise in ausgewählten Rechtsbereichen anzueignen. Vielmehr wird maßgeblich sein, ob es gelingt, sich mit Spezialwissen von anderen abgrenzen zu können und Marktlücken zu finden. Dabei werden sich Juristinnen und Juristen fragen müssen, welche ihre besonderen Stärken sind und in welchen Bereichen sie Know-How anbieten können, das im Idealfall niemand anderer am Markt hat. Im M&A Bereich erwarten wir etwa Spezialisierungen auf bestimmte Branchen oder Märkte.

Wir bei Brandl & Talos haben unsere Marktlücken bereits entdeckt. Im Bank- und Kapitalmarktrecht spielen wir unsere Verhandlungsstärke vor Gericht und Behörden aus, bei Transaktionen punkten wir mit unserer umfassenden Expertise im Leisure & Entertainment Bereich. Unser Know-How im Gesellschaftsrecht kombinieren wir mit der Kompetenz eines der erfahrensten Strafrechtler.

Welche Spezialisierungen sucht Ihre Kanzlei gerade besonders? Welche Eigenschaften müssen Ihre Nachwuchskräfte haben?

Thurner: Wir suchen junge Juristinnen und Juristen mit überdurchschnittlichem Engagement, sehr gutem Studienerfolg und unternehmerischem Denken. Von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwarten wir uns, dass sie sich begeistert, leidenschaftlich und mit Kreativität in die Arbeit stürzen und insbesondere die Bedürfnisse unserer Mandanten verstehen.

Unsere Spezialisten bilden wir sehr gerne selbst aus und bieten jungen Studentinnen und Studenten bereits in den ersten Semestern die Möglichkeit, bei uns mitzuarbeiten. Wir nehmen jedes Jahr engagierte Studierende mit dem Ziel auf, sie langfristig zu entwickeln und nach Abschluss des Studiums als Konzipienten zu behalten. Aus diesem Grund achten wir auch besonders darauf, unsere Studierende nicht mit administrativen Arbeiten oder Botengängen zu beschäftigen, sondern binden sie gezielt in juristische Projekte und Causen mit ein und bieten ihnen somit bereits während des Studiums die Chance auf Spezialisierung. Im Gegenzug erwarten wir von unseren angehenden Juristinnen und Juristen ein wöchentliches Arbeitsausmaß von 20 Stunden, wodurch wir bereits in einem sehr frühen Stadium die Belastbarkeit und die Fähigkeit zur Selbstorganisation bzw Zeitmanagement unserer High Potentials erkennen können. Mit einem geringeren Arbeitsausmaß wäre es aber auch nicht möglich, aktiv an anhängigen Causen mitzuarbeiten.

Eine gewisse Spezialisierung in unseren Schwerpunkten – also vor allem im (öffentlichen und privaten) Kapitalmarktrecht, Transaktions- und Gesellschaftsrecht sowie Wirtschaftsstrafrecht und damit zusammenhängenden Gerichtsverfahren – ist bei erfahrenen Bewerbern natürlich von Vorteil.

Bei unseren Juristinnen und Juristen legen wir großen Wert auf Freude am wissenschaftlichen und eigenständigen Arbeiten, auf rhetorisches Geschick, Belastbarkeit, Durchsetzungsfähigkeit und – nach absolvierter Anwaltsprüfung – auf eine gewisse Akquisitionsstärke. Punkten können Bewerberinnen und Bewerber insbesondere mit unternehmerischem Denken und Engagement.

Wie werben Sie um Nachwuchs, wie wählen Sie unter den Bewerbern aus?

Thurner: Unser Studenten-Ausbildungsprogramm hat sich bewährt. Viele unserer Studierenden steigen gleich nach Abschluss ihres Studiums bei uns als Rechtsanwaltsanwärter ein. Neben unseren fest angestellten Studentinnen und Studenten bieten wir auch jedes Jahr sechswöchige Sommerpraktika an. Auch aus den Reihen unserer ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten haben wir schon einige Rechtsanwaltsanwärter gewonnen.

Durch die hervorragenden Erfahrungen der letzten Jahre ist für uns auch klar, dass wir unseren studentischen Mitarbeitern oder ehemaligen Praktikanten den Vorzug gegenüber anderen Bewerbern geben, weil wir die Arbeitsweisen dieser Personen bereits kennen und wissen, dass sie gut in unser Team passen. Wir >werben< also vor allem durch Ausbildung und Bindung junger Talente und haben das Glück, dass wir nicht sehr oft auf reguläre Recruiting-Kanäle zurückgreifen müssen. Natürlich sind wir jedes Jahr auch auf der Success-Messe am Juridicum mit einem Stand vertreten.

Die juristische Ausbildung ist in den letzten Jahren vielfältiger geworden. Zum klassischen Jusstudium sind Angebote wie das Studium Wirtschaftsrecht der WU hinzugekommen wie auch eine immer größere Anzahl von Postgraduate-Studien. Dazu kommen klassische Wege der Höherqualifizierung, etwa das Doktoratsstudium / PhD. Stellen Sie bei den BewerberInnen, bei Ihren eigenen Mitarbeitern fest dass diese Ausbildungen jetzt stärker verbreitet sind? Welche sind Ihnen dabei wichtig, welche bringen der Kanzlei Vorteile?

Thurner: Wir suchen exzellente Juristinnen und Juristen und jene, die es werden wollen. Ob die juristischen Grundkenntnisse aus dem klassischen rechtswissenschaftlichen oder einem Studium des Wirtschaftsrechts stammen, ist für uns nicht entscheidend. Vielmehr zählen neben der juristischen Kompetenz, die wir voraussetzen, auch das Erkennen von wirtschaftlichen Zusammenhängen und hervorragende Englischkenntnisse. Postgraduate Ausbildungen im Ausland sind besonders wegen der perfektionierten Sprachkenntnisse wertvoll.

Der Großteil unserer Rechtsanwaltsanwärter hat das klassische Jusstudium absolviert, wir haben aber auch schon sehr positive Erfahrungen mit Studenten und Absolventen des Studiums Wirtschaftsrecht an der WU gemacht. Wir haben festgestellt, dass Doktoratsstudien etwas rückläufig sind und auch gerne mit einer Stelle als „Teilzeitkonzipient“ bzw wissenschaftlicher Mitarbeiter kombiniert werden. Aufgrund unserer Leidenschaft zu (wissenschaftlichen) Publikationen sind natürlich auch Erfahrungen in der Lehre sehr interessant.

Wie viele Mitarbeiter hat die Kanzlei derzeit insgesamt, wie viele juristische Mitarbeiter, Anwälte, Partner?

Thurner: Wir haben derzeit insgesamt 54 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 4 Partner, 4 Rechtsanwälte, 19 Rechtsanwaltsanwärter und wissenschaftliche Mitarbeiter sowie 13 studentische Mitarbeiter.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie in den letzten 12 Monaten aufgenommen?

Thurner: 17 Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter (inklusive studentischen und Back Office Mitarbeitern).

Wie viele Mitarbeiter sollen auf Sicht der nächsten 12 Monate aufgenommen werden?

Thurner: Das ist nach derzeitigem Stand schwer zu sagen. Natürlich wollen wir weiter wachsen.

Mag. Petra Thurner ist Juristin und HR-Verantwortliche bei Brandl & Talos Rechtsanwälte GmbH.

Link: Brandl & Talos

 

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