03. Okt 2016   Business Recht Steuer

Zwei Drittel der Unternehmen würden Flüchtlinge einstellen

Wien. Laut einer Deloitte-Umfrage sind 68% der österreichischen Unternehmen bereit zur Anstellung von anerkannten Flüchtlingen, doch nur 1% tun es tatsächlich.

Integration und Diversität sind Hauptmotivation für eine Anstellung; Unklarheiten und rechtliche Unsicherheiten sind die größten Hemmnisse, heißt es weiter.

Die Umfrage im Detail

Im Zeitraum Juli bis August 2016 haben sich demnach 325 Teilnehmer von österreichischen Unternehmen, vorrangig aus dem mittleren und oberen Management, an der Deloitte Umfrage beteiligt.

  • 43% der Befragten planen demnächst anerkannte Flüchtlinge in ihrem Unternehmen anzustellen,
  • 25% würden dies unter anderen Rahmenbedingungen tun.
  • Nur rund 1% beschäftigen Flüchtlinge bereits heute.

Um mehr Unternehmen zu einer Anstellung von Menschen mit Fluchthintergrund zu bewegen, sei die verbesserte und nachweisbare Qualifizierung dieser Personen essenziell. Ausreichend gute Deutschkenntnisse sind für die Befragten wichtigste Voraussetzung für eine mögliche Anstellung.

„Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass ein großer Teil der österreichischen Unternehmer einer Beschäftigung von Flüchtlingen gegenüber positiv eingestellt ist – aber das alleine reicht nicht“, so Gundi Wentner, Partnerin bei Deloitte Österreich. „Die Anstrengungen müssen nun primär auf den Spracherwerb und die Ausbildung von passenden Qualifikationen gelegt werden.“

Unternehmen wollen Integrationsbeitrag leisten

Für 77% der Teilnehmer liege der Hauptgrund für eine mögliche Anstellung eines anerkannten Flüchtlings darin, einen Integrationsbeitrag zu leisten. Auch die größere Vielfalt im Unternehmen werde von mehr als der Hälfte der Befragten als positiver Effekt erachtet. Das Auffinden passender Fachkräfte spiele für die meisten Unternehmen in diesem Zusammenhang eine untergeordnete Rolle.

Die Unternehmer vertreten eine klare Meinung, was es für eine vermehrte Beschäftigung von Menschen mit Fluchthintergrund braucht:

  • Mehr Transparenz in Bezug auf die Qualifikation der Asylberechtigten (58%),
  • klarere und einfachere rechtliche sowie regulatorische Rahmenbedingungen (53%) sowie
  • einfachere Vermittlung von qualifizierten Personen (46%).

„Derzeit gibt es noch viel Unsicherheit, gerade in Bezug auf die rechtlichen Rahmenbedingungen. Wir brauchen schnelle und einfach zugängliche Beratung für die Unternehmen um Bedenken auszuräumen. Fakt ist, dass anerkannte Flüchtlinge völlig freien Zugang zum Arbeitsmarkt haben – das wissen aber viele Unternehmen nicht“, so Wentner.

„Die Ermöglichung von Bildung und die Schaffung konkreter Arbeitsplätze sind der Schlüssel zu einer gelungenen Integration“, so Bernhard Gröhs, Managing Partner von Deloitte Österreich. „Daher haben wir den Deloitte Future Fund gegründet, der gerade auf diese Themen fokussiert.“ Der Fonds sei mit einem Budget von einer Million Euro an direkten Geldmitteln sowie Pro Bono Leistungen von 10.000 Arbeitsstunden auf fünf Jahre ausgestattet.

Link: Deloitte

 

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