Fondsmanager hoffen auf Chinas große Kursänderung

12. Okt 2017   Business Finanz
Emil Wolter ©Comgest

Weichenstellung. Nächste Woche beginnt der 19. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas. Emil Wolter, Portfoliomanager Emerging Markets bei Comgest, sieht den großen Kurswechsel. 

Comgest sieht sich als unabhängiges Fondshaus mit Fokus auf Qualitäts-Wachstumsaktien. Der Parteitag der Kommunisten – er findet nur alle fünf Jahre statt und beginnt am 18. 10. 2017 – beschäftigt Wolter sehr: Er sieht die Grenzen des Wachstums nach bisherigen Muster erreicht – und ist der Ansicht, dass Innovationen die treibende Kraft für das „Neue China“ sein müssen.

Daraus können sich Gelegenheiten für Stockpicker ergeben, die in China investieren möchten, heißt es.

Die Partei spricht zum Volk

Erwartet werde, dass der 19. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas – er ist traditionell die Gelegenheit, bei der die kommunistischen Führungskader die knapp 1,4 Milliarden Einwohner auf den aktuellen Kurs einschwören – einen ökonomischen Wandel hin zum „Neuen China“ unterstützen werde.

In der Vergangenheit habe sich die Wirtschaftstätigkeit, insbesondere das Investitions- und Kreditwachstum, im ersten Jahr nach dem Parteitag in der Regel kräftig beschleunigt. Doch Wolter hofft, dass die politische Führung Chinas dieses Mal anders agieren wird: „Erstens muss der übermäßige Schuldenaufbau in staatseigenen Unternehmen eingeschränkt werden. Zweitens muss die Überkapazität in vielen staatseigenen Unternehmen angegangen werden.“

Aus seiner Sicht sei ein „qualitativ hochwertiges, selbsttragendes und niedrigeres BIP-Wachstum“ gegenüber „administriertem, qualitativ minderwertigem von Investitionen getragenem und stärkerem BIP-Wachstum“ eindeutig zu bevorzugen.

Ein Maßnahmenplan zu strukturellen angebotsseitigen Reformen und Schuldenabbau wäre auch ein willkommenes Zeichen des Vertrauens in das „Neue China“, heißt es – ein China, dass durch stärkere Verbraucher, einen wachsenden Dienstleistungssektor sowie einen innovationsbasierten Produktivitätsanstieg angetrieben wird.

Die Wunschliste umfasst zudem einen anhaltenden Fokus auf Kapitalmarktreformen (die die Gelegenheiten zu Onshore-Aktienanlagen ausweiten würden), und Reformen auf der Angebotsseite zur Reduzierung der Überkapazität in Rohstoff-, Stahl-, Zement- und Papierindustrien, wo die Grenzkapitalrenditen negativ sind.

Eine neue Richtung für das Wachstum

Das investitionsbasierte Wachstumsmodell in China hat seine Grenzen erreicht, meint Wolter: Das Land des roten Drachen müsse jedoch die Produktivität anheizen, um das Wachstum der Mittelklasse zu fördern.

Die Produktivität müsse in Zukunft zunehmend durch Innovationen angetrieben werden. Zur Stimulierung des Wachstums erwarte man anhaltende Investitionen in Bildung sowie staatliche Unterstützung von Forschung und Entwicklung.

Der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt in China habe sich beispielsweise in den letzten zwei Jahrzehnten vervierfacht. Das Land habe auch in jüngster Zeit eine deutlich größere Zahl von Nachwuchsforschern und -technikern hervorgebracht. Auch dadurch seien innovative IT-Unternehmen sowie eine Vielzahl von Innovationen im Industrie- und Konsumsektor entstanden.

„Die Kommunistische Partei muss alles tun, um diesen Innovationsmotor am Laufen zu halten“, appelliert Wolters an die kommunistische Führung: „Hier ergeben sich dann auch attraktive Stock-Picking Potenziale wie Hangzhou Hikvision, den Weltmarktführer für Videoüberwachungsanlagen“, meint er. Insgesamt investiere man derzeit mit dem hauseigenen „Growth Emerging Markets Fonds“in 13 Wachstumsunternehmen in China und Hongkong.

Link: Kommunistische Partei Chinas

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