23. Apr 2020   Finanz

Finanzmärkte: Privatbanker raten zu Geduld

Hermann Wonnebauer ©Zürcher Kantonalbank Österreich

Aktien. Die Coronakrise hat deutliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Die Zürcher Kantionalbank Österreich warnt Anleger aber vor Panikreationen.

Die Coronakrise hat gezeigt, welche Auswirkungen Panik auf die Finanzmärkte haben kann: Aus einer Emotion heraus und angesichts einer in dieser Weise neuen Krisensituation ließen sich manche Anleger aufgrund von Kursabstürzen zu Panikverkäufen und Hauruck-Aktionen verleiten, so die auf Private Banking spezialisierte Zürcher Kantonalbank Österreich.

„Der Grund für die Panik am Kapitalmarkt war Unsicherheit. Im Gegensatz zu früheren Extremsituationen, wie z.B. der Finanzkrise, wird die Unsicherheit im Zuge der Corona-Pandemie dadurch verstärkt, dass jeder Mensch durch Ausgangsverbot, Home-Office oder Kurzarbeit bzw. Entlassung in seinem Lebensalltag direkt davon betroffen ist. Hierzu gab es zuvor noch keinen Präzedenzfall“, so Hermann Wonnebauer, Vorstandsvorsitzender der Zürcher Kantonalbank Österreich.

In der Verunsicherung versuche der Mensch, Sicherheit ins Leben zu bringen und zu reagieren: „Das spiegelt sich etwa im Drücken der Verkaufstaste der Wertpapiere oder in den Hamsterkäufen im Supermarkt wider“, so Wonnebauer.

„Nur eine Momentaufnahme“

Die Wissenschaftsrichtung „Behavioral Finance“ (Verhaltensökonomie) beschäftigt sich mit der Problematik, dass das Anlegerverhalten nicht rein rational ist, sondern durch Emotionen beeinflusst wird. Ein Beispiel, das auch im Zuge der Corona-Pandemie dabei augenscheinlich wird, sei dabei die Asymmetrie zwischen Gewinn- und Verlustverhalten: „Der Schmerz über einen Verlust wiegt schwerer als die Freude über einen Gewinn in gleicher Höhe“, so Wonnebauer.

Verstärkend wirke dann noch der von Forschern beschriebene Herdentrieb, heißt es. Bei starken Kursänderungen sollen Anleger gerne der Masse folgen und verkaufen, weil es viele andere Anleger auch getan haben: „Die Entwicklungen am Aktienmarkt sind jeden Tag rund um die Uhr einsehbar. Der ständige Blick auf die Veränderung des Portfolios verleitet zu voreiligen Schlüssen und übereilten Aktionen. Die Momentaufnahme gibt aber keinen Aufschluss darüber, wie die Aktienkurse in zwei Wochen, sechs Monaten oder zehn Jahren liegen“, so Wonnebauer.

Dieses Prinzip lasse sich auch umdrehen. Immobilienanleger sollen etwa bis jetzt von der Krise nicht viel gespürt haben: „Nur weil man noch keine Auswirkungen spürt oder sieht, heißt das jedoch nicht, dass keine folgen. Einige Konsequenzen, wie zum Beispiel verzögerte Fertigstellungen von Immobilien oder der Ausfall von Geschäfts- bzw. Hotelmieten, könnten diese Anleger erst später treffen“, so Wonnebauer.

„Privaten Anlegern fehlen Informationen“

Wonnebauer betont in diesem Zusammenhang, dass Mitarbeiter im Asset Management und im Private Banking in einer besseren Informationslage über die Geschehnisse seien als der einzelne Anleger: „Gut informierte, private Anleger haben vielleicht oft einen recht guten Gesamtüberblick über den Aktienmarkt, dieser stellt jedoch nur einen Teil der Kapitalmärkte dar.“

Ein gutes Beispiel sei hier der Anleihenmarkt: „Die Spreads sind im Zuge der Coronakrise selbst bei guten Bonds in nahezu illusorische Höhen geschnellt. Das ist im Gegensatz zu häufig volatilen Aktienmärkten ein echtes Zeichen von Unsicherheit und Illiquidität. Anleger aber bekommen dies Wissen beispielsweise nicht gleichermaßen mit wie Bewegungen an den Aktienmärkten“, so Wonnebauer.

Zurück in eine Phase der Vernunft

Die Aufgabe von Private Bankern bestehe in Zeiten wie diesen darin, die Anleger zu beruhigen und sie nach einer ersten Phase der Aufregung zur Vernunft zurückzuführen, so Wonnebauer. „Wir regen die Anleger dazu an, sich zurückzubesinnen und zu hinterfragen, ob sich ihre Meinung über die Vermögenszusammensetzung seit dem Einstieg grundlegend geändert hat. Ist dies nicht der Fall, gibt es keinen Grund, aufgrund von zwischenzeitlichen Schwankungen die Strategie zu ändern. Im Fokus sollte stehen, dass der ausgewählte Vermögensmix auf lange Sicht gute Erträge bringen wird.“

 

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