13. Mai 2020   Business Recht Tech Tools

Kritik an Cybercrime-Versicherungen

Benedikt Seipt ©Seipt&Partner

IT-Polizzen. Versicherungen gegen Internetkriminalität boomen in Österreich – gerade in Homeoffice-Zeiten. Doch oft enthalten die Polizzen Schwachstellen, so das Maklerbüro Seipt & Partner.

Cybercrimeversicherungen, also die Absicherung vor Attacken aus dem Internet, boomen in Österreich. Die Angst scheint berechtigt, stieg doch laut der neuen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts 2019 die Internetkriminalität um 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und derzeit hat die Corona-Krise für einen rasanten Anstieg der Homeoffice-Beschäftigung gesorgt – was umfassende IT-Sicherheit noch mehr in den Blickpunkt rückt.

Das Problem: Beinahe täglich denken sich Hacker neue Bedrohungen aus, die viele Versicherungen dann wiederum als Schlupfloch nützen, um im Schadensfall nicht zahlen zu müssen, kritisiert das Maklerunternehmen Seipt & Partner aus Wien.

Eine Frage der Deckung

„Bei vielen Cyberversicherungsprodukten handelt es sich um Polizzen mit zahnlosen Deckungen. Die Versicherungen finden im Ernstfall häufig einen Ausschlussgrund und zahlen nicht. Wirklich sinnvoll sind vollwertige Crime-Deckungen, die möglichst breit Gefahren abdecken. Das betrifft z.B. auch Vertrauensschäden oder die Mitversicherung der groben Fahrlässigkeit von Mitarbeitern“, so Benedikt Seipt von Seipt & Partner.

Laut der Kriminalstatistik 2019 hat nicht nur die Internetkriminalität stark zugelegt, auch Cybercrime-Delikte im engeren Sinn haben zugenommen. Hier stiegen etwa in Wien die Anzeigen wegen „Betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauchs“ (etwa bei bargeldlosen Zahlungen mittels NFC-Funktion) um + 372,2 % oder wegen Erpressungen um + 23,6 %.

Kommt es in einem sensiblen Unternehmensbereich zu einem Cyberangriff, drohe der Betriebsstillstand, im schlimmsten Fall sogar der Konkurs. „Derzeit findet eine Sensibilisierung in diesem Bereich statt. Datensicherheit muss als Teil des unternehmerischen Risikomanagements gesehen und somit zur Chefsache erklärt werden. Natürlich sollte eine Notwendigkeit einer solchen Absicherung individuell von Fall zu Fall überprüft werden“, so Seipt.

Cyberversicherungen sollen sich nicht nur für große Unternehmen, sondern auch für den typischen Klein- und Mittelbetrieb lohnen: „Oftmals passieren Fehler durch menschliches Versagen. Das typische Argument, man hätte sowieso eine IT-Abteilung, greift hier nicht. Das wäre so, als würde man bei einem Brand den Brandschutzbeauftragten zum Löschen rufen“, so Seipt.

 

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