30. Sep 2021   Business Recht

Opfer-Notruf 0800 112 112 jetzt auch per Chat und Webmail

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Hilfe für Verbrechensopfer. Seit kurzem bietet die Helpline des Bundesministeriums für Justiz auch Online-Beratung an: Webmails und Chatten sind möglich.

Damit erhalte diese zentrale Anlaufstelle für alle Opfer krimineller Handlungen eine zeitgemäße Ergänzung, heißt es dazu vom BMJ. Der Opfer-Notruf 0800 112 112 ist gebührenfrei rund um die Uhr erreichbar. Schon bisher konnte man sich dabei auch auf der Website www.opfer-notruf.at informieren und per Mail Fragen stellen. Ab sofort sind nun sowohl Gespräche via Chats, als auch das Senden von Webmails direkt über die Website möglich.

„Es ist mir ein großes Anliegen, dass Opfern von Straftaten eine Erstberatung zur Verfügung steht, die rasch, leicht verfügbar, und vor allem kostenlos ist. Betroffene sollen ihre Opferrechte kennen und unkompliziert  in Anspruch nehmen können“, so Justizministerin Alma Zadić: „Der Weisse Ring hat sich über mittlerweile 14 Jahre als Partner für den Opfer-Notruf 0800 112 112 bewährt und nun auch diese Erweiterung im Auftrag des Justizministeriums erfolgreich auf den Weg gebracht.“

Niederschwelliges Angebot für alle Betroffenen

Wer von einer Straftat betroffen ist, befindet sich in einer Ausnahmesituation. Im ersten Schock nimmt man vieles nicht wahr, man funktioniert sozusagen einfach und tut, was zu tun ist. Dafür ist der Opfer-Notruf 0800 112 112 da, so das BMJ: Psychosoziale und juristische Berater*innen stehen zur Verfügung. Sie hören zu und helfen dabei, die Geschehnisse einzuordnen. Sie beraten zu Opferrechten und helfen dabei, die nächsten Schritte zu planen.

Freilich telefoniert nicht jeder gerne. Es kann auch sein, dass es leichter ist, die Geschehnisse niederzuschreiben als sie zu erzählen. Oder vielleicht sind auch die Rahmenbedingungen nicht dazu geeignet, ein Telefonat zu führen. Außerdem sind gerade jüngere Menschen eher am Chatten als am Telefonieren interessiert. Um diesen Bedürfnissen entgegenzukommen, sei die Erweiterung des Beratungsangebots um Elemente der Online-Beratung ein wichtiger Entwicklungsschritt.

Das Angebot besteht aus mehreren Bausteinen, aus denen individuell der passende ausgewählt werden kann. So sei es beispielsweise empfehlenswert, juristische Themen entweder telefonisch zu besprechen oder die Beratung per Webmail in Anspruch zu nehmen. Für Chatberatung seien Themen mit umfangreichen Unterlagen dagegen erfahrungsgemäß nicht geeignet. Damit sind auch juristische Themen weniger chat-tauglich.

Wie man das Web-Angebot erreicht

„Ein Klick genügt“, erläutert Geschäftsführerin Natascha Smertnig, Weisser Ring: „Um zur Online-Beratung zu gelangen, öffnet man einfach die Website www.opfer-notruf.at. Bereits auf der Startseite werden die drei möglichen Zugänge zur Online-Beratung angeboten.“

Die Abwicklung über ein webbasiertes System bedeute, dass der Kontakt nicht über persönliche Mail-Adressen läuft, sondern über einen Account, den man sich auf der Website www.opfer-notruf.at selbst einrichtet. Dabei vergibt man als Klient sowohl den Benutzernamen als auch das Passwort selbst. Wenn gewünscht, sei vollkommene Anonymität gewährleistet.

Der so angelegte Account diene als Briefkasten im virtuellen Raum, zu dem nur eine Person Zugang hat. Dieser scheint auch nirgends auf – weder auf dem eigenen Mobil-Telefon noch in den eigenen Mails. Dieser Account kann nun zum Versenden von Webmails (Mailberatung) und zum Buchen geplanter Termine (Chat mit Termin) genutzt werden.

Ganz ohne Account kommt aus, wer die Sofortberatung in Anspruch nimmt. Hier kann man – so ein Berater zur Verfügung steht, mit einem einfachen Mausklick einsteigen und einen Chat beginnen.

Der Opfer-Notruf 0800 112 112 in Zahlen

Der Weisse Ring betreut seit 2007 im Auftrag des Bundesministeriums für Justiz den Opfer-Notruf. Im Jahr 2020 wurde die Nummer laut den Angaben 11.751 Mal gewählt und pro Tag wurden durchschnittlich 26 Gespräche geführt. Davon waren mehr als 40% ausführliche Beratungsgespräche.

Inhaltlich liege der Schwerpunkt der Anliegen bei Delikten gegen Leib und Leben sowie gegen die Freiheit, gefolgt von Delikten gegen fremdes Vermögen. Die Website als niederschwelliges Informationsangebot verzeichnete in diesem Zeitraum 55.825 Seitenaufrufe.

 

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