KWR-Managing Partner Frad im Interview, Teil 2: „Hoffe dass Justizminister Brandstetter zurückkommt“

17. Sep 2014   Business Recht
Thomas Frad ©KWR
Thomas Frad ©KWR

Wien. Die Wirtschaftskanzlei Karasek Wietrzyk Rechtsanwälte (KWR) hält derzeit einen ungewöhnlichen Rekord: Von ihr wechselte Strafrechtsexperte Wolfgang Brandstetter ins Amt des Justizministers. Er ist damit der erste Anwalt (genau genommen Strafverteidiger) in dieser Rolle seit über einem Jahrzehnt.

Thomas Frad, Managing Partner von KWR, spricht in Teil 2 des Interviews mit Recht.Extrajournal.Net über Trends in den Rechtsgebieten, in denen KWR Chancen sieht – und über die Frage, ob Justizminister Brandstetter in die Kanzlei zurückkehren wird.

Recht.Extrajournal.Net: Einige Bereiche des Wirtschaftsrechts sind derzeit für die Anwälte weniger lukrativ als vor der Finanzkrise – beispielsweise das Geschäft mit der Beratung von Unternehmensübernahmen, Mergers & Acquisitions. KWR hat traditionell starke Standbeine u.a. im Immobilienrecht und Wirtschaftsstrafrecht. Federt das bei Ihnen die flaueren Zeiten in anderen Bereichen ab?

Thomas Frad: Da muss man unterscheiden: Es gibt auch im Immobilien- und Bausektor einerseits das Transaktionsgeschäft, also den An- und Verkauf von Unternehmen. Das machen viele. Und andererseits gibt es die Beratung von Bauprojekten, wo gerade wir stark sind. Hier geht es um die Vertragsgestaltung und die Durchsetzung von Ansprüchen. Man darf nicht vergessen dass bei einem Bauprojekt viele Personen und Unternehmen zum ersten Mal – und oft nur dieses eine Mal – aufeinander treffen und zusammen an dem Projekt arbeiten. Ganz klar dass es da zu Kommunikationsproblemen, Streitereien kommen muss. Aus unserer Erfahrung können wir sagen: Es ist manchmal ein Wunder dass am Ende des Tages ein Bauwerk steht.

Was den Markt betrifft: Die großen Infrastrukturmaßnahmen Österreichs vom Schlage eines Wiener Hauptbahnhof u.ä. sind jetzt meist fertiggestellt, von daher ist ebenfalls eine gewisse Beruhigung eingetreten. Generell ist es aber ein stabiles Geschäft für uns.

Derzeit wird in Österreichs Städten verstärkt in Wohnimmobilien investiert. Gleicht das Schwächen beim gewerblichen Projektgeschäft aus, z.B. bei Büro-Neubauten?

Frad: Der allgemeine Wohnbau, gerade auch der soziale Wohnbau schaut sehr auf die Kosten, versucht möglichst zu standardisieren, ist also weniger komplex. Da besteht weniger Beratungsbedarf. Private Bauträger sind für uns im Luxusbereich interessant. Denn dort hat man es mit einer Klientel zu tun, die ganz besonders hohe Erwartungen an die Wohnimmobilie hat. Und die Bauträger, auch wenn sie im Luxusbereich tätig sind, erfüllen diese Erwartungen dann oft nicht. Enttäuschte Erwartungen führen aber zu Konflikten, und damit zu Beratungsbedarf.

Vor eineinhalb Jahren sorgte KWR selbst in der Branche für Aufregung: Kanzlei-Mitgründer und Immobilienexperte Georg Karasek kündigte sein Ausscheiden und den Wechsel zu Wolf Theiss an. Passiert ist es dann doch nicht. Was ist damals geschehen, war das auch ein menschlicher Konflikt?

Frad: Es war eine Diskussion um die Ausrichtung. Früher war KWR von der Tätigkeit her – und auch räumlich durch unseren früheren Kanzleisitz in einem Tower der Donaucity –mit dem Beratungsunternehmen Ernst & Young verbunden. Diese Zusammenarbeit hat sich mit der Zeit immer mehr reduziert. Bei der Trennung, die sich räumlich auch in unserem neuen Büro am Wiener Fleischmarkt manifestiert hat, wollten Karasek und sein Kollege Wolfgang Müller ausscheiden; Karasek tat es letztendlich doch nicht, man hat sich geeinigt. Wolfgang Müller schon.

Wolf Theiss hat damals immerhin die Schaffung eines eigenen Kompetenzzentrums Immobilienrecht angekündigt. Wie sehr spüren Sie nun dieses Kompetenzzentrum am Anwaltsmarkt?

Frad: Es ging wohl vor allem um das Baurecht. Mit dem Eintritt von Wolfgang Müller ist Wolf Theiss für uns erstmals spürbar in diesem Bereich, nämlich der Rechtsbetreuung von Bauunternehmen. Vielleicht nicht so deutlich spürbar wie sie sich das damals erhofft haben. Aber zumindest spürbar.

Ein klassischer Schwerpunkt von KWR ist das Wirtschaftsstrafrecht. Wer leitet diesen Bereich für KWR, seit Ihr Experte Wolfgang Brandstetter zum Justizminister avanciert ist?

Frad: Es ist richtig dass das Wirtschaftsstrafrecht zu unseren Schwerpunkten zählt, aber im Moment bieten wir es nicht aktiv an; der Bereich hängt dafür einfach viel zu stark an der Person des Wolfgang Brandstetter, der jetzt Minister ist.

Minister Brandstetter scheint in der Öffentlichkeit bis jetzt besser anzukommen als viele seiner Amtsvorgänger.

Frad: Das ist auch meine Wahrnehmung. Dass er Experte für Strafrecht ist, hat für ihn als Justizminister sicher Vorteile, denn das ist der Bereich, den die Öffentlichkeit vor allem wahrnimmt. Alle anderen Tätigkeitsfelder dieses Ministeriums, mit ganz wenigen Ausnahmen, interessieren nur uns Juristen und bleiben in der breiten Öffentlichkeit unbeachtet.

Hat Brandstetter eigentlich ein Rückkehrrecht in die Kanzlei für die Zeit nach der Politik?

Das hat er nicht, es wäre auch rechtlich nicht zulässig. Ich hoffe aber, dass er nachher wieder kommt. Das wird letztlich von ihm abhängen. Wir betreiben den Bereich im Moment nicht aktiv, beziehen aber – wenn unsere Klienten verstärkten Beratungsbedarf haben – externe Kollegen wie Otto Dietrich ein; er war in der Vergangenheit bei uns und ein Kollege von Wolfgang Brandstetter.

Link: KWR

 

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlauben Sie Cookies, indem Sie auf OK im Hinweis-Banner klicken.

    Weitere Meldungen:

  1. Digitale Geschäftsmodelle brauchen andere Steuerung
  2. Neuer CEO für Spitz, neuer Novomatic-Vorstand und mehr
  3. Neues Buch: Persönliche Haftung für Chefs
  4. Round Table zu Hybridkapital im Holz-Hochhaus HoHo