Wirtschaftskammer will neues Geld für die KMU

©keinrath.com / WKÖ

Wien. Crowd­fun­ding ist gut und schön, aber es müs­sen noch mehr pra­xis­taug­li­che Alter­na­tiv­mo­del­le für klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men her, hieß es jetzt bei einer WKÖ-Veranstaltung: Geeig­net sei­en Staats­ga­ran­ti­en für Wert­pa­pier­in­vest­ments in Unter­neh­men, mehr Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gun­gen und eine Reform des Akti­en­rechts samt Schaf­fung einer KMU-Börse.

Inves­ti­tio­nen sei­en das Gebot der Stun­de, um das auf­kei­men­de Wirt­schafts­wachs­tum zu nut­zen und die Basis für die Inno­va­tio­nen der Zukunft zu schaf­fen. Doch woher sol­len Unter­neh­men, vor allem klei­ne und mit­tel­gro­ße, das dafür nöti­ge Kapi­tal neh­men? Wel­che Finan­zie­rungs­quel­len gibt es für KMU alter­na­tiv zum Bank­kre­dit, und wie kann Risi­ko­ka­pi­tal­fi­nan­zie­rung vor allem für den Mit­tel­stand attrak­ti­ver wer­den?

Die­se Fra­gen soll­te am Mitt­wo­ch eine Ver­an­stal­tung der Wirt­schafts­kam­mer Öster­reich beleuch­ten. WKÖ-Präsident Chris­to­ph Leitl: „Der Wirt­schafts­stand­ort Öster­reich benö­tigt Inves­ti­ti­ons­stei­ge­run­gen, um damit für zusätz­li­ches Wachs­tum und Beschäf­ti­gung sor­gen. Daher brau­chen wir den Aus­tau­sch zwi­schen Poli­tik und Wirt­schaft, und wir brau­chen gemein­sam mehr Selbst­re­fle­xi­on dar­über, was in unse­rer Finan­zie­rungs­land­schaft zu ver­bes­sern ist. So kön­nen wir zu Lösun­gen fin­den, die unse­ren Unter­neh­men Mut machen zu Inves­ti­tio­nen.“

Denn es gebe zwar eini­ge Initia­ti­ven, wie etwa bei der Crowdfunding-Finanzierung, die dank Staats­se­kre­tär Harald Mah­rer gelun­gen sei. „Doch für unse­ren brei­ten Mit­tel­stand gibt es in Sachen Finan­zie­rungs­al­ter­na­ti­ven noch viel zu wenig Ermu­ti­gen­des“, so Leitl.

Ein Veteran kommt zu Wort

„In Öster­reich hat es bis­her kaum eine hin­rei­chen­de Kapi­tal­markt­po­li­tik für den Mit­tel­stand gege­ben, eine Erwei­te­rung der Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten ist drin­gend not­wen­dig“, beton­te Josef Taus, Mit­be­grün­der und Vor­stand der MTB Betei­li­gun­gen AG sowie lang­jäh­ri­ger Finanz- und Polit­pro­fi: Er hat laut Wirt­schafts­kam­mer den Anstoß für die Ver­an­stal­tung gege­ben.

Um mit­tel­fris­tig einen Kapi­tal­markt in Öster­reich auf­zu­bau­en, gebe es meh­re­re mög­li­che Vari­an­ten, erläu­ter­te Taus:

  • Eine wäre es etwa, Pri­vat­per­so­nen mit ihrem Spar­ka­pi­tal den Kauf von Wert- und Betei­li­gungs­pa­pie­ren von Unter­neh­men zu ermög­li­chen.  Dafür könn­te eine staat­li­che Garan­tie in Höhe von bis zu 50.000 Euro und 30 Pro­zent gewährt wer­den.
  • Eine wei­te­re Vari­an­te wäre die Mög­lich­keit zur Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung. Taus: „Die Beleg­schaft soll­te Betei­li­gun­gen an der eige­nen Fir­ma erwer­ben kön­nen, wo dies mög­li­ch ist“.
  • Auch eine Neu­aus­rich­tung des öster­rei­chi­schen Akti­en­rech­tes sei not­wen­dig, so der Exper­te. „Vie­le Wege und Lösun­gen sind mög­li­ch, es muss nur gesche­hen.“

Kapitalmarktkultur schaffen im nationalen Schulterschluss?

Mög­lich­kei­ten, die nach Ansicht von Staats­se­kre­tär Mah­rer in die rich­ti­ge Rich­tung gehen: „Die­se Vor­schlä­ge zei­gen, wo wir hin­müs­sen: Wir müs­sen mit­tel­fris­tig die Per­spek­ti­ven für eine bes­se­re Kapi­tal­markt­kul­tur und alter­na­ti­ve Finan­zie­rungs­for­men eta­blie­ren. Es braucht einen natio­na­len Schul­ter­schluss zur Schaf­fung einer brei­ten, soli­den Finan­zie­rungs­struk­tur zur Finan­zie­rung des Inno­va­ti­ons­stand­or­tes Öster­reich.“

Öster­reich kön­ne als klei­ne Volks­wirt­schaft nur durch Inno­va­tio­nen im glo­ba­len Wett­be­werb reüs­sie­ren. Mah­rer: „Wenn wir unse­re Stand­ort­at­trak­ti­vi­tät erhal­ten wol­len, müs­sen wir die Finan­zie­rung für unse­re Unter­neh­men sicher­stel­len und lang­fris­tig Maß­nah­me set­zen, um unter die Inno­va­ti­ons­füh­rer zu kom­men. Im Mit­tel­feld wer­den wir nicht erfolg­reich sein“.

Wün­schens­wert sei für ihn auch die Rea­li­sie­rung einer KMU-Börse in Öster­reich – in wel­cher kon­kre­ten Form, sei noch offen. „Damit schaf­fen wir nicht nur eine neue Finan­zie­rungs­kul­tur, son­dern öff­nen auch für den Mit­tel­stand die Türen für Mit­ei­gen­tum an unse­ren Unter­neh­men.“

Link: WKÖ

 

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