Finanzinvestor ortet versteckte Genialität bei Trump

09. Mrz 2018   Business Finanz

Showman. Trumps Säbelrasseln in Sachen Handelskrieg zwischen den USA und EU zeigt eine Hidden Agenda, meint Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich.

Es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird – so kommentiert Thoma den drohenden Handelskrieg, bei dem die USA bekanntlich Strafzölle von 10 bis 20 Prozent auf Stahl und / oder Aluminium einheben wollen – in eklatantem Verstoß gegen die Welthandelsregeln der WTO, wie ihre europäischen Handelspartner meinen.

Ein Genie des (Er-)Schreckens?

„Donald Trump hat ein großes Talent darin, die Weltgemeinschaft mit Vorschlägen beziehungsweise Vorhaben aufzuschrecken. Ob Nordkorea-Konflikt, Mauerbau an der Grenze zu Mexiko oder nun die Einführung von Strafzöllen mit einem drohenden Handelskrieg: die mediale Aufmerksamkeit ist stets enorm und sorgt für Diskussionsstoff“, so fasst Thoma zunächst den Stand der öffentlichen Diskussion zusammen.

Um dann in eine radikal andere Richtung abzubiegen: „Es können sich daraus aber interessanterweise auch erstaunlich positive Folgen ergeben wie beispielsweise die bis vor Kurzem undenkbaren Gespräche zwischen Nord- und Südkorea. Das Gepolter hat System.“

Für die Finanzmärkte sei der drohende Handelskrieg ein zumindest beachtenswerter Faktor. „Eine Eskalation der Situation wäre destabilisierend und würde Unsicherheit in die Märkte bringen. Sicherlich gibt es bestimmte Bereiche, bei denen Ungleichgewichte bestehen und höhere Zölle aus US-Sicht angebracht sind. Doch dies legitimiert die Trump-Administration selbstverständlich nicht, in Bereichen, bei denen kein Grund für Strafzölle besteht, eben jene einzuführen. Entsprechend groß ist der Gegenwind in den USA und in der Europäischen Union“, so Thoma.

Vergeltungsmaßnahmen der EU wären dann sicher und aus dem drohenden Handelskrieg würde Realität. „Doch so weit wird es aus unserer Sicht nicht kommen. Die Einführung berechtigter Zölle dürfte am Ende akzeptiert werden und würde auch keine Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen bezeichnen wir in diesem Fall als sehr gering und das globale Wachstum dürfte dadurch nicht gebremst werden“, meint der Chief Investment Officer (CIO) des Schweizer Geldhauses Fisch.

Oder doch nicht?

Generell beeinflussen politische Ereignisse die Finanzmärkte nicht langfristig. Die Erfahrung zeige, dass nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird, argumentiert Thoma: „Auch schon US-Präsident George W. Bush wollte 2002 Strafzölle einführen und ruderte zurück, als die EU mit Gegenmaßnahmen drohte. Wir sehen in Trumps Aussagen vielmehr ein kalkuliertes Vorgehen, welches seinem Wesen entspricht, und weniger eine nachhaltige Bedrohung für Wirtschaft und Finanzmärkte. Auch die internen Differenzen, wie beispielsweise der Rücktritt von Wirtschaftsberater Gary Cohn, zeigen, dass wenig Einigkeit beim Thema Strafzölle besteht.“

Der Hinweis auf die internen Streitigkeiten in Trumps Team spricht allerdings, so werden Kritiker von Thomas Argumentation anführen, eher gegen eine These des zugrundeliegenden Trumpschen Masterplans. Es sei denn, die tägliche Reality Show aus dem Weißen Haus dient ebenfalls dem übergeordneten Zweck: Panik verbreiten.

Link: Fisch Asset Management

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