31. Okt 2019   Finanz Steuer

Das Kontrastprogramm zum Weltspartag

Sujet Prozent Credit ejn 300x200
©ejn

Finanzen. Am 31. Oktober ist Weltspartag. Angesichts von Nullzinsen gibt es für Banken und Sparer wenig zu feiern. Börse, Durchblicker.at und andere Institutionen bieten ein Kontrastprogramm.

Am 31. Oktober 2019 findet wieder der Weltspartag statt, der 1924 ins Leben gerufen wurde. Laut Nationalbank (OeNB) sind in Österreich rund 291 Milliarden Euro als Bankeinlage oder Bargeld auf diversen (Spar-)Konten geparkt – rund 40% des österreichischen Privatvermögens.

Angesichts der aktuellen Zinssituation werfen sie kaum Erträge ab, die Inflation reduziert unterm Strich sogar jedes Jahr den Wert der geparkten Gelder. Daher hat der Weltspartag heutzutage hauptsächlich pädagogischen Effekt, hieß es jetzt bei der Präsentation einer Analyse von Hypo NOE und Economica.

„Der Weltspartag hat einen hohen pädagogischen Aspekt, der oft vergessen wird“, so Niederösterreichs Finanzlandesrat Ludwig Schleritzko: „Gerade in Zeiten, wo man mit einem Klick online seine Bestellung abgeben kann, ist es wichtig, dass wir unseren Kindern beibringen was es bedeutet, auf etwas hinzusparen.“

Ein Kontrast zu den Banken

Zahlreiche Institutionen setzen heuer freilich auf ein bewusstes Kontrastprogramm zum Weltspartag. So skizziert Christoph Boschan, Vorstandsvorsitzender der Wiener Börse, wie Anleger sich angesichts niedriger Zinsen am Sparbuch an den Aktienmarkt herantasten können: „Auf der Reise vom Sparer zum Investor, müssen Anleger vier Wegweiser konsequent beachten.“ Diese sind laut dem Börse-Chef:

  • An das langfristige Ziel denken.
  • Nicht alles auf einmal investieren, sondern schrittweise ein- und
    aussteigen.
  • Risiko streuen, indem man nicht alles auf ein Pferd setzt.
  • Nur kaufen was man versteht, oder sich erklären lassen kann. „Also nicht auf ‚den heißen Tipp‘ warten“, so Boschan.

Österreichische Aktien als Dividendenkaiser

Die Dividende – also die Gewinnausschüttung eines Unternehmens an seine Aktionäre – leistet dabei einen wichtigen Beitrag zur Performance. Inklusive Dividenden liefert der österreichische Leitindex ATX seit seinem Bestehen eine Performance von +487,04 % (ATX Total Return), ohne Dividenden sind es +201,06 % (ATX), so die Börse.

Österreichische Unternehmen zählen laut dem Börse-Chef europaweit zu den verlässlichsten Dividendenzahlern: Noch nie haben ATX-Unternehmen mehr Gewinne in Form von Dividenden ausgeschüttet als im Jahr 2019, nämlich 3,2 Mrd. Euro (für das vergangene Geschäftsjahr).

Alle 20 Unternehmen des Leitindex zahlten in den beiden Vorjahren eine Dividende aus. Mit einer Dividendenrendite von 3,8 % reihe sich der österreichische Markt im europäischen Spitzenfeld ein.

Bei einem Anlagehorizont von Jahrzehnten entfalte sich außerdem die exponentielle Kraft des Zinseszinses. „Wer an technischen Fortschritt und die Weiterentwicklung der Menschheit glaubt, der sollte sich nicht nur als Konsument am Wirtschaftsleben beteiligen, sondern auch als Investor“, so Boschan: „Es ist an der Zeit, den Weltspartag durch einen Weltinvestitionstag abzulösen.“

Boschan fordert nun „ideologisch neutral organisierte Finanzbildung“ sowie steuerliche Anreize. So wird Eigentum an österreichischen Unternehmen in Form von Aktien aktuell mit 27,5% besteuert, Spareinlagen dagegen nur mit 25%. Wird Gold länger als ein Jahr gehalten und dabei Gewinn erzielt, ist dieser steuerfrei.

Die Wiener Börse setze sich für die Gleichbehandlung von Kapitalerträgen, allen voran für die Wiedereinführung der Befreiung von der Wertpapier-Kapitalertragssteuer bei einer Behaltefrist von über einem Jahr, ein.

„Die Österreicher haben ohnehin kein Geld“

Amüsant anders ist die Argumentationslinie, die das Vergleichsportal Durchblicker.at eingeschlagen hat. Demnach trübt gar nicht die Zinsflaute die Sparfreude der Österreicherinnen und Österreicher am diesjährigen Weltspartag – vielmehr kommen sie gar nicht dazu, etwas anzulegen, ob verzinst oder nicht. Das scheint jedenfalls für die User von Durchblicker.at zu gelten.

Laut einer Erhebung, die das Portal angestellt hat, fließen auf ihre Girokonten im Durchschnitt aktuell gerade einmal jeweils 1.523 Euro im Monat. Nur knapp zehn Prozent der Kontoinhaber gehen davon aus, dass sie am Monatsende noch Geld auf dem Konto haben, ergab die Auswertung von rund 90.000 Vergleichsdaten der vergangenen zwölf Monate.

Die meisten Nutzer des Vergleichsportals gehen bei der Suche nach einem passenden Girokonto davon aus, dass ihr Konto zu Monatsende bei plus/minus null zu liegen kommt. Nur 9,9 Prozent rechnen mit einem Guthaben. Gleichzeitig gehen aber auch die wenigsten davon aus, dass sie ihr Konto überziehen.

„Da wäre bei der richtigen Konto-Wahl mehr Realismus angebracht. Denn laut Daten der Nationalbank haben aktuell 20,6 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher unbesicherte Kredite am Laufen – und das sind größtenteils überzogene Konten“, meint Reinhold Baudisch, Geschäftsführer von durchblicker.at.

Fallen bei Fonds?

Zurück zu jenen ÖsterreicherInnen, die Geld auf der hohen Kante haben: Wie erwähnt führen niedrig verzinste Sparkonten in Verbindung mit der Inflation zu einem realen Wertverlust: Nach sieben Jahren macht dieser rund ein Zehntel aus (wenn eine Inflationsrate von 1,5 Prozent zugrunde gelegt wird), so die ING-Bank. Sie stellt fest, dass viele Anleger deshalb aktuell zu Investmentfonds greifen – doch seien dabei die Gebühren zu beachten, die häufig beträchtlich sind.

Tatsächlich hat Fondssparen nichts mit dem Sparbuch zu tun, macht auch die AK aufmerksam: Es werden dabei schließlich Anteile von Kapitalanlagefonds (Investmentfonds) veranlagt. Dafür fallen im Regelfall Kauf-(Ausgabeaufschlag) und Depotführungsspesen an.

Die Kosten für Depot und Verrechnungskonto eines Investmentfondsplan – unter der Annahme eines Einmalerlag von 3.000 Euro und elf Einzahlungen von 50 Euro – können im ersten Jahr bis 107 Euro betragen, so die AK. Dazu komme, dass es eine gleichrangige Sicherheit wie bei einer Spareinlage – Stichwort Einlagensicherung – bei Investmentfonds nicht gibt.

Aktuelle Zinsen bei Sparbüchern

Freilich sind auch Sparbücher und Sparcards häufig mit diversen Gebühren versehen. Kontoführung, Kartengebühr (Sparcard) sowie Buchungsgebühren können den Zinsertrag zur Gänze auffressen, so die Arbeiter-Kämmerer.

Zudem verrechnen einzelne Banken Schließungsspesen bei Sparbüchern. Und: Bei Sparbüchern mit Bindungsfrist könne die vorzeitige Auflösung teuer kommen. In diesem Fall werden Vorschusszinsen von einem Promille pro Monat der nicht eingehaltenen Bindungsdauer vom Zinsertrag abgezogen.

Laut einem Markttest der AK bei 33 Banken betragen die Zinsen für Kapitalsparbücher derzeit übrigens – bei zwölf Monaten Bindung – durchschnittlich 0,2 Prozent. Auf 36 Monate gibt es 0,5 Prozent und auf 60 Monate 0,7 Prozent.

Interessant ist natürlich auch der Blick auf die besten und ungünstigsten Werte: Demnach betragen die Zinsen für Kapitalsparbücher:

  • auf zwölf Monate zwischen 0,05 bis 0,8 Prozent,
  • für 36 Monate zwischen 0,125 bis 1 Prozent,
  • für 60 Monate zwischen 0,2 bis 1,01 Prozent.

„Wer sein Geld auf einem Kapitalsparbuch bindet und höhere Zinsen will, muss genau hinschauen“, so AK Konsumentenschützer Christian Prantner. Er empfiehlt SparerInnen, zuerst einmal allfällige Kredite zu tilgen: Der Zinsertrag eines Sparbuchs bringe deutlich weniger als die Zinsersparnis durch eine Sondertilgung am Kreditkonto.

 

    Weitere Meldungen:

  1. Regenzauber in Frankfurt: Wann die EZB die Zinsen erhöht
  2. Erste-Studie: Frauen sparen 2017 mehr als Männer
  3. Inflation steigt auf 2%, Zinsen auf Spareinlagen bei 0,90%