11. Jul 2020   Business Motor

E-Autos werden günstiger: Preissenkungen von Tesla bis SEAT

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Tesla Model S ©Tesla

Stromer-Preistrends. Elektroauto-Pionier Tesla macht seine Modelle günstiger, Renault zieht mit dem Zoe nach. Und der SEAT Mii electric kommt jetzt zum Preis von nur 14.090 Euro auf den Markt.

Noch vor Kurzem waren Elektroautos im Vergleich zu herkömmlichen Verbrennern deutlich teurer. Die Zahl der Modelle war relativ gering, viele zielten von vornherein auf das Premium-Segment ab – allen voran natürlich Elektroauto-Pionier Tesla. Auch Kleinwagen wie der BMW i3 kosteten nicht wenig: Elektromobilität musste ihren Käufern eben etwas wert sein.

Doch jetzt kommen immer mehr sowohl alltagstaugliche wie auch spürbar günstigere Modelle von großen Playern wie dem VW-Konzern auf den Markt. Auch eine wachsende Anzahl von Hybriden ermöglicht den Einstieg in die Elektromobilität – und die Preise sind ganz eindeutig in Bewegung gekommen.

Tesla leitet den Frühling der E-Autos ein

Den Startschuss gab Tesla Ende Mai mit einer deutlichen Preissenkung: Wie für den Hersteller typisch geschah das ohne große Ankündigung, sozusagen über Nacht. Konkret wurde das Einstiegsmodell Model 3 in den USA um 2.000 Dollar auf 37.990 Dollar herabgesetzt. Die teureren Model S und Model X gibt es jetzt sogar um 5.000 Dollar günstiger. Auch auf der anderen Seite des Atlantik drehte Tesla an der Preisschraube: Das Model S kostete über Nacht in Österreich 82.990 statt 88.990 Euro, das Model X wurde ebenfalls deutlich reduziert.

Bloß beim Model 3, das für den Massenmarkt konzipiert ist, blieb es zunächst bei einem Österreich-Preis von 46.700 Euro. Mittlerweile beginnt das Model 3 auf der Tesla Österreich-Website aber bereits bei 46.100 Euro. Es lohnt sich also durchaus, gelegentlich einen Blick auf die Online-Präsenz des US-Autoherstellers zu werfen.

Bei Kleinwagen geht es noch deutlich günstiger als bei Tesla – mit fallender Tendenz. So ist der neue Opel Corsa-e in Österreich ab einem Listenpreis von 29.990 Euro erhältlich: Mit 136 PS und 337 km Reichweite laut WLTP ist er ein „Stadtstromer mit Bestseller-Potenzial“, so ein Test der Neuen Zürcher Zeitung. Ab 32.600 Euro (inklusive Eintauschbonus) gibt es den Konzernbruder Peugeot e-208 mit ebenfalls 136 PS und einer Reichweite von 339 km nach WLTP.

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Renault Zoe ©Renault

Auch der Champion unter den Kleinst-Stromern, der Renault Zoe, ist jetzt günstiger zu haben: Der jüngst erneuerte Zoe starte nach Abzug von „8.000 Euro brutto Renault Elektrobonus“ ab sofort bei 14.390 Euro, wozu allerdings noch eine Batteriemiete kommt. Dafür biete Österreichs meistverkauftes Elektroauto bis zu 395 Kilometer Reichweite nach WLTP, ein flexibles Ladesystem und die Multimedia-Fähigkeiten seiner „Easy Link“ Kommandozentrale.

Förderung für Elektroautos wird deutlich erhöht

Jüngster Anreiz für günstigere Stromer-Preise ist die Erhöhung der E-Auto-Prämie („E-Mobilitätsbonus“): In Österreich gibt es seit 1. Juli 5.000 Euro Förderung, bisher waren es 3.000 Euro. Wichtig: Nur der Kauf eines Elektro-Pkw mit reinem Elektroantrieb (oder eines Brennstoffzellenfahrzeuges) wird mit 5.000 Euro gefördert. Plug-in-Hybride und Range Extender mit vollelektrischer Reichweite von mindestens 50 Kilometern erhalten lediglich 2.500 Euro.

Die neue Prämie teilt sich 3 zu 2 zwischen Bund und Autohändlern auf – daher ist bei aktuellen Preisen immer darauf zu achten, ob der jeweilige Händler den Preis schon abzüglich oder noch ohne Prämie meint. Auch für die nötige Infrastruktur gibt es mehr Zuschuss: Die Einrichtung einer Heimladestation wird jetzt mit 600 statt 200 Euro gefördert, in Mehrparteienhäusern gibt es sogar 1.800 statt bisher 600 Euro.

Von der attraktiveren Förderlandschaft profitieren auch Käufer von Modellen, die sich dem Preistrend bis jetzt noch nicht geöffnet haben: BMW verlangt bei seinem Strom-Kleinwagen i3 weiterhin stolze 40.550 Euro aufwärts. Und auch den Audi e-tron gibt es in der „Business“ Version erst ab 59.990 Euro für das kleinste Modell.

Ein Besuch beim Händler und etwas Verhandlungsgeschick könnten sich aber lohnen. Denn der VW-Konzern ist im Großen und Ganzen gewissen Vergünstigungen bei Stromern nicht abgeneigt. Das zeigt sehr deutlich der neue Auftritt von SEAT.

SEAT bringt den Mii electric zum Kampfpreis

Der SEAT Mii electric, ein Stromer-Kleinwagen und das erste elektrische Fahrzeug der spanischen VW-Konzerntochter, war innerhalb kurzer Zeit in Österreich ausverkauft, so SEAT: Aufgrund der weiterhin hohen Nachfrage und der erhöhten E-Mobilitätsförderung bekomme SEAT Österreich nun ein Zusatzkontingent von 500 Stück, die im Spätherbst 2020 eintreffen sollen.

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SEAT Mii electric ©SEAT

Wolfgang Wurm, Geschäftsführer Porsche Austria und verantwortlich für die Marke SEAT: „Wir haben gezeigt, dass wir in Österreich mit der ÖBB-Kooperation und der damit innovativen Verbindung von Individual- und öffentlichem Verkehr die richtige Richtung eingeschlagen haben. Für diesen Mut und den 3. Platz im Markenranking, den wir inzwischen 18 Monate innehaben, werden wir und unsere SEAT Partner in Österreich jetzt mit einem Zusatzkontingent von 500 SEAT Mii electric belohnt.“

Der Mii electric hat einen 61 kW (83 PS) starken Elektromotor mit 1-Gang-Getriebe (Drehmoment 212 Nm). Der 32,3-kWh-Lithium-Ionen-Akku bietet eine Reichweite von 259 Kilometern, die sich im reinen Stadtverkehr auf bis zu 358 Kilometer mit einer einzigen Ladung erhöhen soll. An einer DC-Schnellladestation mit 40 kW Ladeleistung lasse sich die Batterie in einer Stunde auf 80 Prozent aufladen. Bei Anschluss an eine Wallbox mit Dreiphasenwechselstrom und einer Ladeleistung von 7,2 kW soll die Ladedauer etwa vier Stunden betragen.

Durch die von 1. Juli bis 31. Dezember 2020 befristete Erhöhung der E-Auto-Prämie können in diesem Zeitraum 3.000 Euro statt bisher 1.500 Euro je Elektro-Pkw beantragt werden, heißt es weiter (Voraussetzung ist der Bezug von 100 % Strom aus erneuerbaren Energieträgern).

  • Abzüglich der staatlichen Fördersumme und des SEAT E-Mobilitätsbonus in Höhe von 2.400 Euro sowie der möglichen Porsche Bank Boni (1.000 Euro Finanzierungsbonus, 500 Euro Versicherungsbonus und 500 Euro Servicebonus) sei der SEAT Mii electric bereits ab 14.090 Euro in Österreich erhältlich – der Listenpreis beträgt 21.490 Euro.
  • Im Operating Leasing verlangt SEAT für den Mini-Stromer aus Spanien ab 249 Euro monatlich (5 Jahre Laufzeit, kein Restwert).

Außerdem hat sich der VW-Konzern noch ein weiteres Zuckerl überlegt: Im Rahmen einer Kooperation mit den ÖBB gibt es zum SEAT Mii electric eine ÖBB Österreichcard Classic für ein Jahr im Wert von knapp 1.900 Euro gratis dazu. Sie ermöglicht die Fahrt mit fast allen ÖBB-Zügen innerhalb Österreichs, außerdem mit einigen Privatbahnen und den ÖBB-Intercitybussen.

Was bei Elektroautos noch besser werden muss

Als Preisschlacht lassen sich die aktuellen Ereignisse am Markt für Elektroautos zwar noch nicht bezeichnen, aber der Trend zeigt doch eindeutig nach unten. Die bisher eher hochpreisigen Stromer scheinen sukzessive in erschwinglichere Preisklassen zu fahren, und dabei sind langerwartete Modelle wie der neue VW ID.3 noch gar nicht gestartet (erscheint im Herbst).

Für den weiteren Erfolg der Elektromobilität sind diese Ereignisse an der Preisfront ein wichtiger Faktor. Der ÖAMTC sieht freilich auch noch weitere Ansatzpunkte: Man begrüße die Erhöhung der Förderung, die mehr Elektroautos auf Österreichs Straßen bringen soll, so Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung: Eine Ankaufsförderung und der Ausbau des Ladenetzes seien aber nur „ein Teil der Erfolgsfaktoren für E-Mobilität.“

Darüber hinaus muss die Regierung laut ÖAMTC noch einige Hürden abbauen, um eine breite Akzeptanz zu erreichen:

  • Ladetarife. Für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit ist es laut ÖAMTC notwendig, dass die Abrechnung an den Ladesäulen nach Kilowattstunden erfolgt – und nicht nach der Dauer, in der das Auto mit der Ladestation verbunden ist. Etwaige Kosten für das Parken an Ladestellen müssen getrennt vom Ladetarif verrechnet werden.
  • Erleichterung der Installation von privaten Ladestationen. Derzeit ist z. B. der Einbau von Wallboxen in Mehrparteienhäusern mit erheblichen bürokratischen Hürden verbunden oder könne durch einzelne Wohnungseigentümer verhindert werden.
  • Schaffung eines offiziellen Vergleichsportals. Vorbild für eine solche möglichst verlässliche Quelle für den Vergleich von Tarifen und Verträgen könnte der Tarifkalkulator der E-Control beim Haushaltsstrom sein, so der ÖAMTC.

 

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