21. Okt 2022   Business Politik Recht Steuer

Konjunktur: Die Stimmung hat sich eingetrübt

Harald Breit ©Deloitte / feelimage

Neue Umfrage. Laut einer Studie von Deloitte rechnen Österreichs Unternehmen mit einem gesamtwirtschaftlichen Abschwung: Energiekrise, Teuerungen und Arbeitskräftemangel sind die Hauptsorgen der Beschäftigten. Im Management herrscht vorläufig noch mehr Optimismus.

Die Stimmung in der österreichischen Wirtschaft ist deutlich getrübt, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte. Während vor rund einem Jahr noch 86 % der Befragten die Stimmung innerhalb des Managements positiv einschätzten, ist das aktuell nur mehr bei 42 % der Fall. Damit ist die Führungsebene noch relativ gut gestimmt: In der Belegschaft nimmt hingegen lediglich ein Viertel der befragten Führungskräfte eine positive Stimmung wahr, so die Studie.

„Inflation und geopolitische Spannungen gehen nicht spurlos an den Unternehmen vorbei. Das zeigt sich auch beim Blick in die Zukunft. Acht von zehn Betrieben rechnen in den kommenden Monaten mit einem gesamtwirtschaftlichen Abschwung. Aber kein Wunder: Nahezu jedes Unternehmen ist derzeit von den Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine betroffen“, so Harald Breit, CEO von Deloitte Österreich.

Kriegsfolgen treffen Österreichs Wirtschaft

Vor allem die unmittelbaren Folgen des Krieges in der Ukraine machen den Betrieben zu schaffen:

  • Für die Mehrheit der Befragten gestalten sich die Teuerungen in Form steigender Inflationsraten (91 %) und
  • die gesamtwirtschaftliche Entwicklung (89 %) als besonders herausfordernd.
  • Die Verfügbarkeit und Kosten von Energie (80 %) sowie
  • zunehmende Lieferkettenprobleme (58 %) sorgen ebenfalls für Kopfzerbrechen.

„Die Prioritäten der Führungskräfte haben sich in den vergangenen Monaten deutlich verschoben. Während beispielsweise Energiesparen auch aus Kostengründen jetzt eine klare Top-Priorität für das Management ist, sind bisherige Top-Themen und Motive wie Digitalisierung und Klimawandel tendenziell in den Hintergrund gerückt. Auch die COVID-19-Pandemie ist nur mehr für 16 % eine größere Herausforderung“, so Breit.

Energiekrise und Arbeitskräftemangel

Laut 72 % der befragten Manager beeinflussen die hohen Energiepreise die aktuelle Geschäftsentwicklung stark. Viele Betriebe sollen auf den Kosten sitzen bleiben:

  • 21 % können die Preissteigerungen laut Umfrage nicht an die Konsumenten weitergeben,
  • bei 54 % sei eine Weitergabe nur zu einem kleinen Teil möglich.

Mit einem zeitnahen Ende der Energiekrise rechnen aktuell wenige der Befragten: Die Hälfte stellt sich auf größere Energieengpässen in den kommenden Monaten ein, fast drei Viertel setzen besondere Maßnahmen hinsichtlich Energiesparen. „Was es jetzt braucht sind langfristige Lösungen seitens der Politik, sowohl national wie auch auf EU-Ebene. Ein neues System zur Energiepreisfindung sowie gezielte Förderungen ohne Gießkannenprinzip könnten die Unternehmen spürbar entlasten“, so Breit.

Ein Thema, das weiterhin ganz oben auf der Agenda der Befragten steht, ist die Lage am Arbeitsmarkt. Ganze 71 % der Betriebe sind von einem Arbeitskräftemangel betroffen, in praktisch allen relevanten Unternehmensbereichen herrscht Personalbedarf. Um die Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen, setzen die Führungskräfte vor allem auf Maßnahmen im Bereich Arbeitszeitflexibilisierung (77 %) sowie auf ein gutes Arbeitsklima (63 %). Mit zusätzlichen Boni oder Gutscheinen versuchen die Unternehmen außerdem den Teuerungen entgegenzuwirken. Des Weiteren plant fast ein Drittel laut eigenen Angaben über den Kollektivvertrag hinausgehende Gehaltserhöhungen.

Abfedern der Krisen hat Priorität

Trotz aller Herausforderungen zeigen sich die Führungskräfte laut Deloitte pragmatisch und reagieren mit einer Anpassung ihrer Geschäftsstrategien. Laut Umfrage konzentrieren sich zwei Drittel derzeit vor allem auf das Abfedern der negativen Auswirkungen aktueller Krisen. Das Finden geeigneter Mitarbeiter steht für jedes zweite Unternehmen im Fokus. Strategische Hebel wie Innovation und Zukunftsinvestitionen verlieren angesichts der aktuellen Situation an Bedeutung.

„Die heimischen Betriebe schlagen sich bemerkenswert. Trotz der angespannten Situation darf es aber nicht nur um Schadensbegrenzung gehen, die Unternehmen müssen schon jetzt Vorkehrungen für die Zeit nach der Krise treffen. Innovationsthemen und die Stimmung in der Belegschaft sind dabei zentral und dürfen daher keinesfalls aus den Augen verloren werden“, so Breit.

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