27. Apr 2018   Business Recht Steuer Tech

LexisNexis hat es auf die Steuerberater abgesehen

Alberto Sanz De Lama Credit leadersnet Felten
Alberto Sanz De Lama ©leadersnet / Felten

Wien. Fachverlagsriese LexisNexis hat 2017 die neue Rechtsdatenbank Lexis360 gestartet. Heuer geht die Österreich-Offensive bei den Steuerberatern weiter, „Tax“ startet demnächst, so Österreich-Chef Alberto Sanz de Lama im Interview. Update: Preview zeigt Tax-Produkt.

LexisNexis-Geschäftsführer Sanz de Lama steht an der Spitze von LexisNexis Österreich, einer der zwei Säulen, mit denen Weltkonzern RELX (vormals Reed Elsevier) in Österreich präsent ist – die andere Säule sind die Reed Messen.

Vor Jahren wurden die Fachverlage Orac und ARD gekauft, heute hat LexisNexis Österreich rund 100 Mitarbeiter. Im Interview schildert Sanz de Lama die neuen Produkte des Fachverlags für die Digitalisierung der Rechtsberufe.

Extrajournal.Net: Wie sieht die Strategie von LexisNexis als Fachverlag bei digitalen Informationsdiensten aus: Wie ist das Verhältnis von Print- zu Online-Angeboten bei Ihnen heute, was steht im Mittelpunkt?

Alberto Sanz de Lama: Wir decken heute als Fachverlag mit Print- und Digitalprodukten aus Recht, Steuern und Wirtschaft in Österreich alle Themenbereiche ab, wenn auch in unterschiedlichen Ausbaustufen. Es gibt in der Organisation bei uns keine Trennung in Print- und Online-Kategorien mehr, sondern es geht um Content. So gibt es keine Verlagsleiter mehr, sondern wir haben Content Manager. Jeder denkt bei uns automatisch alle Themen mit, wenn man beispielsweise nach neuen Autoren sucht.

Ein ganz wichtiges Produkt ist unsere Rechtsdatenbank Lexis360, die wir im Jahr 2017 gestartet haben, damals fokussiert auf die Bedürfnisse des Anwaltsbereichs. Aktuell gehen wir mit den Inhalten verstärkt in Richtung Arbeitsrecht und Personalverrechnung, wobei wir auch die HR-Abteilungen der Unternehmen stark im Blick haben.

Welcher Bereich könnte bei Lexis360 als nächstes ausgebaut werden?

Sanz de Lama: Das Projekt, an dem wir gerade arbeiten, ist die Öffnung des Portals für den Steuerbereich. Der ist natürlich der logische Kandidat. Die Steuerberater sind von Natur aus pragmatischer orientiert, hat man oft den Eindruck – sie sind von ihrer Arbeitsweise her bereits ein digitales Umfeld gewohnt.

Worauf kommt es an, um als Fachverlag in der neuen, digitalen Informationswelt punkten zu können, was verlangen die Kunden – also die User?

Sanz de Lama: Wir sehen uns als Innovationstreiber. So bieten wir bei unserem System weitreichende Suchfunktionen. Andere Anbieter haben das auch – aber unsere Suchresultate basieren nicht einfach nur auf Listen, sondern bereits auf Machine Learning. Das bedeutet: Das System erkennt den Kontext einer Suche und passt seine Ergebnisse dem an, was bei der Suche im Vordergrund steht – ob das nun vor allem eine Person ist, ein Paragraf usw.

Ebenfalls neu sind unsere Lexis Briefings. Sie sind von Experten verfasst und sehr kurz und prägnant. Sie bieten einen schnellen Einstieg in ein Thema. Das ist heute enorm wichtig, denn das Suchverhalten hat sich grundsätzlich geändert. Früher bedeutete Recherche eine langfristige Suche, man war eben >in der Bibliothek<. Heute verwendet man eher die Wikipedia als ein Lexikon.

Man sucht also öfter, dafür aber kürzer. Wenn früher abends beim Heurigen das Gespräch auf die aktuelle Bevölkerungszahl eines Landes gekommen ist, dann hat es entweder einer am Tisch tatsächlich gewusst, oder zumindest gut geblufft. Ansonsten musste man mit der Antwort auf die Frage warten bis man wieder zuhause war. Heute kommt ganz automatisch der Griff zum Smartphone. Dem müssen sich Fachverlage anpassen.

Ist dieses geänderte Suchverhalten auch für die professionelle Recherche festzustellen, wie sie Rechtsberufe u.ä. betreiben?

Sanz de Lama: Ja, das kann man auch für den Bereich der Rechtsrecherche belegen, die Zugriffe auf unsere Plattformen erfolgen öfter, aber dafür ist die Verweildauer kürzer. Auch hier ist unser auf Machine Learing basierendes Suchsystem natürlich sehr wichtig. Es bietet sozusagen einen sehr intelligenten Filter über der Recherche.

Die Kürze der Briefings folgt ebenfalls diesem Trend? Wie viele soll es geben?

Sanz de Lama: Bis Ende des Jahres 2018 peilen wir über 2000 Briefings an. Die Selektion der Experten, also der Autoren der Briefings, erfolgt nach Renomée und Praxisbezug, es sind auch Anwälte, Richter usw. – die Autorenschaft ist weniger akademisch geprägt als das sonst üblich ist. Nach anfänglicher Skepsis sind die Autoren auch meist begeistert, wenn sie das wirklich Wichtige auf 1-2 A4-Seite herunterbrechen können. Für die Leserinnen und Leser ist das ja ein enormer Vorteil. Und natürlich wird dabei nichts über Gebühr vereinfacht: Es gibt viele Verlinkungen und unter dem Text Raum für Weiterverweise durch die Autoren, und darunter wiederum die Vorschläge der KI. Letzteres ist uns wichtig: Es geht bei dem System nicht nur um die KI, sondern eben auch.

Wer ist die Zielgruppe der Briefings: Anwälte, Richter usw. oder auch Juristen in Unternehmen?

Sanz de Lama: Juristen in Unternehmen, aber natürlich auch Anwälte. Wir denken nicht nur an die typischen spezialisierten Wirtschaftsanwälte in Wien, sondern auch an Anwälte außerhalb der Großstädte, die sich mit allen Rechtsmaterien beschäftigen. Unsere Briefings decken eine Vielzahl von Themen ab, damit eignen sie sich zum Einlesen und auch zur Vorbereitung auf Mandantengespräche. Aber auch Partner mittlerer und großer Kanzleien können sich damit schnell auf ein Thema vorbereiten, denn zum selbst Recherchieren kommen sie ja kaum noch. Sie können damit ihren Wissensstand rasch auffrischen.

Denken Sie daran, einmal so etwas wie die „beliebtesten Zugriffe“ zu bieten, also zu zeigen was die meisten User angesehen haben?

Sanz de Lama: Das wäre natürlich eine von verschiedenen möglichen Ergänzungen. Allerdings geht es hier nicht bloß um die technische Realisierung, sondern es sind viele Aspekte zu bedenken, nicht zuletzt auch die Tatsache, dass uns der Schutz der Daten unserer User natürlich heilig ist. Die Zugriffe nach Häufigkeit o.ä. zu analysieren könnte damit in Konflikt treten. Unser Machine Learning tut das übrigens nicht – es erkennt lediglich den Kontext einer Suche.

Was sind derzeit ganz generell gesprochen beliebte Themen für Ihre Leser? Das Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung DSGVO am 25. Mai 2018 ist natürlich in aller Munde. Was wird heuer noch in Ihren Augen thematisch wichtig sein?

Sanz de Lama: Weiterhin der Datenschutz, auch nach dem 25. 5. Die Diskussion wird nach dem Inkrafttreten der DSGVO nämlich viel praxisnäher werden. Derzeit haben wir oft noch eine sehr theoretische Beschäftigung mit dem Thema, aber dann wird man bald sehen wie es in der Praxis wirklich gelebt wird. Ebenfalls wichtig für uns wird das Wirtschaftsrecht sein, im Bereich Gesellschaftsrecht wird Neues von uns kommen, und ebenso im Wohnrecht.

Dann werden uns heuer Jubiläen bei den Fachzeitschriften beschäftigen: Die ÖStZ (Österreichische Steuerzeitung) wird 70 Jahre alt, und die RDW (Recht der Wirtschaft) wird 35 Jahre alt. Spannend sind auch die verschiedenen Kanäle, über die wir uns mit den Kunden vernetzen, dazu zählen Veranstaltungen wie die Compliance Netzwerktreffen oder der Compliance Solutions Day, der heuer schon zum 5. Mal stattfindet.

Kommen mehr Leute jenseits klassischer Rechtsberufe als Kunden für Sie infrage?

Sanz de Lama: Ja, zum Beispiel beim Thema Compliance ist das so, denn es geht ja bei dem Thema bei weitem nicht nur um die Arbeitsfelder von Juristen. Wir haben das aktiv betrieben. Diesen Effekt sehen wir auch bei der DSGVO, die ebenfalls weite Kreise betrifft. Es ist also themengetrieben, ein generell breiteres Interesse an Rechtsthemen in der Gesamtbevölkerung sehe ich nicht. Natürlich wird die Rechtswelt aber immer komplizierter, es wird immer schwieriger, und das erhöht den Informationsbedarf.

Wächst der Fachinformationsmarkt, insgesamt gesehen?

Sanz de Lama: Was man bei Print verliert, gewinnt man digital, es ist kein schrumpfender Markt. Aber nur unter der Voraussetzung dass man das Thema Digitalisierung gut löst. Das sehe ich noch nicht bei allen am Markt.

Update: Eine neue Lexis360-Präsentation auf der Website des Verlags zeigt u.a. bereits das neue „Tax360“-Produkt (12. Juni 2018; anmeldepflichtig).

Link: LexisNexis

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