31. Mrz 2020   Business Finanz

Börsengänge: Europa gerät ins Stocken

Gerhard Schwartz ©EY Österreich / Michael Kobler

Emissionen. Die Zahl der Börsengänge in Europa ist im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 24 auf 18 gesunken. Im Gegensatz dazu ist die Zahl der IPOs in China gestiegen, so EY.

Insgesamt wagten im ersten Quartal weltweit 235 Unternehmen den Sprung an die Börse. Dies ist laut einer aktuellen Studie von EY um elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Emissionsvolumen ist außerdem um 89% auf 28,5 Mrd. US-Dollar gestiegen, heißt es.

Der Grund für das starke Plus sei aber fast ausschließlich der IPO-Markt in Asien, so EY. 68% aller weltweiten Börsengänge im ersten Quartal passierten nämlich in Asien. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg die Zahl der Börsengänge an asiatischen Börsenplätzen um 13% auf 159, das Emissionsvolumen habe sich laut EY auf 18,1 Mrd. US-Dollar verdoppelt.

Europa und USA stagnieren

In Europa und den USA geriet der IPO-Markt gegen Ende des ersten Quartals hingegen ins Stocken: „Die Corona-Pandemie in dieser Geschwindigkeit und Dimension kam für die allermeisten Marktteilnehmer ziemlich überraschend. Es herrschte lange die Erwartung, dass die Auswirkungen auf Asien beschränkt sein würden“, so Gerhard Schwartz, Partner und Leiter des Assurance-Bereichs bei EY Österreich.

Zum Vergleich: Insgesamt 90 Börsengänge wurden in China einschließlich Hongkong gezählt. Das sind laut EY um 23 mehr als im Vorjahreszeitraum. In den USA lagen die Aktivitäten mit 24 Transaktionen auf dem Vorjahresniveau, in Europa sank die Zahl der Börsengänge von 24 auf 18, so EY.

„Der weltweite IPO-Markt ist zunächst gut ins Jahr gestartet. Die zunehmende Verschärfung der Coronakrise und die enorme Volatilität an Börsen bremste die IPO-Aktivität aber besonders im stark exportorientierten Europa. In den kommenden Monaten dürften aber auch in Europa und den USA Unternehmen mit sehr belastbaren Geschäftsmodellen in ausgewählten Sektoren wie Healthcare und Technologie weiterhin den Schritt aufs Parkett wagen“, so Schwartz.

Alternative Wege an die Börse

Alternative Wege an die Börse, die eine Kapitalaufnahme und die Aufnahme der Börsennotiz zeitlich voneinander trennen, könnten jetzt stärker in den Fokus geraten, so Schwartz. So habe beispielsweise das Tübinger Biotechnologie-Unternehmen Immatics im März öffentlich angekündigt, zunächst mit einem bereits börsennotierten Unternehmen zu fusionieren und sich anschließend zum Handel an der Nasdaq zu registrieren.

Ein weiterer alternativer Weg seien direkte Notierungsaufnahmen, sogenannte Direct Listings, die laut Schwartz gerade Technologieunternehmen öfter in Erwägung ziehen: „Die Ziele dabei sind, für Investoren in einem ersten Schritt einen liquiden Markt zu schaffen und Investitionen in die Börsenfitness zu sichern. Die Kapitalaufnahme erfolgt dabei zeitlich getrennt vor oder nach dem Börsengang“, so Schwartz.

Möglicherweise entspannt sich die Situation aber auch wieder in der zweiten Jahreshälfte: „Sollte sich die zuletzt gute Entwicklung in China fortsetzen und die konzertierten Maßnahmen der Regierungen und Zentralbanken greifen, ist mit steigenden IPO-Aktivitäten aus der mittlerweile aufgestauten IPO-Pipeline zu rechnen“, so Schwartz.

 

    Weitere Meldungen:

  1. Steuerberater schneiden besser ab als Wirtschaftsprüfer
  2. Gemischte Gefühle unter Österreichs Finanzchefs
  3. Gutscheine als Ersatz für die Weihnachtsfeier
  4. CoV: Private Treffen nur noch mit maximal 6 Personen