„Effektive Führung muss digitale Distanz überwinden“

Wolfgang Güttel ©TU Wien CEC

Management nach Covid-19. Die Welt nach Corona ist digitaler – und auch distanzierter. Effektive Unternehmensführung muss das ausgleichen, heißt es am TU Wien CEC.

In einer Studie der TU Wien gemeinsam mit Linzer und Schweizer Kollegen wurden jetzt die Auswirkungen der Corona-Krise auf Unternehmen, Digitalisierung & Leadership betrachtet, so das Weiterbildungszentrum der TU Wien (TU Wien CEC).

„Brandbeschleuniger der Digitalisierung“

Covid-19 war in vielen Unternehmen der Brandbeschleuniger der Digitalisierung, heißt es dazu: Intern wurde Homework die Regel und viele gehen davon aus, dass Formen des hybriden Arbeitens auch in Zukunft bleiben werden. Die Schnittstellen zu Kunden, Lieferanten oder anderen Netzwerkpartnern wurden extern immer weiter digitalisiert, um in Kontakt bleiben zu können. Wir erleben in vielen Unternehmen daher ein Steigen der Durchdringungsgeschwindigkeit der Digitalisierung.

Dementsprechend kristallisieren sich aber für die Zukunft verschiedene Fragen heraus:

  • Wird Führung bei zunehmender Technisierung des Führungsalltags an Relevanz gewinnen oder verlieren?
  • Muss Führung für das digitale Zeitalter überhaupt neu gedacht werden?

Die Untersuchung

Vor diesem Hintergrund haben Katharina Gilli (Freie Universität Bozen), Nicole Lettner (Johannes Kepler Universität Linz) und Wolfgang H. Güttel (TU Wien) in einer explorativen Delphi-Studie untersucht, was EntscheiderInnen in Unternehmen in Bezug auf die Rolle von Führungskräften in der Digitalen Transformation für die nächsten Jahre erwarten.

Konkret wurden laut TU dabei drei Themenkomplexe untersucht:

  1. Welche Fähigkeiten brauchen Führungskräfte in Zukunft?
  2. Wie wirkt sich die zunehmende Digitalisierung auf die Führer-Geführten-Beziehung aus?
  3. Wie begegnen Unternehmen den Herausforderungen der Digitalisierung?

Dazu wurden rund 50 Personen zu vier Workshops in Bozen und Wien eingeladen, um ihre Sicht der Zukunft darzulegen und diese mit ihren Workshop-Kollegen zu diskutieren. Das Team rund um Univ.-Prof. Güttel hat die Daten aufgezeichnet und im Anschluss als Gesamtbild zusammengefügt.

Der Teilnehmerkreis setzte sich dabei aus VertreterInnen von klein- und mittelständischen Unternehmen sowie Großunternehmen mit mehr oder weniger großem Grad an Digitalisierung zusammen. Dieses Setting sollte möglichst große Vielfalt in den Zukunftsbildern generieren.

Background unterschiedlich, Erwartungen ähnlich

Die Ergebnisse überraschten das Forschungsteam in ihren Grundannahmen markant, heißt es weiter: Denn weder die Unternehmensgröße oder der Digitalisierungsgrad führten zu größeren Unterschieden. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist demnach das Aufrecherhalten der Unternehmskultur trotz physischer Distanz essentiell.

Führung überbrückt Distanz

Daher erwarten die TeilnehmerInnen der Delphi-Studie, dass sich im Zuge der weiteren Digitalisierung in Unternehmen bzw. in öffentlichen Organisationen die Bedeutung von effektiver Führung markant erhöht um die „digitale Distanz“ zu überwinden. Dazu gehören besonders die Vorgabe von klaren Zielen sowie eine Ausgestaltung der Rahmenbedingungen um schnellen Wissens- und Informationsfluss im Team zu gewährleisten.

Führung nehme auch deshalb einen besonders hohen Stellenwert ein, da das Managen von Veränderungen im Zuge der Einführungsprozesse von neuen Technologien als besonders relevant betrachtet wird. Denn Technologien erklären sich in der Regel nicht von selbst und die Herstellung der Technologieakzeptanz bei MitarbeiterInnen liegt in den Händen der Führungskräfte.

Wünschenswerte Eigenschaften

Dies alles drückt sich laut den Studienerstellenden vor allem darin aus, dass

  • Führungskräfte offen für Neuerungen sind, die auch weit über dem eigenen Beobachtungsraum liegen (sensing),
  • schnell Entscheidungen treffen, um auf neue Trends zu reagieren (seizing) und
  • Veränderungen konsequent in ihren Teams umsetzen (reconfiguring).

Damit werden von ihnen effektive Veränderungsfähigkeiten erwartet, die in der Literatur als Dynamic Managerial Capabilities bezeichnet werden.

„Wir gehen daher davon aus, dass die Qualifizierung von Führungskräften zu Führung und zu Veränderungsmanagement elementar ist und wider Erwarten technologische Fähigkeiten eine weniger bedeutende Rolle auch in Zukunft spielen werden“, so die Studienautoren.

 

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