07. Sep 2022   Bildung & Uni Business Recht Tech

Automatisierung als Lösung für demographischen Wandel

©WU Wien

Digitalisierung & Demographie. Eine neue Studie der WU Wien kommt zu dem Ergebnis, dass Automatisierung ein Ausweg aus dem demographischen Wandel – rückläufigem Bevölkerungswachstum – sein könnte. Für diese Forschung zeichnete die WU Wien Klaus Prettner als „Researcher of the Month“ aus.

Klaus Prettner und Ana Lucia Abeliansky vom WU Department of Economics kommen in einer neuen Studie zu dem Ergebnis, dass der demographische Wandel eine entscheidende Triebfeder der Automatisierung ist. Länder mit besonders niedrigem Bevölkerungswachstum haben demnach gleichzeitig die höchste Dichte an Industrierobotern pro Arbeitskraft. Jeder Rückgang des Bevölkerungswachstums um ein Prozent erhöhe das Wachstum der Roboterdichte um zwei Prozent.

Der Arbeitskräftemangel sorge also gewissermaßen für „höhere Investitionen in Automatisierung“, die wiederum „nötig sei um den Arbeitskräftemangel teilweise zu kompensieren“, so die Forscher. Die Automatisierung trage also zumindest in dieser Dimension zur „Lösung eines Problems bei“ und sollte daher nicht „per se selbst als Problem gesehen werden“, heißt es.

Neuer theoretischer Ansatz

Zur Erklärung dieser empirischen Resultate konstruierten die Forscher einen theoretischen Rahmen für die Produktion im Zeitalter der Automatisierung vor und wendeten diesen auf Länder an, die einem rückläufigen Bevölkerungswachstum ausgesetzt sind.

In ihrem Modell führten sie Automatisierung als einen neuen Produktionsfaktor ein, der im Produktionsprozess den Eigenschaften der Arbeit ähnelt, während die entsprechenden Roboter, 3D-Drucker und smarte Algorithmen aber im Eigentum der Kapitaleigner stehen. Ein geringeres Bevölkerungswachstum stärkte in diesem Rahmen den Anreiz in Automatisierung zu investieren.

Länder die mit erheblichen demografischen Herausforderungen konfrontiert sind, sollen demnach die ersten sein, die neue Automatisierungstechnologien erfinden und einführen. Dies wiederum könnte ihnen helfen „einige der negativen Auswirkungen zu überwinden, die das rückläufige Bevölkerungswachstum und der demographische Wandel für den wirtschaftlichen Wohlstand bedeuten“, so die Forscher.

Forschungsschwerpunkt Automatisierung

Der nun für seine Forschungsergebnisse als „Researcher of the Month“ ausgezeichnete Klaus Prettner ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der WU Wien. Er habilitierte 2014 an der TU Wien im Fach Mathematische Ökonomik und erhielt einen PhD in Volkswirtschaftslehre 2009 von der Uni Wien.

Seine Forschungsarbeiten wurden zweimal mit dem Young Economist Award der Nationalökonomischen Gesellschaft ausgezeichnet. Er erhielt den Epainos Award der European Regional Science Association sowie einen Best Paper Award der Fakultät für Mathematik und Geoinformation der TU Wien. Sein Forschungsschwerpunkt liegt in den makroökonomischen Auswirkungen der Automatisierung und der Digitalisierung.

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