18. Okt 2022   Business Recht Steuer Tools

„Food“-Umfrage: Teuerung und Pandemie belasten

Christoph Monschein, Erwin Scheiflinger, Georg Strasser ©Ludwig Schedl

Benefits & Gastro. Essensgutschein-Anbieter Edenred befragt im Rahmen des „Food“-Programms jährlich User und Restaurants. Heuer drücken Teuerung und Pandemie auf die Stimmung, es gibt aber auch Lichtblicke.

Im Fokus der Befragung stehen aktuelle Gewohnheiten und Bedürfnisse rund um Ernährung. Die diesjährige Umfrage veranschaulicht die Post-Corona-Trends sowie die Auswirkungen der Inflation auf Essgewohnheiten, gesunde Ernährung und Lebensmittelverschwendung, heißt es. „Die Teuerungen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Menschen versuchen zu sparen – und das nicht unbedingt zu Gunsten ihrer Gesundheit“, so Christoph Monschein, Geschäftsführer von Edenred Austria, bei der Präsentation der FOOD-Barometer-Umfrage gemeinsam mit Erwin Scheiflinger (Fachgruppenobmann-Stellvertreter Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien) und Georg Strasser (Too Good To Go).

Nach der Energie ist der Lebensmittelbereich am stärksten von der Inflation betroffen: 92 Prozent aller befragten Edenred-User*innen gehen davon aus, dass ihre Ausgaben für Lebensmittel in den nächsten Monaten steigen werden. 67 Prozent erwarten, dass Restaurantbesuche ebenfalls teurer werden.

„Entlastung von Mitarbeiter*innen möglich“

„Viele Unternehmen machen sich nicht nur Gedanken über die Auswirkungen der Teuerung auf ihren Betrieb, sondern auch über die Mitarbeiter*innen. Aktuell erkundigen sich Firmen vermehrt nach steuerfreien Essensgutscheinen, um ihr Personal zu entlasten und Lohnnebenkosten zu sparen“, sagt Monschein.

Unternehmen können das Mittagessen ihrer Mitarbeiter*innen in Österreich mit bis zu acht Euro pro Kopf und pro Tag steuerfrei bezuschussen. Im Jahr kommen so maximal 1.760 Euro zusammen. Jedoch: Die Inflation macht auch bei den Essensgutscheinen nicht Halt. Für jeden Zweiten reicht der monatliche Essenszuschuss laut Umfrage nicht mehr aus, um die Ausgaben für das Mittagessen zu decken.

Grund dafür dürften laut Erwin Scheiflinger, Fachgruppenobmann-Stellvertreter Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien, die Preiserhhungen sein: „Für 75 Prozent der Restaurants stellt die Teuerungswelle eine immense Herausforderung dar. Die Betriebe haben ihre Preise im Schnitt um 12 bis 16 Prozent erhöht. Weitere Erhöhungen im Herbst und Winter werden notwendig sein.“ So bevorzugen laut Erwin Scheiflinger 35 Prozent der Gäste preiswertere Lokale. Als nachteilig für die Gesundheit dürfte sich auch die Reduktion des Speisenangebots erweisen – eine weitere Folge der Teuerungen.

Stehen Essensgutscheine vonseiten der Arbeitgeber*innen und gesunde Ernährung in einem Zusammenhang? Auch diese Frage hat das FOOD-Barometer gestellt und folgende Antwort bekommen: 16 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich ohne Gutscheine ungesünder ernähren würden. Mehr als ein Drittel würde sich außerdem gesünder ernähren, wenn ihr Gutscheinkontingent verdoppelt werden würde.

Deutlich gestiegenes Bewusstsein für gesunde Ernährung

Die Pandemie war ein Treiber für die Entwicklung: Bei 63 Prozent der Umfrage-Teilnehmer*innen hat Corona zu einem veränderten Bewusstsein hinsichtlich gesunder Ernährung beigetragen. Fast drei Viertel aller Befragten achten seit Beginn der Pandemie stärker auf eine ausgewogene Ernährung und erwarten sich von Restaurants ein gesünderes Angebot (81 Prozent). Den Anspruch nach einem gesunden Speisenangebot bemerken auch die Gastronomie-Betriebe: 45 Prozent der befragten Restaurants verzeichnen in den letzten zwölf Monaten eine gestiegene Nachfrage nach gesunden Mahlzeiten. 58 Prozent der Lokale haben darauf reagiert und ihre Lieferant*innen und ihr Sortiment auf gesunde und regionale Produkte umgestellt.

Jedes zweite Restaurant verzeichnet weniger Gäste

Die Ergebnisse der Befragung untermauern laut den Angaben aber auch eine Negativ-Entwicklung, die sich bereits seit Längerem abzeichnet: 43 Prozent – also fast jedes zweite Restaurant – verbuchen aufgrund der aktuellen Teuerungen weniger Gäste. „Wir beobachten zwar, dass gute Lokale weiterhin gut besucht werden. Doch die Auswirkungen der Teuerungen und Pandemie werden im Herbst und Winter schlagend. Laut dem aktuellen Gastro-Monitor vom Juni dieses Jahres erwarten 42 Prozent der Betriebe eine deutliche Eintrübung der Geschäftsaktivitäten. Wir gehen also ebenfalls von einer deutlichen Reduktion der Gästefrequenz aus“, berichtet Erwin Scheiflinger.

84 Prozent der befragten Lokale gaben an, dank der Essensgutscheine neue Gäste zu gewinnen beziehungsweise Bestandskund*innen zu halten. Das bestätigen auch die Ergebnisse der Nutzer*innen-Umfrage: Fast jeder Zweite würde ohne Gutscheine seltener in Restaurants gehen.

Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung gefordert

Ein weiterer großer Schwerpunkt der Befragung betrifft die Lebensmittelverschwendung. Drei Viertel zeigen sich über die Mengen an weggeschmissenen Nahrungsmitteln besorgt. „Weltweit landen mehr als ein Drittel aller Lebensmittel im Müll. Allein in Österreich beläuft sich diese Zahl jährlich auf über eine Million Tonnen“, so Georg Strasser, Country Manager von Too Good To Go.

Die Pandemie hat zumindest ein Umdenken eingeleitet: Mehr als zwei Drittel der Befragten gaben an, nun ein größeres Bewusstsein gegenüber Food Waste entwickelt zu haben und orten hier Einsparungspotenzial. Den Bewusstseinstrend zum nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln bestätigen auch über eine Million Too Good To Go-Nutzer*innen – die App gegen Food Waste. „Unseren User*innen war von Beginn an ein bewusster und nachhaltiger Konsum wichtig. Die steigende Nachfrage zeigt uns jetzt aber auch, dass wir zunehmend ein Angebot mit Kostenvorteil anbieten, das unter Anbetracht der aktuellen Entwicklungen rund um Inflation und Teuerungen immer relevanter wird“, so Strasser.

Die Restaurants tun etwas

Auch das Verhalten von Restaurants in diesem Bereich wird immer stärker hinterfragt: 86 Prozent der Umfrage-Teilnehmer*innen wollen wissen, welche Restaurants etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun. Die Gastronomie bleibt nicht untätig: So haben 85 Prozent der an der Befragung teilnehmenden Lokale Maßnahmen ergriffen, um Lebensmittelverschwendung zu begrenzen.

  • Darunter die Optimierung der Lagerverwaltung und der Menüs (71 Prozent),
  • die Verbesserung von Verpackungen zum Mitnehmen von Essensresten (59 Prozent),
  • Partnerschaften wie etwa mit Too Good To Go (26 Prozent) und
  • die Messung der Auswirkungen von Lebensmittelabfällen (21 Prozent).

„Es gibt zahlreiche Initiativen auch vonseiten der Fachgruppe, um die Betriebe in diesem Bereich zu unterstützen. Bei Bedarf kommen zum Beispiel Expert*innen in die Restaurants, evaluieren und geben individuelle Empfehlungen ab“, so Scheiflinger.

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