03. Okt 2012   Steuer

PwC-Studie: Finanzbranche ist auf EU-Richtlinie MiFID II nur bedingt vorbereitet

Dorotea-E. Rebmann ©PWC

Wien. Die Auswirkungen der kommenden EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II („Markets in Financial Instruments Directive“) auf das operative Geschäft werde von Banken, Vermögensverwaltern und anderen Finanzmarktakteuren offenbar noch unterschätzt, so das Ergebnis einer Studie von PwC.

Zwar haben mittlerweile fast 80 Prozent der befragten Unternehmen die Auswirkungen auf ihre IT-Organisation erkannt, aber nur 14 Prozent sollen sich intensiv mit den strategischen Implikationen von MiFID II auseinandergesetzt haben, so die Studie.

„MiFID II kann eine Anpassung der Produktpalette als auch der Vertriebsorganisation notwendig machen. Die Finanzbranche sollte die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Neuregelung vorantreiben. Im Interesse des Anlegerschutzes sollen beispielsweise Provisionszahlungen der Produktanbieter an den Vermittler transparent gemacht oder an den Kunden weitergeleitet werden. Für Banken hat dies unmittelbare Auswirkungen auf Kosten und Organisation in der Anlageberatung“, erklärt Dorotea-E. Rebmann, Partnerin von PwC Österreich.

Gesamtbetrachtung notwendig

Die überarbeitete Richtlinie sei nur ein Teil im komplexen Regulierungspuzzle, so Rebmann. Welche Folgen MiFID II tatsächlich mit sich bringt, lasse sich nur in einer Gesamtbetrachtung erkennen, heißt es in einer Aussendung.

„Diese ist dringend erforderlich, um Zielkonflikte und Fehlinvestitionen bei der Anpassung interner Prozesse und Strukturen an die verschiedenen Regularien zu vermeiden. Banken sollten zum Beispiel sowohl im Hinblick auf Basel III wie auch MiFID II ihre Geschäftsmodelle gründlich überprüfen, denn beide Regulierungswerke können im Hinblick auf bestehende Geschäftsmodelle gegensätzliche Anreize auslösen“, erklärt Roland Schöbel, Leiter Financial Services Consulting von PwC Österreich.

In vielen Unternehmen fehle noch die übergreifende Perspektive, die den Zusammenhang zwischen MiFID II und anderen Regulierungsinstrumenten, wie zum Beispiel der geltenden Marktmissbrauchsrichtlinie (MAD) oder der kommenden Regulierung des bilateralen Derivatehandels durch EMIR, herstellt.

Bislang sollen erst 56 Prozent der Befragten die Wechselwirkungen von MiFID II mit dem regulatorischen Umfeld abgeglichen haben.

Gut die Hälfte (54 Prozent) ist sich zwar über die Anforderungen von MiFID II im Klaren, habe aber die Folgen noch nicht umfassend analysiert, heißt es.

Ein Umstellungsprojekt ist bei jedem Fünften bereits angelaufen, weitere zwei Drittel der Befragten planen ein Projekt.

Link: PwC Öster­reich

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