Gastbeitrag: Was ist Business Continuity?

Wolfgang Mahr ©Austrian Standards

Allzeit bereit. Wolfgang H. Mahr ist Spezialist für Business Continuity Management (BCM) und Austrian Standards-Fachautor: In seinem Gastbeitrag schildert er, wie BCM Betriebsunterbrechungen vermeiden oder wenigstens mildern kann.

Was ist eigentlich Business Continuity? Auch nach vielen Jahren des Einsatzes und großer Anstrengungen, die Grundprinzipien und die Philosophie dahinter der entsprechenden Zielgruppe (Mitgliedern von Geschäftsleitungen und Aufsichtsräten) näher zu bringen, herrschen immer noch Unverständnis und ein reflexartiger Abwehrmechanismus vor, wenn es darum geht, das Prinzip von Business Continuity zum Wohle des eigenen Unternehmens ein- und umzusetzen.

Also der Versuch einer Definition, wohlweislich abweichend von den eher sperrigen Begriffsbestimmungen, welche Experten in internationalen Standards und vergleichbaren Best-Practices festgelegt haben. Beginnen wir mit der unbestreitbaren Tatsache, dass Unternehmen in ihrer täglichen Geschäftstätigkeit jederzeit in eine Situation kommen können, in der der normale Betrieb nicht mehr möglich ist. Anstatt hier mit einer langen Liste von möglichen Gefährdungen und Ursachen aufzufahren, dürfte es verständlich sein, dass schon ein kürzerer oder längerer Stromausfall oder eine IT Störung den normalen Betrieb gehörig durcheinanderbringen würden. Wer hat das nicht schon erlebt?

Als für das Unternehmen verantwortliche Person oder Gremium kann ich also das schwer einschätzbar Risiko einer Betriebsunterbrechung eingehen und keine Vorkehrungen treffen (ohne momentane Kostenfolgen) aber mit unübersehbaren Konsequenzen im Schadenfall oder in ein Schutzkonzept investieren (Business Continuity), mit dem sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch die Auswirkungen von Betriebsunterbrechungen entsprechend reduziert werden.

Vermeiden oder wenigstens Auswirkungen beherrschbar machen

Business Continuity ist also eine das Unternehmen und seine Entwicklung begleitende Fähigkeit, Betriebsunterbrechungen zu vermeiden bzw. deren Auswirkungen beherrschbar zu machen. Hier drängt sich der Vergleich mit modernen Automobilen auf: einerseits helfen Assistenzsysteme wie zum Beispiel ABS und Stabilitätspakte, Unfälle zu vermeiden, während Knautschzonen, Sicherheitsgurte und Airbags Auswirkungen lindern. Ein Unternehmen ohne etabliertes Business Continuity Management gleicht daher einem vergleichsweise primitiven Oldtimer, bei dem es diese Elemente der passiven und aktiven Sicherheit noch nicht gab.

©Austrian Standards

Ein modernes Business Continuity Konzept basiert darauf, organisatorische und technische Schwachstellen eines Betriebs aufzudecken und diese durch geeignete Maßnahmen zu beseitigen. Dies geschieht mit Vorteil durch Schutz und Verstärkung der für einen (Not)betrieb unabdingbaren Ressourcen (vergleichbar mit der kritischen Infrastruktur eines Landes). Wir fragen uns daher weniger was alles passieren kann (diese Liste kann sowieso nicht abschließend aufgestellt werden), sondern was sind die Schutzobjekte, die unsere Aufmerksamkeit erfordern?

Besser durch die Coronavirus-Krise

Die momentan immer noch andauernde Pandemie-Krise liefert hier Anschauungsmaterial: Unternehmen, die die Möglichkeit einer Betriebsunterbrechung ins Auge gefasst hatten und eine entsprechende Krisenorganisation aufbauten, hatten hier klare Vorteile gegenüber Unternehmen, die wie aus heiterem Himmel vom Blitz getroffen wurden. Eine weitere Erkenntnis aus dem Einsatz von Business Continuity lautet: auch wenn du die Krise gemäß Planungsannahmen „gut“ überstehst, kann dein Unternehmen danach ganz anders aussehen.

Vorsorgen ist allemal besser als quälende Sorgen während und nach einer Krise.

Der Autor

Autor DI Dr. Wolfgang H. Mahr ist spezialisiert auf Business Continuity Management, mit Expertise in IT-Governance, IT-Sicherheit, Business Management, Marketing, Account und Product Management. Er ist Certified Information Systems Auditor (CISA), Fachautor, Mitarbeiter in internationalen Normungsgremien (ISO TC/292, CEN TC/391) u.a.

Im Verlag von Austrian Standards ist jetzt sein neues Buch „Business Continuity − Ihre Krisenstrategie: Betriebsunterbrechungen meistern mit ÖNORM EN ISO 22301:2020“ erschienen.

 

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