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Business, Recht, Steuer

„Big Four und kleine Kanzleien sollen gemeinsam prüfen“

Peter Wundsam ©Mazars Austria

Interview. Mazars Austria-Chef Peter Wundsam fordert mehr Wettbewerb bei Wirtschaftsprüfungen: Im Rahmen von Joint Audits soll nicht nur das Oligopol der Big Four-Kanzleien prüfen, sondern auch kleinere Kanzleien.

Extrajournal.Net: Sie sprechen sich für das Vier-Augen-Prinzip in der Form von Joint Audits aus, wie sie etwa in Frankreich vorgeschrieben sind. Als Beispiel führen Sie den Skandal um die Commerzialbank Mattersburg mit hohen Verlusten an: Kann das Vier-Augen-Prinzip mögliche Malversationen verhindern bzw. die Aufdeckung durch die Wirtschaftsprüfer erleichtern?

Peter Wundsam: Bei Joint Audits teilen die beiden Prüfungsgesellschaften die Prüfungsinhalte auf und sorgen für die Qualitätskontrolle. Gerade bei Fällen von groben Prüfungsfehlern ist das Vier-Augen-Prinzip geeignet, einen kritischeren Zugang zu Unterlagen, Aussagen des Mandanten oder „Prüfungsnachweisen“ sicherzustellen.

Das sieht man auch am Beispiel Wirecard: Laut Bericht der deutschen Untersuchungskommission hat „der kritische Zugang zum gesamten Geschäftsmodell gefehlt“.

Mehr Abwechslung für mehr Qualität

Extrajournal.Net: Die Big Four – also Deloitte, EY, KPMG und PwC – haben eine dominante Marktstellung bei der Prüfung von großen und börsenotierten Unternehmen, was zahlreiche Stellen kritisieren – darunter die EU. Warum wäre es besser, wenn die Prüfungen im Rahmen von Joint Audits auch auf andere Prüfunternehmen aufgeteilt würden? Man könnte ja anmerken, dass die Commerzialbank Mattersburg nicht von einem Big Four-Unternehmen geprüft wurde, sondern von einer kleineren Kanzlei, die nicht dazu gehört.

Wundsam: Im Idealfall prüfen bei einem Joint Audit eine große und eine kleinere Prüfungsgesellschaft und das führt durch den Lerneffekt auch zu einer höheren Qualität bei den Kleineren. Aber unterm Strich profitieren beide durch mehr Auswahl, höheren Wettbewerb und mehr Kontrolle.

Extrajournal.Net: Wie viele Kanzleien wären in Österreich in Ihren Augen in der Lage, die wirklich großen Unternehmen – die oft zitierten Top 100 – zu prüfen, d.h. auf wie viele Kanzleien würde sich die Prüfungstätigkeit durch Joint Audits und/oder verstärkte Prüferrotation erweitern?

Wundsam: Meines Erachtens wären – inklusive der Big Four – rund zwölf Kanzleien bzw in Österreich vertretene Netzwerke dazu in der Lage die wirklich großen Unternehmen zu prüfen.

Extrajournal.Net: Hätte es – neben der Qualität der Abschlussprüfung – auch ökonomische Vorteile, die Prüfungstätigkeit breiter zu streuen? Würde der Standort Österreich profitieren, würde vielleicht für Berufseinsteiger die Karriere als Wirtschaftsprüfer attraktiver?

Wundsam: Wenn es mehr Möglichkeiten gibt, bei spannenden großen Projekten mitzuarbeiten ist das sicherlich ein Anreiz für AbsolventInnen. Mehr Wettbewerb würde auch zu einer Marktbereinigung hinsichtlich transparenter Honorare führen. Mazars wird auch international als attraktiver Arbeitgeber gesehen, weil wir ein „Challenger“ bestehender Strukturen sind.

Im Interview

Mag. Dr. Peter Wundsam ist Managing Partner der Mazars Austria GmbH. Seit dem Zusammenschluss mit Moore Stephens City Treuhand GmbH Anfang 2020 hat Mazars Österreich insgesamt acht Geschäftsführer und 180 Mitarbeitende. Die internationale Partnerschaft Mazars hat 40.000 MitarbeiterInnen in 91 Ländern.

 

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