Privatstiftungen hoffen auf Umbau trotz Wahlen

Wien. „Privatstiftung 2.0“ wird der geplante Umbau bei den Befürwortern genannt: Sie hoffen auf eine rasche Reformumsetzung trotz Neuwahlen.

Geänderte rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen stellen Stifter und Stiftungsorgane vor neue Herausforderungen. Oft sind tiefgreifende Anpassungen notwendig, um die Privatstiftung fit – und damit weiterhin sinn- und wertvoll – für die Zukunft zu machen, hieß es jetzt bei einer Diskussion unter Stiftungsexperten von Schoellerbank, BDO, INARA sowie Rechtsanwalt Michael Walbert im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Wiener Hotel Palais Hansen Kempinski.

Die Statements

Einen gründlichen Check-Up und die Ausschöpfung rechtlicher Ausgestaltungsmöglichkeiten empfiehlt der auf Gesellschafts- und Unternehmensrecht spezialisierte Rechtsanwalt Michael Walbert: „Insbesondere in Familienunternehmen erfüllt die Privatstiftung zur Nachfolgeregelung eine wichtige Funktion. Um die Stiftung fit für die nächsten Generationen zu machen, braucht es eine maßgeschneiderte Foundation Governance. Zu ihrer Umsetzung in der Stiftungserklärung müssen die Gestaltungsmöglichkeiten des Privatstiftungsgesetzes zu Lebzeiten des Stifters ausgeschöpft werden.“

Die Wichtigkeit einer gut funktionierenden Steuer-Compliance für Privatstiftungen, die Unternehmensgruppen führen, betonte Berndt Zinnöcker, Partner und Leiter des Private Clients Center von BDO: „Nicht zuletzt aufgrund der Rechtsprechung des VwGH zu mittelbaren Vorteilszuwendungen und der Haftung der Privatstiftung bzw. des Vorstands für die Kapitalertragsteuer stellt die steuerliche Compliance eine große Herausforderung dar.“

Die Möglichkeit einer werterhaltenden Vermögensveranlagung im aktuellen Marktumfeld kommentiert Robert Karas, Leiter Asset Management der Schoellerbank AG und rät dabei zur langfristigen Betrachtung: „Realer Werterhalt ist in einem negativen Zinsumfeld eine große Herausforderung. Eine langfristige Beteiligung an Qualitätsaktien ist ein zu wenig genutztes Mittel zur Vermögensbewahrung. Stiftungen können langfristig veranlagen, nutzen diesen Vorteil aber zu wenig.“

Zukunftstaugliche Privatstiftungen müssen sich zudem auch immer mehr mit (elektronischen) Sicherheitsrisiken beschäftigen, betont Brigitta Schwarzer, MBA, geschäftsführende Gesellschafterin der INARA GmbH: „Datenschutz & Datensicherheit gehen auch Stiftungsvorstände etwas an. Starke Passwörter, Datensicherung und Virenschutz sind ein Muss. D&O- und Cyberversicherungen sind jedenfalls ihr Geld wert.“

Auch nach weitgehendem Wegfall von Steuerbegünstigungen bieten Privatstiftungen nach wie vor einen klaren Mehrwert gegenüber Gesellschafts- und anderen Organisationsformen, heißt es: Durch die in Ausarbeitung befindliche Reform des Privatstiftungsgesetzes sei zu erwarten, dass die Privatstiftung wieder an Attraktivität gewinnen wird. Man hoffe auf eine rasche Umsetzung der Reform trotz Neuwahlen.

Link: INARA

 

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