22. Apr 2021   Bildung & Uni Business Tech

Forschungsquote stagnierte 2020 in Österreich

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Geld für F&E. Im Corona-Krisenjahr 2020 hat Österreich weniger Geld für Forschung & Entwicklung ausgegeben. Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung sieht es etwas besser aus.

Konkret haben Österreichs öffentliche und private Akteure gemeinsam im Jahr 2020 rund 12,1 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung (F&E) ausgegeben, so Statistik Austria. Das ist etwas weniger als 2019, als die F&E-Aufwendungen 12,3 Mrd. Euro ausmachten.

Der Anteil der F&E-Aufwendungen am nominellen Bruttoinlandsprodukt (BIP), die sogenannte Forschungsquote, erreichte mit 3,23% allerdings den bisher höchsten Wert – ein Jahr zuvor waren es erst 3,10% gewesen. Dieser Anstieg ist allein dadurch bedingt, dass Österreichs Wirtschaftsleistung im gleichen Zeitraum durch die Corona-Krise deutlich zurückging – so wie die der meisten Länder.

F&E-Ausgaben trotz der Krise nicht eingebrochen

Der nominelle Rückgang der gesamtösterreichischen F&E-Aufwendungen von 2019 auf 2020 wird auf rund 2% geschätzt, während im gleichen Zeitraum das Bruttoinlandsprodukt um 5,5% zurückgegangen ist. Die F&E-Ausgaben erweisen sich damit in Krisenzeiten erneut als stabil, heißt es: In der Rezession um das Krisenjahr 2009 konnte ein ähnliches Phänomen beobachtet werden. Auch damals wurde ein starker Rückgang der Wirtschaftsleistung von zwar stagnierenden, aber nicht einbrechenden F&E-Ausgaben begleitet.

Im Unternehmenssektor werde F&E nach wie vor hauptsächlich in Bereich der Sachgütererzeugung und der unternehmensbezogenen Dienstleistungen durchgeführt und seltener in solchen Wirtschaftszweigen, die in stärkerem Maß von den pandemiebedingten Einschränkungen betroffen sind (z.B. Tourismus und Gastronomie). Auch F&E-Aktivitäten an den Universitäten und anderen öffentlichen Einrichtungen seien weniger stark von den durch Covid-19 ausgelösten Verwerfungen betroffen.

Wer zahlt wieviel für die Forschung

Die Hälfte der österreichischen F&E-Ausgaben von Unternehmen finanziert:

  • 2020 haben die Unternehmen 6,1 Mrd. Euro Forschung finanziert und damit 50% der österreichischen F&E-Ausgaben. Die F&E-Finanzierung der Unternehmen beinhaltet allerdings auch die Ausschüttungen durch die Forschungsprämie, die für 2020 vom Bundesministerium für Finanzen mit rund 1 Mrd. Euro angegeben werden.
  • Auf den Sektor Staat entfallen mit 4,0 Mrd. Euro rund 33% der F&E-Finanzierung. Der größte Anteil stammt dabei vom Bund mit 3,3 Mrd. Euro, die Bundesländer tragen 550 Mio. Euro zur Finanzierung für F&E bei.
  • 2 Mrd. Euro (16%) wurden aus dem Ausland finanziert, hauptsächlich von Unternehmen, deren Tochterunternehmen in Österreich F&E betreiben.

Öffentliche Hand wieder wichtiger

Die Finanzierungsstruktur der F&E-Ausgaben habe sich zwischen 2019 und 2020 geändert. Eine Reduzierung der Bereitstellung von Unternehmensmitteln geht mit einer stärkeren öffentlichen Finanzierung einher.

Während 2019 noch 53% der F&E-Ausgaben durch Unternehmen finanziert wurde, sank dieser Anteil 2020 auf 50%; der Anteil der öffentlichen Mittel stieg parallel dazu von 30% auf 33%.

Österreichs Forschungsquote deutlich über EU-Durchschnitt

Mit 3,10% für 2019 ist die österreichische Forschungsquote hinter Schweden (3,40%) und Deutschland (3,18%) die dritthöchste in der EU-27 und liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt von 2,20%.

Weltweit betrachtet ist Österreichs Position allerdings schwächer: Der EU-Durchschnitt liegt nämlich deutlich unter der Forschungsquote der Schweiz (3,18%, 2017) und den wichtigsten außereuropäischen Forschungs-Ländern Südkorea (4,52%, 2018), Japan (3,28%, 2018) und der USA (2,82%, 2018), aber knapp über jener von China (2,14%, 2018).

Derzeit keine Prognose

Wegen der Unsicherheiten in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung verzichte die Statistik Austria wie bereits im Vorjahr auf eine Schätzung der für das aktuelle Kalenderjahr 2021 zu erwartenden F&E-Ausgaben.

Basierend auf einer Vorausschau für 2021 von rund 100 F&E betreibenden Großunternehmen dürften die F&E-Ausgaben der Unternehmen 2021 um 1% gegenüber 2020 ansteigen. Wenn sich die Wirtschaftsentwicklung 2021 normalisieren sollte, sei daher mit einem Rückgang der Forschungsquote zu rechnen.

 

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