Open menu
x

Bequem up to date mit dem Newsletter von Extrajournal.Net!

Jetzt anmelden, regelmäßig die Liste der neuen Meldungen per E-Mail erhalten.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Newsletter-Seite sowie in unserer Datenschutzerklärung.

Bildung & Uni, Business, Recht, Steuer, Tools

Frauen-Karrieren: BDO will mehr Bewerberinnen für Top-Jobs

Peter Bartos ©Martina Draper

Interview. Die Job-Anzeigen für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sind in einem Jahr um 30% gestiegen, trotzdem droht der Branche noch kein Fachkräftemangel, sagt BDO-Chef Peter Bartos. Im Rennen um Kandidatinnen will er mit Benefits punkten.

Extrajournal.Net: Nimmt der Frauen-Anteil im Bereich Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung weiter zu? Wo sehen Sie die Branche insgesamt, wie geht es BDO Austria im Speziellen?

Peter Bartos: Der Mitarbeiterinnenanteil in Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung bei BDO ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen und liegt aktuell bei 62%. Generell nimmt der Frauenanteil in der Branche zu – auch und vor allem in Führungspositionen.

Wie entwickelt sich die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber insgesamt – männlich wie weiblich? Haben Steuerberater bzw. Wirtschaftsprüfer ein Fachkräfte-Problem, oder gibt es genug Nachwuchs?

Peter Bartos: Der Bedarf an geeigneten Fachkräften ist hoch und die Anzahl der Online-Stellenausschreibungen hat sich bereits im Vergleich von 2021 auf 2022 um über 30% erhöht. Allerdings erhalten wir sehr viel und noch immer steigende Resonanz auf die Ausschreibung unserer Praktikumsplätze, sodass uns keine akuten Nachwuchssorgen plagen.

In Bezug auf das Geschlechterverhältnis der neuen Mitarbeiter*innen sind Frauen seit dem vergangenen Jahr mit 60% der Einstellungen in der Überzahl. Trotz der positiven Gesamtzahl der Bewerbungen ergibt sich die große Herausforderung in einem kleiner werdenden Teich von Absolvent*innen eine gleichhohe oder noch höhere Anzahl an Eintritten zu erzielen. Die Steigerung der Bewerbungen ist auf die sehr intensive Recruiting & Employer Branding Arbeit bei BDO zurückzuführen. Vor allem auf dem erfahrenen Level (2-3 Jahre Berufserfahrung & aufwärts) sind Bewerbungen nach wie vor eher rar.

„Der Wettbewerb um die besten Köpfe nimmt zu“

Generell bemerken wir, dass der Wettbewerb um die besten Köpfe zunimmt. Umso wichtiger ist es uns, uns als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter*innen einzugehen. Flexibilität in Bezug auf Ort und Zeit der Arbeit, Gesundheitsvorsorge und zahlreiche Benefits wie z.B. unsere Mitarbeiter*innengewinnbeteiligung, Essenszuschuss und Öffitickets sind für uns selbstverständlich. Besonderen Wert legen wir auch auf ein gutes Miteinander und auf die Ausbildung unserer Führungskräfte. Denn bekanntlich geht es nicht nur darum, geeignete Bewerber*innen anzusprechen, sondern vor allem darum, Mitarbeiter*innen lange Zeit im Unternehmen zu halten.

Auf oberster Ebene hat BDO Austria fünf Geschäftsführer – alle männlich. Über alle Geschäftsführer- bzw. Partner-Positionen hinweg lag der Frauenanteil in der BDO Gruppe vor einem Jahr aber immerhin bereits bei rund 20 Prozent. Wie sieht es derzeit aus, wohin geht der Trend?

Peter Bartos: Der Trend geht klar nach oben. 2022 bestand der Partner*innenkreis zu 17% aus Frauen, 2023 schon zu 23%. Bei den Promotionen der letzten Jahren konnten wir klare Zuwächse bei den Partnerinnen generieren. Auf der Ebene der Director, also eine Stufe unter der Partner*innenschaft, war das Geschlechterverhältnis im Jahr 2022 ausgeglichen. Auf Ebene der Senior Manager*innen und Manager*innen waren Frauen schon mit über 60% in der Mehrheit. Eine weitere Erhöhung in der Anzahl der Partnerinnen in den nächsten Jahren ist also absehbar. Konkret haben wir es uns zum Ziel gesetzt, den Frauenanteil im Partner*innenkreis bis 2025 auf mindestens 25% zu steigern, bis 2027 soll dieser weiter auf mindestens 33% erhöht werden.

Wo sehen Sie mögliche Gründe dafür, dass der Anteil der Frauen in Führungspositionen in der Branche oft eher gering ist und trotz zahlreicher Programme zur Erhöhung des Anteils anscheinend kurzfristig nur wenige Erfolge ersichtlich sind?

Peter Bartos: Dabei handelt es sich sicherlich um die Reste historisch gewachsener Strukturen und die Folgen gesamtgesellschaftlicher Fragestellungen bzw. struktureller Gegebenheiten, wie die Frage nach der Aufteilung von unbezahlter Carearbeit, Kinderbetreuungsmöglichkeiten und der Einführung von zeitgemäßen Führungskonzepten. Eine kurzfristige Lösung solch komplexer Probleme ist nicht realistisch, sondern sie müssen langfristig betrachtet angegangen werden.

Der Bereich Audit & Tax ist bei BDO unterhalb der Partner*innenebene bereits heute mehrheitlich weiblich besetzt und wie bereits erläutert gibt es zahlreiche weibliche Führungskräfte, die den Partner*innenkreis in den nächsten Jahren ergänzen werden. Unseren Beitrag zum gesellschaftlichen Wandel und zu echter Chancengleichheit leisten wir mit flexiblen Arbeitszeiten, einem Betriebskindergarten, Väterkarenz und Führung in Teilzeit bzw. geteilter Führung – Letzteres selbstverständlich für beide Geschlechter. Wir möchten unseren Mitarbeiter*innen – unabhängig von Alter, Geschlecht und Platz in der Hierarchie – eine solide Work-Leisure-Balance bieten und ebenso eine echte Wahlmöglichkeit, wie sie die Bereiche Arbeit und Freizeit in unterschiedlichen Lebenssituationen gewichten möchten.

Welche speziellen Programme zur Förderung von Frauen gibt es bei BDO?

Peter Bartos: Grundsätzlich räumen wir der fachlichen wie persönlichen Ausbildung unserer Mitarbeiter*innen mit dem Skill Studio, unserem internen Schulungsmanagementsystem, unserer Young Leaders Academy, Ausbildungsbudget und Ausbildungsdarlehen sehr viel Raum und unterschiedlichste Möglichkeiten ein.

Dezidiert mit der Entwicklung geschlechtergerechter Karrierepfade sowie der Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen befasste sich unser Projekt Gender Equality@BDO. Die in der Roadmap für Gender Equality definierten Ziele und Maßnahmen werden im Zeitraum 2023–2027 ausgerollt. Die Schwerpunkte liegen darauf, flächendeckende Awareness zu schaffen und Gleichstellung in der Unternehmensstruktur sowie in der Führungs- und Meetingkultur zu verankern. Dabei wurden neben der sukzessiven Erhöhung des Frauenanteils in Entscheidungspositionen und -gremien, weitere Meilensteine wie die Etablierung eines aktiven und umfassenden Karenzmanagements bis 2024 sowie die Förderung von Karriere in Teilzeit bzw. die Entwicklung neuer Führungsmodelle bis 2025 definiert. Gender Equality stellt einen wesentlichen Baustein unserer BDO Nachhaltigkeitsstrategie dar, zu dem sich alle Partner*innen ausdrücklich bekennen und den es jeden Tag mit Leben zu füllen gilt.

Im Interview

Mag. Peter Bartos ist Partner und Geschäftsführer bei BDO Österreich.

Weitere Meldungen:

  1. KI-Beauftragte in Steuerberatung & KMU: Neue Termine bei BMD
  2. DLA Piper Women´s Lounge: Pionierinnen im Business
  3. „How to get on the Top“: Women in Law feierte 10-jähriges Bestehen
  4. Weber & Co holt Martina Harrer und Anita Vukas an Bord